Mobile

"Wir haben den besten Überblick!"

Smaato-Gründerpaar Ragnar Kruse und Petra Vorsteher: Der Firmenname ist dem japanischen Wort für "smart" nachempfunden

Im 19. Stock des Hamburger Emporio- Towers hat man Visionen. Von hier oben blicken Petra Vorsteher und Ragnar Kruse nicht nur auf die schönsten Flecken der Hansestadt. Sie schauen auch hinab, schräg gegenüber nur wenige Meter entfernt, auf die deutschen Niederlassungen der Konzerngiganten Facebook und Google – Partner, aber auch Konkurrenten, wie Vorsteher sagt.

Im Jahr 2005 hat die 59-Jährige gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Kruse das Unternehmen Smaato gegründet, das heute weltweit zu den führenden Plattformen für den Vertrieb mobiler Werbung zählt. Pro Tag laufen durchschnittlich zehn Milliarden Werbeanfragen auf der Plattform ein. „In der Spitze im Dezember 2015 waren es sogar 15 Milliarden pro Tag“, sagt CEO Kruse. „Das sind 173.000 Anzeigen in der Sekunde.“ Das Gründerpaar ist es gewohnt, mit großen Zahlen zu hantieren. Ihr Ziel: Die Eine-Milliarde-US-Dollar-Grenze zu knacken. Von sich als Start-up sprechen sie daher längst nicht mehr. „Wir wachsen von Jahr zu Jahr um mehr als 50 Prozent und wollen in den nächsten Jahren auf einen Umsatz von einer Milliarde US-Dollar kommen“, sagt Kruse. Aktuelle Zahlen nennt das Unternehmen nicht; laut einem Medienbericht aus dem Vorjahr lag der Umsatz zuletzt bei unter 100 Millionen Euro.
Angefangen hat das Paar bereits in den Neunzigerjahren mit dem Shop-System Intershop, das mittlerweile zum Ebay-Konzern gehört. Sie entwickelten zu dieser Zeit den nach eigenen Angaben ersten Mobile-in-App-Adserver, der offline tracken konnte – „nur leider zu früh“, wie Vorsteher über die Zeit, in der von Mobile noch kaum die Rede war, sagt. „Aber wenn man Visionen hat, muss man daran glauben und durchhalten können, auch wenn alle anderen sagen, dass es unmöglich ist.“ Mit geändertem Business-Modell entstand 2006 dann die Plattform, die noch heute in überarbeiteter Form Ad-Networks anbindet und so Publisher und Advertiser zusammenbringt – komplett im Self-Service, wie Kruse sagt. Die Transaktionen, in denen Werbeplätze in Echtzeit versteigert werden, dauern nur etwa 150 Millisekunden. „Wir sind eine Art Ebay für mobile Werbung“, erklärt Vorsteher. Sie versteht sich vor diesem Hintergrund als Pionierin: „Wir haben von Anfang an nur Mobile, nie Online gemacht und immer global gearbeitet. Ich denke, wir haben innerhalb unserer Branche weltweit den besten Überblick.“

Ein Stück Silicon Valley in Hamburg

Petra Vorsteher lebt seit 1981 in Kalifornien, ihr Mann sei ein paar Jahre später nachgekommen. Dort, in San Francisco, befindet sich auch der Hauptsitz von Smaato. Die Impulse aus dem Silicon Valley nehmen die Unternehmer mit in die deutsche Hansestadt. „Bei Technologie-Adaptionen hängt Deutschland etwa zweieinhalb Jahre hinterher“, sagt Kruse. Deutschland sei für Smaato der drittgrößte Markt für mobile Werbeausgaben, aber nach wie vor werde darin zu wenig investiert. Das Problem: „In Deutschland kommt viel aus dem Direktvertrieb, aber alles, was Programmatic ist, läuft indirekt“, so Kruse. Was also tun mit den Direktvertrieblern? „Das sind Infrastruktur-Fragen, durch die sich Dinge verschieben.“ Zudem werde bei den werbetreibenden Unternehmen derzeit noch keine echte Notwendigkeit gesehen, sich mehr auf Mobile zu fokussieren. „Solange alles einigermaßen läuft, ändert man halt auch nichts – oder leider oft zu spät.“

Die Herausforderungen im Bereich Mobile sieht Kruse daher vor allem darin, innovativ und schnell zu bleiben – im Zweifel schneller als andere. Trends wie Programmatic, native Werbung oder In-Application-Advertising müsse man nicht nur erkennen, sondern frühzeitig mitnehmen. Wichtig sei vor allem, die Mitarbeiter stetig zu motivieren. „Das ist eine tägliche Herausforderung“, so Kruse. 120 Mitarbeiter aus mehr als 30 Nationen sind in Hamburg, der europäischen Niederlassung von Smaato, vor allem für das Engineering der Firma zuständig. Weltweit arbeiten 220 Personen für das Unternehmen, weitere Standorte befinden sich in New York und Singapur. Dort sucht man nun nach neuen Büroräumen – die Räumlichkeiten gegenüber dem berühmten Raffles Hotels in Singapur sind nicht länger groß genug für Smaato.