12.09.2018

„Entscheidend sind gute Kommunikation und Respekt – auch wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind“

Bei Because Software steht WLAN nicht (nur) als Abkürzung für kabellose Netzwerke, sondern auch für das vierköpfige Management-Board: Das besteht aus – passend sortiert nach ihren Vornamen – Wolfgang Dinstl, Lorenz Mrkos, Antje Fuchs und Regina „Nina“ Gernand. Im Interview erzählen die vier Geschäftsleiter, warum sie auf eine doppelte Doppelspitze setzen und wie sich Skype-Gruppe und persönliches Meeting ideal ergänzen.

In der Computertechnik wird ein Wireless Local Area Network, kurz WLAN, überall dort eingesetzt, wo die Datenübertragung per Kabel nicht effizient ist. Habt Ihr Euer Management-Board auch deshalb so genannt, weil Ihr kommunikativ eine kabellose Verbindung zwischen den Standorten München und Wien herstellt?

Antje Fuchs: Nein, das war eher ein lustiger Zufall. Als wir nach einem griffigen Namen gesucht haben, fiel unser Blick auf ein Flipchart: Da standen unsere Anfangsbuchstaben, also L, W, A und N, mit den jeweiligen Aufgabenbereichen. Irgendwann sagte jemand: „Wenn man’s ein bisserl dreht, heißt es WLAN …“ Schon war der Name geboren – klingt doch auch viel besser als LWAN!

Lorenz Mrkos: Die Doppeldeutigkeit ist einfach bestechend. WLAN passt als IT-Begriff auch perfekt zu anderen Wort-Kreationen wie eDV – so kürzen wir unsere easyDataVisualizer-Technologie ab.

Am Standort München seid Ihr, Nina und Antje, praktisch eine geschäftliche Führungsdoppelspitze. Wie kam es zu diesem eher ungewöhnlichen Modell und welche Vorteile wie auch Schwierigkeiten seht Ihr darin?

Antje Fuchs: So ungewöhnlich finde ich das Modell gar nicht. Ich kenne auch unter unseren Kunden viele Agenturen mit zwei oder gar drei Geschäftsführern. Ungewöhnlicher ist eher, dass zwei Frauen eine IT-Firma leiten – aber auch darüber machen wir uns selten Gedanken…

Nina Gernand: Da hat Antje Recht, so selten sind Doppelspitzen nicht. In mittelständischen Unternehmen hat sich dies seit vielen Jahrzehnten bewährt, sogar internationale Konzerne wie Microsoft, SAP oder Google setzen auf geteilte Verantwortung. Damit das funktioniert, sind zwei Dinge ganz wichtig: Man muss die Entscheidungsbereiche klar und sinnvoll aufteilen – und die Chemie zwischen den Führungspersonen muss stimmen. Bei uns passt beides: Auf der persönlichen Ebene verstehen wir beide uns super; wir können uns blind aufeinander verlassen. Und wir haben eine sehr transparente Zuweisung: Antje ist für Beratung und Marketing zuständig, ich für Vertrieb und Finanzen.

Antje Fuchs: Es ist irgendwann einfach nicht mehr möglich, dass eine Person alle Fachbereiche verantwortet. Nina und ich haben von Anfang an gut zusammenarbeiten können und sind oft ein Herz und eine Seele – aber manchmal hilft, dass wir zwei Köpfe haben. Ich bin ja schon seit rund 20 Jahren im Unternehmen und kenne unsere Historie, unsere Produkte und unsere Kunden extrem gut. Nina dagegen ist erst 2015 eingestiegen, sie hat quasi immer noch den frischen Blick von außen, sorgt für neue Impulse und stellt Strukturen infrage, die anderen gar nicht auffallen, weil sie schon so daran gewöhnt sind.

Wird die Entscheidungsfindung im Team einfacher oder komplizierter?

Nina Gernand: In unsere Entscheidungsbereiche reden wir uns ohnehin nicht rein, können aber Ideen mit dem anderen reflektieren. Oft ist es ja gerade der Austausch mit einem Sparringspartner, der eine gute Lösung erleichtert. Bereichsübergreifende Entscheidungen treffen wir sowieso gemeinsam, schließlich sind wir auch gemeinsam verantwortlich.
Ich sehe daher nur Vorteile für uns und unsere Mitarbeiter gegenüber einer einzelnen Führungskraft: In Notfällen ist immer eine von uns erreichbar; auch die Zahl der Termine und Detailentscheidungen verteilt sich so auf zwei Personen.

Antje Fuchs: Um manche Entscheidungen müssen wir ringen und diskutieren auch mal lautstark. In den grundlegenden Dingen hingegen sind wir fast immer einer Meinung. Auch über die berufliche Zusammenarbeit hinaus schätzen und vertrauen wir einander. Das finde ich sehr wichtig für eine gute Atmosphäre am Standort und in den einzelnen Teams.

Ihr arbeitet jetzt bereits zwei Jahre in der WLAN-Konstellation – mit durchaus unterschiedlichen Charakteren. Wie hat sich das Zusammenspiel entwickelt?

Wolfgang Dinstl: Nur die Vielfalt mit einer gemeinsamen Haltung, die auf gegenseitigem Respekt beruht, ermöglicht eine gute Weiterentwicklung.

Antje Fuchs: Natürlich ist es nicht immer einfach, wenn sich vier Personen abstimmen müssen. Letztendlich geht es dabei aber eher weniger um unsere Charaktere, sondern um die unterschiedlichen Unternehmensbereiche und -aufgaben, für die wir stehen.

Habt Ihr spezielle Tools eingesetzt, um die Kommunikation zu verbessern?

Antje Fuchs: Wir haben natürlich viele Instrumentarien für eine bestmögliche Zusammenarbeit: wöchentliche Telkos, eine Skype-Gruppe und regelmäßige tageweise Zusammenkünfte in Salzburg, auf halber Strecke zwischen München und Wien. Wir entscheiden auch nicht alles gemeinsam, aber wir halten uns gut informiert.

Lorenz Mrkos: Außerdem unterstützt uns eine externe Kommunikationsberaterin immer wieder mal in einem gesondert dafür ausgerichteten WLAN-Meeting.

Nina Gernand: Ja, dort haben wir auch entschieden, dass wir die gemeinsamen Abstimmungstermine jetzt wöchentlich abhalten – dort gibt es immer Zeit für Information, Diskussion und Feedback. Das hilft uns sehr, Entscheidungen zeitnah und gemeinsam zu treffen.

Was waren bisher Eure Highlights in der WLAN-Konstellation?

Wolfgang Dinstl: Ich mag besonders gern unsere Arbeitstreffen in Salzburg, die wir alle paar Wochen organisieren. Da können wir auch mal am Abend zusammensitzen und über Themen abseits der Arbeit reden. Was die persönliche Beziehung stärkt, fördert den Zusammenhalt und damit auch das gemeinsame Arbeiten.

Antje Fuchs: Ein Höhepunkt ist für mich immer, wenn wir – manchmal nach durchaus mühsamer Diskussion – eine Entscheidung finden, die nicht nur ein Kompromiss ist, sondern ein echter Konsens. Und das gelingt uns zum Glück ziemlich oft!

Lorenz Mrkos: Wenn ich am Ende eines Meetings den Eindruck habe: Wir haben einander wertgeschätzt, bestätigt, unsere Sichtweisen erklärt und fühlen uns dabei verstanden – dann ist das ein wunderbares Erlebnis. Es gibt mir Kraft, das Unternehmen weiterzuentwickeln.

Was war die schwierigste Situation, die Ihr gemeinsam meistern musstet?

Antje Fuchs: Es gab keine wirklich kritische Situation für das Unternehmen. Mühsam finde ich es immer dann, wenn wir uns zwar alle einig sind, die Dinge aber eben doch nicht sofort ändern können.

Lorenz Mrkos: Der größte Konflikt ist in meinen Augen: Wie finde ich einen Einklang zwischen dem, was wir als Unternehmen entwickeln möchten und unseren Ressourcen. Es gibt ja eine Fülle von Anforderungen, wir haben als Geschäftsführer eine Verantwortung sowohl gegenüber unseren Kunden wie auch unseren Mitarbeitern. Die leisten durch ihren persönlichen Einsatz mitunter enorme Kraftanstrengungen.
Zum Glück kennen wir seit einigen Jahren keine wirtschaftlichen Krisen, sodass wir uns voll auf die Weiterentwicklung des Unternehmens und unserer Software konzentrieren können.

Was macht Euch besonders Spaß an Eurem Job?

Antje Fuchs: Dass unsere Zusammenarbeit sehr familiär geprägt ist: Wir haben alle das gleiche Ziel, bevorzugen aufgrund unserer jeweiligen Persönlichkeiten und Erfahrungen jedoch unterschiedliche Strategien. Das ist sehr befruchtend, kostet aber auch Kraft. Dann hilft es ungemein, wenn es eine stabile Beziehungsbasis gibt. Wir haben kurze Wege im Unternehmen, viele talentierte Mitarbeiter und können deshalb viel bewegen. Das macht Spaß!

Nina Gernand: Ich treffe gerne Entscheidungen, möchte neue Ideen umsetzen, das Produkt easyJOB und unser Unternehmen voranbringen. Dabei schätze ich die Abwechslung in meiner Arbeit, es wird nie langweilig. Das ist wohl auch das Verbindende in unserer Zusammenarbeit im Board: Wir wollen alle das Gleiche, durchaus mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Das macht es spannend, und nicht immer kann man sich mit seiner Idee durchsetzen. Aber im Ergebnis sind wir auf einem guten Weg – sowohl was die Arbeit im Management angeht als auch die Entwicklung des Unternehmens.

Zum Abschluss: Welche Empfehlungen für angehende Management-Boards könnt Ihr aus Euren bisherigen Erfahrungen ableiten?

Wolfgang Dinstl: Das Miteinander pflegen, einander immer wieder Wertschätzung auszusprechen und vor allem gut zuzuhören. Entscheidend sind die gute Kommunikation und der Respekt untereinander – auch wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind.

Lorenz Mrkos: Intensive Kommunikation, ein hohes Maß an Wertschätzung sowie manchmal auch Zurückhaltung bei den eigenen Ideen sind aus meiner persönlichen Erfahrung der Schlüssel für gute Zusammenarbeit.

Antje Fuchs: Meine Empfehlung: Achte auf gute zwischenmenschliche Beziehungen! Wenn es auf emotionaler Ebene nicht stimmt, dann wird auch vieles andere nicht gut laufen; bei einem vergifteten Klima hilft vermeintliche Professionalität auf fachlicher Ebene überhaupt nichts. Ich habe viele Unternehmen scheitern sehen, weil die Führungskräfte sich nicht mehr verstanden haben.

Nina Gernand: Das Wichtigste ist: Es darf in einer solchen Zusammensetzung keine Machtspiele geben, es müssen alle an einem Strang ziehen. Und: Man sollte unterschiedliche Charaktere immer als Chance und nicht als Hürde sehen.