Second Screen

Shazam: Audio-Tagging in der Werbung

Eyabo Macauley, Regional Commercial Head EMEA bei Shazam

Die britische Musikerkennungs-App Shazam verwandelt sich derzeit in Richtung Social Network und digitale Werbeplattform. Nutzer können, sofern sie die App mit Facebook verknüpft haben, beispielsweise sehen, was ihre Freunde für Musik hörten. Außerdem greifen immer mehr Werbetreibende auf Shazam als Tool zurück, um ihre TV, Radio- oder Kino-Spots auf das Smartphone des Verbrauchers zu verlängern. Die App wurde eigenen Angaben zufolge 500 Millionen Mal heruntergeladen und verzeichnet pro Monat 100 Millionen aktive Nutzer.

In der Praxis funktioniert Shazam als Werbeplattform wie folgt: Verbraucher sehen beispielsweise im TV-Spot das Logo der App, daraufhin müssen sie diese öffnen. Die App erkennt den Spot anhand des Audio-Signals und zeigt dann zusätzlichen Content zum Werbetreibenden an, mit dem der Nutzer interagieren kann (siehe auch Grafik als PDF im Anhang). Nach Erkennen des Spots gibt es insgesamt drei Möglichkeiten für Werbetreibende: Es findet eine Verlinkung zur mobilen Website des Unternehmens statt, es wird ein eigener Bereich für den Werbetreibenden innerhalb der App kreiert (eine Art Microsite, ein eigenes „Event“), oder es findet eine „Full Screen Experience“ statt, wie es Eyabo Macauley nennt. Sie ist Regional Commercial Head EMEA bei Shazam in London.

Interaktion bewirken, ohne disruptive Erlebnisse


„Wer TV-Spots mit Shazam verknüpft, der kann die Aufmerksamkeit des Konsumenten länger als nur für 20 bis 30 Sekunden erhalten. Außerdem können Werbetreibende dadurch direkte Interaktion der Nutzer mit ihren Produkten oder Angeboten erreichen und somit länger im Gedächtnis verankert bleiben“, sagt Eyabo Macauley. Der große Vorteil sei dabei, dass das Erlebnis „nicht disruptiv“ sei, denn das TV-Programm wird nicht unterbrochen, und der Nutzer müsse auch nicht aufstehen und sich beispielsweise zum Computer bewegen.

Dass die Second-Screen-Nutzung, also der parallele Gebrauch von Fernsehen mit Tablets oder Smartphones, auch in Deutschland zugenommen hat, belegen verschiedene Studien. Der deutsche Markt sei diesbezüglich noch nicht so weit wie beispielsweise der englische, sagt Macauley, aber definitiv im Kommen. Shazam hat hierzulande schon verschiedene Kampagnen, beispielsweise mit Vodafone, aber auch mit Toyota durchgeführt.

In Deutschland kooperiert Shazam mit dem Bewegtbildwerbedienst Smartclip. Die Unternehmen geben an, dass es in Deutschland 25 Millionen Shazam-Nutzer gibt, pro Monat kämen rund 650.000 hinzu (Juni 2014. Die Mehrheit (55 Prozent) ist männlich, 35 Prozent aller Nutzer sind zwischen 19 und 24 Jahren alt, nur vier Prozent sind älter als 55 Jahre. Jeden Monat werden laut Shazam in Deutschland 35 Millionen Tags durchgeführt, so oft wird also nach Musik oder Werbung gesucht, die dann auch identifiziert wird. Am besten funktioniert der Dienst nach eigener Darstellung im Sport-Umfeld, bei US-Sitcoms, Blockbusternund TV-Shows. Zu den Kunden gehören neben den genannten Unternehmen auch Volkswagen, Sony, P&G sowie L‘Oréal.

Von der reinen Musik-Erkennung zur Multi-Kanal-Plattform


Shazam verdient Geld durch Kooperationen mit Werbetreibenden, durch Werbung in der App, aber auch durch Links auf Musik-Shops wie Amazon. Das Unternehmen startete im Jahr 2002 und bot damals bereits die Musikerkennung per Handy an, allerdings musste man dafür eine Telefonnummer anwählen und die Musiksequenz aufnehmen lassen. Das Ergebnis wurde dann per SMS mitgeteilt. „Shazam hat die Audio-Erkennungstechnologie begründet, die Menschen dabei hilft, Musik zu identifizieren. Wir sind zu einer App gewachsen, die ohne Aufwand Nutzer mit Künstlern, TV-Shows, Werbung, Kino und Radio verbindet. Wir entwickeln uns nun aber immer weiter dahin, zusätzliche Erfahrungen für Fernsehen, Kino, Live-Events, Handel und mehr anzubieten“, sagt Eyabo Macauley. (db)