Gastbeitrag: Gastbeitrag von Ann-Christin Zilling

Um Himmelswillen! Bloß keine Eigen-PR!

Zweitens machen wir die Konkurrenz schlau. Die liest dann am Ende, was wir uns bei der Kampagne für unseren Top Autokunden oder unsere Schokoriegel-Freunde gedacht haben. Im schlimmsten Fall steht sogar drin, wer bei uns als rarer, gefragter Online Architect zuständig war und im allerschlimmsten Fall wird sogar unser Kunde namentlich zitiert. Da ist doch Tür und Tor geöffnet für Abwerbeversuche!

PR lohnt sich nicht


Drittens ist Dialogmarketing in der großen Werbefachpresse doch sowieso kein Thema. Die schreiben doch nur über Film, Funk, Print und Fernsehen, was interessiert die da unser Mailing oder das intelligente Content Management System. Viertens sind die Journalisten doch ohnehin nur auf die börsennotierten Netzwerkagenturen und die großen Inhaber-geführten fokussiert. Wahrscheinlich müssen wir denen erst mal unseren Firmennamen buchstabieren, wenn die uns wirklich zuhören. Und dann wollen die das exklusiv – der ganze Aufwand nur für einen Journallisten, das lohnt doch nicht. Fünftens, wenn überhaupt jemand von denen sich mit Dialogmarketing befasst, interessiert er sich doch ohnehin nur für die Probleme der Callcenter-Branche. Callcenter = Dialogmarketing. So einfach ist das. Sechstens: Wir können uns doch echt nicht auch noch mit Eigen-PR befassen. Wer soll das denn noch obendrauf tun, die Geschäftsführung arbeitet doch ohnehin schon am Limit. Siebtens: OK, unsere Website entspricht wirklich nicht mehr dem neuesten Stand, aber die anderen Agenturen haben doch auch keine gescheiten Websites. Achtens: Das ist doch Geld zum Fenster hinausgeworfen! Da müsste man sich ja einen Berater reinholen, und wir wissen ja aus eigener Erfahrung, was das kostet. Neuntens: Bei uns fragt sowieso nie ein Journalist an, wir sind gar nicht auf deren Agenda, und warum auch. Zehntens: Und interne Kommunikation bringt doch sowieso gar nichts. Die Leute hier sollen arbeiten, alles andere brauchen die nicht zu wissen. Elftens: Es läuft doch auch so, wieso sollen wir da plötzlich anfangen mit Eigen-PR? Und zwölftens haben wir das überhaupt noch nie gemacht.

Voll auf die Zwölf?


Sie haben noch nicht genug! Dreizehntens kann nämlich ohnehin nur der Seniorchef Auskunft geben, und der ist nie da. Vierzehntens könnten unsere Kunden ja denken, uns geht es zu gut, wenn sie lesen, was wir alles tun. Am Ende kürzen die unser Honorar! Fünfzehntens machen wir doch ohnehin nichts Besonderes. Unsere Positionierung haben wir auf der Website der anderen abgeschrieben und unser Agenturname ist generisch. Sechzehntens: Was ist, wenn wir aufgrund unserer PR plötzlich zu einem Pitch eingeladen werden. Das ist ja immer ein Riesenaufwand, und bezahlt wird das auch nicht. Dafür haben wir gar nicht die Leute! Siebzehntens: Sich via Awardshows dem Wettbewerb stellen und an der Weiterentwicklung der Branche teilhaben? Ach nee, das sollen die anderen machen, das reicht ja dann auch. Achzehntens: Warum soll ich überhaupt mit der Presse reden, die verstehen ohnehin nur, was sie verstehen wollen, und hören nie zu. Neunzehntens: Nur weil man Kunden Kommunikation verkauft, muss man sie doch noch lange nicht selbst einsetzen. Zwanzigstens: Diese ganzen Medien kann doch heute ohnehin keiner mehr lesen, warum soll ich mich denn dann darum bemühen, drinzustehen!

Liebe Agenturchefs: Lassen Sie’s bleiben. Eine gewisse Auslese tut dem Markt von Zeit zu Zeit ganz gut.

Ann-Christin Zilling
Als freie Beraterin für Unternehmenskommunikation widmet sich die Hamburgerin der internen und externen Kommunikation von Agenturen und branchennahen Dienstleistern. Zuvor arbeitete sie als PR-Frau bei namhaften Agenturen und Verlagen im Frankfurter Raum.