Schwerpunkt Digitaldruck

Kleingedrucktes

Mit der „4-D-Druck-Technologie" von Heidelberg lassen sich dreidimensionale Produkte individuell bedrucken

Druckdienstleister und -zulieferer blicken optimistisch in die Zukunft: Weltweit bezeichnen 42 Prozent der Druckbetriebe ihre Geschäfte 2016 als wirtschaftlich „gut“, nur elf Prozent bewerten sie als „schlecht“; was einem Nettowert von plus 31 Prozent entspricht. Das ist laut dem vierten drupa Global Trend Report der höchste Wert, der jemals im Verlauf der mehrjährigen Befragungen erreicht wurde. Die Prognose für 2017 ist mit plus 46 Prozent sogar noch besser. Von der Wirtschaftskrise und der anhaltenden digitalen Transformation scheint sich die Druckbranche also erholt zu haben. „Druck ist wieder auf der Gewinnerspur”, sagt Sabine Geldermann, Director der Fachmesse drupa in Düsseldorf.

Einen großen Anteil an dieser Entwicklung macht der Digitaldruck aus, der weiter an Fahrt aufnimmt: Bereits 27 Prozent der Druckdienstleister berichteten 2016, dass mehr als ein Viertel ihrer Umsätze digital sei. Dabei dominiert Inkjet als Technik bei den meisten Anwendungen, und zwar mit einem Anstieg von 61 Prozent (2014) auf 74 Prozent (2016). Digitaldruck legt ähnlich schnell im Akzidenzdruck beziehungsweise Großformatdruck zu – von 37 Prozent (2013) auf 50 Prozent im vergangenen Jahr. Auch der viel beschworene Aufstieg digital gedruckter Verpackungen hat laut Global Trend Report begonnen. So boten im vergangenen Jahr 34 Prozent der Verpackungsdrucker Digitaldruck an – gegenüber 24 Prozent im Jahr 2014.

Doch wie können Druckdienstleister und deren Endkunden von der Digitaldrucktechnologie profitieren? ONEtoONE hat mit verschiedenen Dienstleistern und Herstellern von Druckmaschinen gesprochen, welche Rolle Digitaldruck in ihrem Angebot spielt und was die Vorteile gegenüber dem traditionellen Offsetdruck sind.

Digitaldruck oder Offsetdruck? Unterschiedliche Druckverfahren
Montserrat Peidro-Insa, Leiterin Business Unit Digital Print HeidelbergDigitaldruck und Offsetdruck unterscheiden sich folgendermaßen im Druckverfahren: „Beim Offsetdruck liegen druckende und nichtdruckende Elemente in derselben Ebene auf einer belichteten Druckplatte. Die nichtdruckenden Elemente weisen Farbe ab, die druckenden werden eingefärbt. Dann wird das Druckbild in der Maschine auf den Druckbogen übertragen“, erklärt Montserrat Peidro-Insa, Leiterin des Geschäftsbereichs Digital Print beim Druckmaschinenhersteller Heidelberg. Beim Digitaldruck wird das Druckbild dagegen direkt in der Maschine und ohne Umweg über eine Druckplatte auf das Papier übertragen. Dabei unterscheidet man in toner- und inkjetbasierte Verfahren.

Ein großer Vorteil des Digitaldruckverfahrens ist, dass sich mit ihm auch kleinere Auflagen relativ kostensparend realisieren lassen sowie in engen Zeit- fenstern gedruckt werden kann. „Mit dem Digitaldruck können Anwender besonders schnell und flexibel auf Marktanforderungen reagieren“, sagt Peidro-Insa. „Kleinauflagen sowie personalisierte beziehungsweise versionierte Druckprodukte sind mit diesem Verfahren besonders wirtschaftlich.“ Der Offsetdruck biete dagegen die höchste Druckqualität, besonders bei mittleren und hohen Auflagen. Heidelberg hat beide Druckverfahren im Portfolio.

Jürgen Lisei, Geschäftsführer Otto Theobald„In Abhängigkeit von der Menge, dem Format, den Bedruckeigenschaften des Papiers und der Farbigkeit wird für den jeweiligen Job die optimale Maschine gewählt“, sagt auch Jürgen Lisei, Geschäftsführer der Otto Theobald GmbH. Die Firma aus Stuhr (Niedersachsen) hat sich auf Briefumschlagdruck spezialisiert und besitzt 18 Offsetmaschinen, zehn Laserdrucker sowie fünf Tintenstrahldrucksysteme. Die Briefumschläge werden nach der Herstellung im Offset- oder Digitaldruck veredelt.

Für welche Aufträge sich Digitaldruck besonders gut eignet
Als Faustregel gilt laut Dr. Michael Fries, Geschäftsführer von diedruckerei.de: „Je kleiner die Auflage und je schneller es gehen muss, desto wahrscheinlicher ist der Einsatz von Digitaldruck als Produktionsverfahren.“ Die Online-Druckerei setzt ebenfalls beide Druckverfahren in der Produktion ein, den Offsetdruck für die Volumenprodukte mit den mittleren und hohen Auflagen, den Digitaldruck für die kleinen Auflagen und speziellen Bedruckstoffe. „Darüber hinaus setzen wir den Großformatdigitaldruck für die Herstellung von Werbemitteln wie Planen, Bannern, Roll-ups und Messewänden ein.“ Selbst für Experten sei die Qualität von Offset- und hochwertigen Digitaldrucken heutzutage kaum noch zu unterscheiden. „Für Laien überhaupt nicht“, sagt Fries.

Dr. Michael Fries, Geschäftsführer diedruckerei.deJe nach Auflagenstärke werde das eine oder andere Verfahren genutzt, um dem Kunden den besten Preis anzubieten. Kleinere Auflagen lassen sich kostengünstiger im Digitaldruck herstellen und seien durch die Blitzdruck-Option, also die Produktion am Tag der Bestellung, bereits am nächsten Tag lieferbar. Zudem sei Digitaldruck besonders bei Spezialprodukten stark: hochwertige Papiere für eine Kleinauflage Einladungskarten, fälschungssichere Eintrittskarten oder Etiketten auf Rolle. „Der Offsetdruck dagegen glänzt bei höheren Auflagen“, so Michael Fries.

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