iPhone-App

„Spiegel“ umgeht Abo-Problem bei Apples Anwendungen

Über die neue iPhone-App des "Spiegel" lässt sich auch ein E-Paper-Abo abschließen

Möglich ist dies dadurch, dass der „Spiegel“ eine eigene Infrastruktur entwickelt hat, die jene von Apple zum Teil umgeht: Die „Spiegel“-App an sich ist kostenlos. Innerhalb der App kann der Nutzer entweder das aktuelle Heft kaufen oder ein Abonnement abschließen.

Entschließt er sich zum Erwerb von nur einer Ausgabe, so geschieht dies in Form eines In-App-Kaufes über Apples I-Tune-Store. Während der Einführungsphase kostet ein Download einer „Heft-Vollversion“ 2,99 Euro. Ab vorraussichtlich Ende März 2010 wird der Preis 3,99 Euro betragen. Das sind 19 Cent mehr als die reguläre Print-Ausgabe. Der Verlag muss sich hier an das Modell von Apple halten, das bestimmte Preisoptionen vorgibt.

Ein Mini-Abo für vier Ausgaben der elektronischen Version kostet 9,60 Euro. Ein reguläres Abonnement soll wie bei der Print-Ausgabe 3,65 Euro pro Heft kosten. Die iPhone-App fungiert beim Abschluss eines Abonnements lediglich als E-Reader. „Wir haben hier eine Single-Sign-On-Infrastruktur geschaffen, auf die ich durchaus stolz bin“, so der beim „Spiegel“ für die Entwicklung verantwortliche Heiner Ulrich gegenüber ONEtoONE. So ist es egal, ob sich die Nutzer über die reguläre Website, die Mobil-Website oder die App beim Abonnement-Dienst vom „Spiegel“ einloggen – sind sie einmal als E-Paper-Abonnent registriert und angemeldet, ist es egal, über welche Plattform sie die „Spiegel“-Inhalte beziehen. Die Zahlungsprozess läuft in diesem Fall komplett an Apple vorbei; die Nutzer können aus den üblichen für den Abo-Abschluss zur Verfügung stehenden Zahlungsoptionen auswählen. Print-Abonnenten erhalten für 13 Euro pro Halbjahr oder 50 Cent pro Ausgabe zusätzlichen Zugriff auf das E-Paper.

Der neue E-Reader sei speziell für den „Spiegel“ entwickelt worden, so der Verlag in einer Pressemitteilung. Die Dateigröße der Applikation umfasse circa 5 MB, sei via W-Lan oder 3-G-Technik in unter einer Minute geladen und bleibt dann auf dem iPhone. So sollen die Nutzer das Magazin auch lesen können, wenn sie keine Internetanbindung haben oder teure Datenverbindungen aus dem Ausland vermeiden wollen.

Die neue „Spiegel“-Applikation könnte Verlagen einen Ausweg weisen aus dem Problem, dass Apple innerhalb seiner Stores eigentlich keine sich selbst erneuernden Abo-Modelle vorsieht, wie sie aus dem Print-Geschäft bekannt sind. Bisher gibt es nur Anwendungen von Verlagen, die den User darüber informieren, dass sie ausgelaufen sind – dann kann der Nutzer einwilligen, den Zugriff auf den Service zu erneuern und damit erneut zu bezahlen. „Etwas anderes wollen wir auch gar nicht – der Nutzer soll das selbst entscheiden können“, so ein Apple-Sprecher gegenüber ONEtoONE.

Diese Problematik dürfte insbesondere, wenn der von Apple angekündigte Tablet-Rechner iPad erhältlich ist, noch akuter werden. Für Bücher hat Apple eine eigene Lösung namens iBooks für das iPad angekündigt. Einen Online-Kiosk, über den Verlage virtuelle Exemplare von Zeitungen und Zeitschriften vertreiben könnten, ist bisher nicht angekündigt. (re)