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Wachstum durch Digitalisierung

Die Onlineprinters produzieren Printprodukte für rund 400.000 Kunden pro Jahr

Eine Epiphanie, einen Geistesblitz – das hatte Walter Meyer wohl, als er eines Tages im Jahr 2004 von einem Großkunden aus Nürnberg kam. Meyer war damals schon zehn Jahre in der väterlichen Druckerei E. Meyer, gegründet 1984, tätig. Der Großkunde verlangte Preise, die einfach nicht zu realisieren waren. „Bei der Heimfahrt habe ich mir dann überlegt, wie man diese Abhängigkeit von den Großkunden reduzieren und das Geschäft auf mehrere kleine Kunden verteilen kann. Da hatte ich dann die Idee, über das Internet zu verkaufen.“ Meyer gründete Diedruckerei.de, mittlerweile unter dem Dach der Onlineprinters Holding gemeinsam mit der Druckerei E.Meyer. Zu Anfang mit dem Gedanken, fünf Prozent der Aufträge für die Druckerei E.Meyer aus dem Online-Geschäft zu generieren. Heute, elf Jahre später, kommen 98 Prozent der Aufträge übers Internet, das Unternehmen in Neustadt an der Aisch zählt mittlerweile 550 Mitarbeiter, die Onlineprinters haben in 14 Ländern eine eigene Website, gehören zu den führenden Online-Druckereien Europas.

Etwas revolutionär Neues war die Idee Online-Druck damals nicht. Es gab schon andere, Flyeralarm zum Beispiel, gegründet 2002. Doch keine andere Online-Druckerei ist aus einer konventionellen Druckerei hervorgegangen. „Einen Plan hatte ich am Anfang nicht. Ich dachte, die Hardware haben wir ja, die Website kann nicht so ein großes Problem sein“, sagt Meyer. „Aber dann ist es doch rasanter gegangen, als ich erwartet hatte.“

Nachfrage größer als gedacht


Ein Phänomen, das nicht nur Meyer kennt. Auch Robert Schneider von w&co MediaService dachte nicht, dass die Nachfrage nach Erweiterung des Geschäftsmodells so schnell so groß wird, dass die Agentur mittlerweile 280 Mitarbeiter in München und Bulgarien hat. „Am Anfang hatten wir zwar einen Plan, aber die Realität sieht anders aus. Da wurde unsere Planung übertroffen.“ W&co wurde 1954 gegründet, als klassisches Reproduktionsunternehmen. Vor 15 Jahren begann dann die sukzessive Erweiterung des Angebots. Zunächst die Kreation mit Konzeption und Gestaltung. Das sei ein logischer Schritt gewesen, so Schneider. „Da sind wir so hineingewachsen.“ 2005 kam dann der Bereich E-Commerce mit Shop-Entwicklung und Webshop-Management dazu. Da man sowieso zu einem Großteil Kunden aus dem Versandhandel hat, kam auch dieser Schritt nicht von ungefähr. Vor fünf Jahren folgte dann noch der Bereich Fotografie, vor drei Jahren die Systemimplementierung und Entwicklung von Medien-IT. „Die anderen Bereiche haben wir dann langsam und strategisch aufgebaut, nicht aus einer Krise heraus entwickelt“, so Schneider. „Es war ein kontinuierlicher Change-Prozess.“ Als Erstes habe man sich mit den neuen Angeboten an Bestandskunden gewandt, die auch den neuen Services eine Chance gaben. Bei der Marktentwicklung hin zu immer crossmedialerer Ansprache würde die Nachfrage ganz von allein kommen, so Schneider.

Die Bereiche Print und Online pushen sich gegenseitig


Crossmediale Ansprache hat sich auch das 1936 als Adressverlag gegründete Unternehmen Trebbau auf die Fahne geschrieben. Das Adressengeschäft, mittlerweile beschränkt man sich auf das Listbroking, ist zwar immer noch ein wichtiger Teil des Geschäfts, genau so wie der Print-Produktionsbereich. Aber vor rund acht Jahren kamen zu den postalischen Adressen noch E-Mail-Adressen, vor sechs Jahren folgte dann der Start der directmedia-Plattform und damit auch Performance-orientiertes Online-Marketing. „Wir waren schon getrieben, neue Ideen zu entwickeln. Wenn man sieht, dass der ein oder andere Bereich zurückgeht, dann muss man sich neue Möglichkeiten ausdenken“, sagt Gerd Kölzer, Geschäftsführer von Trebbau, der den Impuls zur Angebotserweiterung gab. „Wir haben auf Krisensituationen aber nicht nur reagiert, sondern auch agiert und ganz bewusst und strategisch viel Geld in die Fortbildung und Schulung von Mitarbeitern gesteckt.“ Seit der Implementierung der neuen directmedia-Plattform sei die Mitarbeiterzahl um 30 Prozent angestiegen, so Kölzer. Mittlerweile arbeiten knapp 140 Menschen für das Unternehmen in Köln. Eine Nachfrage mit der Kölzer nicht gerechnet hatte. „Wir dachten, wir machen das jetzt so nebenbei. Aber wir wurden mehr und schneller gefordert, als wir gedacht hatten.“ Denn die Kunden pushen sich gegenseitig: Viele alte Print-Kunden sind nun mit auf den Digital-Zug aufgesprungen und machen jetzt auch ihre crossmediale Ansprache mit Trebbau. Und umgekehrt funktioniert es auch: „Bei reinen Online-Playern kriegt man nur einen Fuß in die Tür, wenn man auch Online-Maßnahmen anbietet. Und jetzt machen wir für diese Kunden auch Print“, erzählt Kölzer. So pushen sich beide Bereiche gegenseitig.

„Ohne Werbung wird niemand zu dir kommen“


So unterschiedlich die Entwicklungen der drei Unternehmen auch sein mögen, den Anstieg ihres eigenen Marketing-Budgets haben sie alle bemerkt. Werbung sei wichtig, um die neuen Angebote zu kommunizieren und die für das Online-Geschäft nötige Reichweite aufzubauen. „Das Wichtigste ist das Marketing. Das braucht man, um Bekanntheit aufzubauen und das bedeutet auch Vertrauen. Ein gewisses Marketing-Budget sollte man sich für die Eröffnung der Digitalstrategie schon zur Seite nehmen. Ohne Werbung wird keiner zu dir kommen“, rät Walter Meyer, der früh auf reichweitenstarkes Sponsoring bei Fußballspielen und TV-Spots gesetzt hat. Auch Robert Schneider von w&co hat viel in Werbung investiert. „Das Marketingbudget steigt bei uns jedes Jahr.“

Für Trebbau hat sich mit der Kommunikation der Angebotserweiterung noch etwas anderes geändert. „Wir werden ganz anders wahrgenommen. Papier hat etwas Staubiges an sich. Auch wenn wir nicht von gestern sind, war das doch in den Köpfen einiger verankert. Diese Wahrnehmung ändert sich gerade, und wir kommen mit ganz neuen Leuten in Berührung.“ (ks)