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Rundruf: Beeinflussen Empfehlungen im Social Web Ihre Kaufentscheidung?

Ganze 51,1 Prozent der Deutschen sind mehrmals täglich in sozialen Netzwerken aktiv, 69 Prozent der Verbraucher zwischen 18 und 20 Jahren möchten sogar am liebsten direkt über Instagram & Co. einkaufen. Wir haben Leser befragt: Haben Sie schon einmal ein Produkt gekauft, weil es im Social Web beworben wurde, oder treffen Sie Kaufentscheidungen frei von Produktempfehlungen?

Felix Schirl, trbo, München
Für mich sind Empfehlungen meiner Freunde die beste Hilfe bei einer Kaufentscheidung – einfach, weil sie mich kennen und somit eine konkrete und für mich passende Empfehlung aussprechen können. In der Social Media-Welt achte ich in erster Linie auf nicht gesponserte Empfehlungen – wahrscheinlich habe ich diese Ignoranz gegenüber Sponsored Posts einer gewissen Berufsblindheit zu verdanken. Was mich allerdings schon das eine oder andere Mal auf neue Produkte gebracht hat, sind eigene Postings meiner Freunde. Daher ist Social Media für mich grundsätzlich auch ein guter Kanal, um auf neue Produkte und Angebote aufmerksam zu machen.

Andreas Heiz, SAS Deutschland, Heidelberg
Mund-zu-Mund-Propaganda ist ein wichtiger (vielleicht sogar der wichtigste) Faktor bei Kaufentscheidungen. Auch ich lasse mich von meinem sozialen Umfeld beeinflussen. Dazu gehören auch Produktempfehlungen in den sozialen Medien. Ich habe beispielsweise kürzlich eine Travel-App gekauft, die über Social Media beworben wurde. Die Beeinflussung kann aber auch negativ sein. Ein Beispiel: Das virale Video, in dem United Airlines einen Fluggast gegen seinen Willen aus dem überbuchten Flieger hat entfernen lassen, bringt mich eher dazu, keine United Airlines-Flüge mehr zu buchen. (Kauf-)Entscheidungen werden immer in irgendeiner Weise beeinflusst, meist geschieht dies jedoch unterbewusst.

Marie-Claire Raden, tectumedia, Berlin
Ich kaufe nur noch selten ohne Empfehlungen. Ich möchte das Risiko nicht eingehen, dass das Produkt meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich investiere lieber Zeit in die Recherche, als in dem Umtausch von Produkten. Produktempfehlungen sind per se nicht neu, man kennt sie durch die Darstellung von Bestsellern in Shops, Testimonials und Produktbewertungen. Die Auswahl ist allerdings heutzutage breiter und die Kanäle - vor allem im Social Media Bereich - sowie die Ansprache deutlich vielfältiger. Die große und extrem spannende Entwicklung beim Thema Produktempfehlung ist die persönliche Empfehlung, die mehr Vertrauen schafft. Dadurch hat das Thema Influencer-Marketing an Bedeutung zugenommen und steckt noch voller Potential.

Kai Bösterling, DELASOCIAL, Hamburg
Kein Mensch kann sich der Beeinflussung entziehen. Wir treffen unterbewusst Kaufentscheidungen, weil ein Freund schon mal über ein Produkt positiv gesprochen hat, weil wir es schon mal im Internet, im Social-Media-Newsfeed oder im Ladenregal als vielversprechend wahrgenommen haben. Aus meiner Berufserfahrung weiß ich, dass Social Media wesentlich zur Meinungsbildung und damit zur Vorbereitung der Kaufentscheidung beiträgt. Sogar deutlich mehr als Print. Empfehlungen von Freunden, aber auch von Bloggern und Influencern auf Instagram & Co. sind absolut relevant. Oft entsteht darüber der digitale Erstkontakt. Der digitale Zweitkontakt folgt dann erst auf der Produkt-Website.

Michael Hartwig, Yext, Berlin
Kundenbewertungen und Produktempfehlungen beeinflussen nachweislich das Konsumverhalten. Ich selbst habe beim letzten Kauf meiner Autoreifen letztlich den Händler gewählt, der die meisten positiven Bewertungen hatte. Unternehmen sollten aktiv daran arbeiten, Bewertungen von Kunden zu bekommen, denn Kaufempfehlungen sind Geld wert. Nicht umsonst bindet Google mittlerweile Sternebewertungen von der eigenen Website sowie Drittanbietern in die Suchergebnisse ein. Dabei sollten Unternehmen nicht nur Produkt-, sondern auch Brand- und Standort-Reviews fördern, um die Reputation und den Offline-Traffic zu fördern.

Björn Wenzel, Lucky Shareman, Hamburg
Der Großteil der Menschen lässt sich von Empfehlungen anderer, die er für kompetent und glaubwürdig hält, leiten. Wäre dem nicht so, gäbe es kein Influencer-Marketing oder keinen Einsatz von Testimonials in der Werbung. Und auch als Branchenexperte ist man vor einer solchen Beeinflussung nicht gefeit. Als ich letztens Influencer für ein Projekt recherchiert habe, bin ich auf ein tolles Video eines Youtubers gestoßen, der ein Holzspielzeug vorführte. Ich war sofort begeistert und habe es gekauft. Mittlerweile spielen auch meine Kinder damit. Die Empfehlungskette ist also in vollem Gang.

Christoph Ersfeld, dropAstyle, Aachen
Wenn ich etwas kaufen möchte, lasse ich mich definitiv von Empfehlungen aus meinem näheren Umfeld und auch dem Web beeinflussen. Nutzer in Communities, Blogs und Foren machen sich viel Mühe mit Produkttests, Preisvergleichen und Produktpräsentationen oder schildern Erfahrungen, die mir bei der Kaufentscheidung helfen. Egal sind mir dagegen Werbebanner auf Facebook und Co., die ich meistens ignoriere. Bei Kleidung ist mir sehr wichtig, dass Qualität, Passform und Preis stimmen - gerade beim Kauf über das Internet. Grundsätzlich sind Social Media-Netzwerke, Blogs und Foren eine gute Quelle für Inspiration. Aber Hilfestellung in Sachen Passform ist bislang leider die Ausnahme. Bisher kaufe ich Bekleidung deshalb auch meistens noch im Laden.

Esther Schwan, cocodibu, München
Wenn ich mal so darüber nachdenke, merke ich, dass ich mich oft von Produktempfehlungen aus meinem Umfeld beeinflussen lasse. Und das trotz meines Jobs und auch wenn man das eigentlich gar nicht zugeben möchte. Zum Beispiel hält mich meine liebe Kollegin Nadine ständig auf dem Laufenden, was die aktuellsten Beauty-Trends angeht. Da passiert es schon mal öfter, dass ich dann in der Mittagspause zum Drogeriemarkt hetze, um die angesagteste Bodylotion zu kaufen. Aber auch auf sozialen Medien wie Instagram und YouTube folge ich einigen Influencerinnen. Aus einer dieser Empfehlungen stammt dann auch eine Rosefield-Uhr, die ich mir letztens gekauft habe.

Volker Will, superReal, Hamburg
Natürlich habe ich mich bei meinen Kaufentscheidungen über soziale Medien beeinflussen lassen. Mal unbewusst oder ganz bewusst geplant. Und immer häufiger, denn User generated Content gewinnt zunehmend an Relevanz für Marken und Retailer. Wer sich davon frei spricht, hat entweder keine Ahnung oder lügt. Technologisch sind die E-Commerce Plattformen schon lange keine vertrieblichen Insellösungen mehr, sondern Marketing-Plattformen, die nahe am Salesfunnel gebaut sind. Und Marketing bedeutet ein Produkt emotional aufzuladen, ihm eine Story zu geben und wer kann das besser als Hänschen Müller von nebenan mit dem unschlagbaren Tipp: „Das ist voll gut, kann ich nur empfehlen, musst Du kaufen“.

Carsten Diepenbrock, Acxiom, Neu-Isenburg
Ich lasse mich gerne von Werbung auf sozialen Medien inspirieren, und klicke auch etwa auf Sponsored Posts auf Facebook – schon allein aus beruflichen Gründen. Meine Frau hat zum Beispiel eine Probefahrt bei SEAT gebucht - und überlegt sich ein Auto zu kaufen.
Grundsätzlich zählt für mich, und die allermeisten Konsumenten auch, die Relevanz der Werbung. Der wichtigste Faktor für Relevanz ist selbstverständlich die Zielgruppenauswahl. Die größten Erfolge haben Advertiser, die per Data Onboarding ihre eigenen Kunden ansprechen oder marktführende Zielgruppen-Segmentierungen für Kampagnen über alle Kanäle nutzen und Responses kanalübergreifend messen.

Karl Ott, ReachAd, München
Ich muss zugeben: Ich bin bei Werbung in sozialen Netzwerken beeinflussbar und schaue mir auch gerne die kleinen Facebook-Werbevideos an. Vor Kurzem habe ich erst ein Video über das derzeit sehr populäre Trend-Spielzeug „Fidget Spinner“ gesehen und habe mich anfixen lassen, sodass ich dem Link zum Shop gefolgt bin – und habe gleich für alle meine Mitarbeiter und mich „Fidget Spinner“ bestellt. Bei Anschaffungen, bei denen ich mir nicht sicher bin, verlasse ich mich aber auch gerne auf die Meinungen meiner Freunde. Bestes Beispiel dafür ist Amazon Echo – hier hole ich mir derzeit die Erfahrungen meines Freundeskreises ein bevor ich mich entscheiden werde.

Simon Gravel, freelance.de, München
Mein soziales Umfeld beeinflusst meine Kaufentscheidungen definitiv! Wenn mir ein Freund ein Produkt z.B. via Facebook empfiehlt, lasse ich mich gerne auch mal zum Kauf verleiten. Auch entsprechende Ads können Einfluss haben, wenn ich das Produkt vorher nicht kannte: Hier spielt vor allem die Qualität der Werbung die entscheidende Rolle. Insgesamt ist der Begriff „Social Media“ in der heutigen Zeit zu breit gefasst. Für die vielen unterschiedlichen Kanäle wie YouTube, Xing, Facebook etc. muss individueller Content bzw. unterschiedliche Werbung kreiert werden, um die jeweilige Zielgruppe zu erreichen. Eine allgemeine, netzwerk-übergreifende Aussage zu treffen, ist nur schwer möglich.

Tim Arlt, Händlerbund, Leipzig
Da ich wenig Zeit habe, lasse ich mich oft auch in sozialen Medien von Angeboten leiten. Meine Kaufentscheidungen fallen oft sehr spontan und ohne langes Hin-und-Her-Überlegen. Wenn ich etwas entdecke, kaufe ich meist sehr enthusiastisch und bereue es im Nachhinein selten. Dabei verlasse ich mich aber eher auf mich, als auf Empfehlungen von anderen Personen. Am häufigsten sind es neuartige Gadgets oder Technik, die bestenfalls digital vernetzt sind. Egal ob online oder stationär, der Kaufprozess geht schnell und soll möglichst unkompliziert sein. Lange Lieferzeiten und langwierige Zahlverfahren sind dabei hinderlich und nichts für mich.

Michael Pohlgeers, OnlinehändlerNews.de, Leipzig
Beruflich recherchiere ich sehr viel in Online-Shops und sozialen Medien und stoße natürlich oft auf Trends und vielversprechende Angebote. Aus Interesse schaue mir die Produkte gern an, aber als Impulskäufer würde ich mich nicht bezeichnen. Vielmehr lasse ich mich von Empfehlungen meiner Freunde beeinflussen, die mir zum Beispiel einen guten Anbieter für Gitarren-Equipment oder Merchandising empfehlen. Wenn ich dann etwas bestelle, ist es meist gut überlegt und lange recherchiert. Da ich dann meist hochpreisige Artikel bestelle, lege ich besonderen Wert auf eine schnelle und zuverlässige Lieferung. Wer will schon lange auf seine neue Gitarre warten?

Klaus Täubrich, Fürst von Martin, Hamburg
Empfehlungen von Freunden und Bekannten berücksichtige ich regelmäßig. Besonders dann, wenn ich deren Interessensgebiete kenne und ihre Tipps zu den Produkten oder Freizeitaktivitäten passen. So konnte ich gerade wieder ein neues, tolles Restaurant in Hamburg entdecken. Hinsichtlich Targeting im Social Media-Umfeld empfinde ich die bei Facebook angezeigten Werbeinhalte in der Regel schon passend zu meinen Interessen. So habe ich auch letztes Jahr im November ein spannendes neues Produkt gefunden und vorbestellt. Produkt und Website haben mich so überzeugt, dass ich es sofort bestellt habe, obwohl das Produkt erst Ende diesen Monats ausgeliefert wird. Für mich werden daher Empfehlungen und Tipps aus meinem Social-Umfeld weiter eine wichtige Entscheidungshilfe bleiben.

Bernd Stieber, netzeffekt, München
Produktempfehlungen laufen mir online regelmäßig über den Weg.
Im Business-Segment wie bei Xing und LinkedIn, sind die Empfehlungen hauptsächlich organisch, also Artikel, Technologien oder Services, die meine Kontakte teilen und mit „gefällt mir“ markieren. Im privaten Bereich bei Facebook oder Instagram sind es oft Ads mit Produktvorschlägen, die auch einigen meiner Bekannten gefallen. Also die Mischung aus Sponsored Ads und der Empfehlung meiner Kontakte. Gefällt ein Produkt auch meinen Freunden, fällt mir die Kaufentscheidung in der Regel leichter. Oft kommen auch meine Kinder mit den verrücktesten Ideen an, die sie gerade im Netz entdeckt haben.

Weitere Antworten unserer Leser können Sie in der aktuellen ONEtoONE Ausgabe 07/17 nachlesen.

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