Christian Hankes Messe-Fazit

'Die SXSW bringt viele Ideen, noch etliche Probleme und einige Lösungen'

Evan Williams, Mitgründer von Twitter und Medium.com, sprach auf dem SXSW-Festival über die Probleme der Content-Plattformen, die richtigen Metriken für die Ausspielung der Inhalte zu finden.

Dass es nicht jedes Jahr eine absolute Neuheit zu sehen gebe, sei nicht unerwartet – dennoch drängen sich die Innovationen, die dort vorgestellt wurden. Neben den Diskussionen mit Fachleuten sei es für ihn immer noch eine Veranstaltung, deren Besuch sich absolut lohnt. Die Trends, die den Agenturmenschen mit Expertise in Content Experience und Personalisierungsstrategien auf dem diesjährigen Festival in Texas beschäftigt haben, sind neben der Weiterentwicklung der (Massen-)Plattformen und ihrer Monetarisierungsstrategien insbesondere die Weiterentwicklung der Sprachsteuerung und –nutzung sowie der nicht aufzuhaltende Einzug von Künstlicher Intelligenz (KI) in allen Marketing- und Kommunikationsbereichen. Er fasst die für Marketer spannenden Themen wie folgt zusammen:

1. Plattformen und Medien kämpfen um die Monetarisierung

Bei der nach wie vor zentralen Frage, über welche Plattform Verlage ihre Inhalte am besten ausspielen, kam man auch auf der SXSW nicht an den „Big 3“ Google, Facebook und Apple vorbei. Facebooks neuer Algorithmus hat jedoch Bewegung in das Feld gebracht: Viele Medien nannten erstmals Apple News als ihre stärkste (wenn auch oft undurchsichtige) Trafficquelle, Traffic von Facebook rangierte hingegen abgeschlagen.
Wichtig auch für Marketer: Auf der Suche nach Wegen, relevante Inhalte auszuspielen, ringen selbst große Plattformen wie medium.com noch um gute Metriken: «We have tons of data, but we still don’t know how to measure article quality», sagte der Mit-Gründer von Twitter und Medium.com Evan Williams über die Schwierigkeit, die Qualität der Inhalte zu messen, um Premium-Subscriptions voranzutreiben.

Eine Plattform, die stärker als sonst in den Fokus rückte, war Pinterest. Brian Monahan,
Head of Customer Strategy bei Pinterest, stellte die 2017 gestarteten Produkte 'Shop the look', 'Lens' und 'Pincodes' vor, die physikalische Stores und digitale Welten verbinden. Dabei soll allein Lens 600 Millionen visuelle Suchen im Monat erzeugen, indem Kunden etwas per Kamera „erkennen“ und speichern – von Mode über Essen bis Inneneinrichtung. Er umgarnte das Publikum mit markanten Aussagen wie "Agencies are crucial to create content that is relevant in that moment in time."

2. Herausforderung Sprachassistenten und -steuerung

"The microphone is the new keyboard“ betonte in der gleichnamigen Session Eric Picard, VP Advertising Product Management, Pandora. Nicht nur nutzen 80 Prozent der Menschen unter 29 Jahren Sprachnachrichten als Kommunikation, auch ziehen seit zwei Jahren immer mehr internetfähige Geräte ohne Bildschirm, sogenannte „Screenless Devices“ in die Haushalte ein. Was bedeutet es für Marketer, wenn mit Google Home, Amazon Echo & Co in drei Jahren 30 Prozent aller Websessions sprach- statt bildschirmgesteuert stattfinden, wie es Christopher Ferrel von The Richards Group prognostiziert? Wenn Sprach-Interfaces Screens ablösen, gibt es für Marken und Medien einen Berg an Herausforderungen zu bewältigen. Dazu zählen einerseits wieder Plattformabhängigkeiten, wobei Alexa derzeit laut Aussage von Dave Merrell, WashingtonPost, das Rennen anführt. Und andererseits Interface-Herausforderungen rund um das Entdecken und Auswählen von Inhalten, die begrenzte Merkfähigkeit von Befehlen, wie Interaktion mit Werbung im Entertainment stattfinden kann und wie man Mehrsprachigkeit im Haushalt in der Ansprache begegnet. Alexas Head of News Saigin Govender nannte als größte Herausforderung "die zukünftig vollständige Verfügbarkeit von Voice Interfaces zu Hause, bei der Arbeit, im Auto, auf dem Handy und wie diese dann zusammenspielen."

3. Wie weiter mit Künstlicher Intelligenz?

KI wird für Brands und Medien wichtig bei der Inhalte-Ausspielung, bei der Schaffung von digitalen Erlebnissen, um das Shopping zu personalisieren, und vielem mehr. Nachdem KI in vielen Produkten bereits enthalten ist und fleißig trainiert wird, vollzieht die Branche eine intellektuelle Rolle rückwärts und debattierte auf der SXSW viel über KI als Design-Herausforderung: Was ist die Ethik der KI? Welche Annahmen leiten uns – also die Designer und Programmierer – wenn wir jetzt Grundlagen legen? Manipulieren wir uns? Jeder sollte hier die eigene Verantwortung spüren. Tim O’Reilly plädierte in einer intimen 20-Menschen-Connect Session nach seinem Vortrag gar für „eine neue Ökonomie, die Nicht-monetäre Ziele stärkt.“

Festivalbesucher Hanke kann dem zustimmen. Die Frage bleibt nur, wie.

Wer sich selbst einen Eindruck machen will von den Sessions, findet diese unter den nachfolgenden Links.