Nachgefragt

Das Greenhouse-Prinzip: testen, testen, testen

Über die mangelhafte Infrastruktur für Start-ups in Deutschland wurde sich schon oft beschwert. Jens Uehlecke, Managing Director des G+J Greenhouse, gab vor gut einem Jahr in ONEtoONE Tipps für Gründer und berichtete gleichzeitig von häufigen Fehlern (s. Ausgabe 10/16, S. 9). Das 2015 ins Leben gerufene Greenhouse hat sich dem Ziel verschrieben, Gründern dabei zu helfen, Ideen zu validieren, Geschäftsmodelle zu testen und gemeinsam mit Gruner-und-Jahr-Vertretern an den eigenen Projekten zu arbeiten. Wir haben bei Jens Uehlecke nachgefragt, wie das Angebot von Jungunternehmern angenommen wird – und welche Projekte inzwischen realisiert werden konnten.

Jens Uehlecke, G+J GreenhouseTesten, testen, testen: Das Greenhouse Innovation Lab von Gruner+Jahr
Wenn es um Innovationen geht, überlässt Gruner+Jahr nichts dem Zufall: Bereits 2015 hat das Verlagshaus das Greenhouse ins Leben gerufen, sein hauseigenes Innovation Lab. Die Zwischenbilanz nach gut zwei Jahren fällt positiv aus: Fünf Projekte aus dem Greenhouse wurden erfolgreich realisiert und erzielen teils hohe Umsätze. Auch für externe Partner wie RTL werden mittlerweile Projekte mit der Kraft der Gruner-Media validiert. Zudem unterstützt Google das Greenhouse seit Kurzem im Rahmen der Digital-News-Initiative bei der Entwicklung eines innovativen Platform-Publishing-Tools für Publisher.

Die Funktions- und Arbeitsweise des Greenhouse orientiert sich stark an Start-ups. Kleine Teams entwickeln neue Digitalprodukte und Geschäftsmodelle und prüfen sie auf ihre Tauglichkeit. 25 Projekte sind seit Bestehen des Greenhouse Innovation Lab bereits durchgelaufen. Bei jedem Projekt haben die Teams aus Mitarbeitern und Freelancern wie Entwicklern, Grafikern und Autoren etwa drei Monate lang Zeit, ihre Ideen zu testen. Sie bekommen währenddessen Sparring und Arbeitsplatz im Greenhouse in der Hamburger Sternschanze, die notwendige Technik, ein Budget von bis zu 50.000 Euro und vor allem die Anbindung zu den G+J-Marken wie „Brigitte“, „Stern“, „Gala“ oder „Geo“. Getestet wird in der Regel mit Methoden, die auf den Lean-Start-up-Prinzipien und den Design-Thinking-Methoden basieren.

Bis zu fünf Projekte können im Greenhouse gleichzeitig getestet und validiert werden
Die meisten Ideen stammen von Mitarbeitern, die im Kontakt mit Lesern oder Kunden oder bei Marktrecherchen darauf stoßen. Es sollen Produkte oder Geschäfte entstehen, die Menschen begeistern – ein wichtiger Grundsatz der digitalen Transformation von Gruner+Jahr: Die neuen Produkte sollen sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Nutzer orientieren. Der Erfolg eines Innovationslabors lässt sich nicht nur an finanziellen Zahlen festmachen. Die Wirkung auf G+J als Unternehmen auf unsere Kultur ist ebenso wichtig wie etwa der Umsatz, den wir mit unseren Projekten und neuen Produkten machen.

Erfolgreiche Projekte
Mustergültig funktioniert hat das Greenhouse-Prinzip beispielsweise bei Club of Cooks (Clubofcooks.de). Mit über 30 der besten und größten Food-Kanäle auf YouTube ist es mittlerweile das größte Food-Influencer-Netzwerk im deutschsprachigen Raum: Auf Facebook zählt Club of Cooks mehr als 1,2 Millionen Fans, mehr als 34 Millionen Videoaufrufe und durchschnittlich 3.000 Likes pro Posting sowie 1.250 Shared Posts. Für Vermarkter bietet das Netzwerk Multi-Plattform-Konzepte und verbindet Content-Produktion mit Traffic-Seeding.

Weitere erfolgreiche Produkte mit Wurzeln im Greenhouse sind unter anderem die Influencer-Vermarktungsplattform InCircles, das Digitalmagazin „Barbara“ und die App-Marketing- Plattform AppLike.

Der Der Autor Jens Uehlecke ist seit 2015 Managing Director des G+J Greenhouse. Zuvor war er als Redakteur unter anderem bei der „Financial Times Deutschland“ und der „Zeit“ tätig sowie beratend bei Bertelsmann.