Weiterbildung

Schwerpunkt: Berufswunsch Marketing

Erst im vergangenen Jahr musste mit der BAW Bayerische Akademie für Werbung eine etablierte Marketing-Institution ihr Ende bekannt geben. Die Studienangebote im Bereich Kommunikation, Markting und Werbung haben nicht mehr den „zahlenmäßigen Zuspruch in Form von Anmeldungen für Vorlesungen gefunden, wie dies für einen kontinuierlichen weiteren Fortbildungsbetrieb kostendeckend nötig gewesen wäre“, lautete damals die Erklärung der Akademie.

Achim London, Geschäftsführer DDA Deutsche Dialogmarketing-AkademieEin ähnliches Schicksal scheint nun auch die Dialog-Akademie DDA ereilt zu haben, wie ONEtoONE von der Geschäftsführung erfahren hat: „Bislang hat die DDA an ihrem originären Anspruch festgehalten, hochwertige und praxisorientierte Weiterbildung mit Präsenzunterricht anzubieten, die zeitlich wie finanziell einen gewissen Aufwand beinhaltet – den allerdings immer weniger Kunden auf sich zu nehmen bereit sind“, erklärt Akademie-Chef Achim London die Entwicklung. Unternehmen würden seit geraumer Zeit feststellen, dass die Generation Y oder Z nicht mehr so loyal fünf, acht oder mehr Jahre in einem Angestelltenverhältnis verweilt. Die Bereitschaft, in einzelne Mitarbeiter zu investieren, würde demnach kontinuierlich sinken. „Und die Mitarbeiter wiederum sind heutzutage oft nicht mehr bereit, eine Weiterbildung zu absolvieren, die freitagnachmittags und samstags persönliche Freizeit ‚stiehlt‘. Work-Life-Balance ist angesagt“, so London. Daher will sich die Akademie nun nach mehr als 20 Jahren eine Auszeit nehmen und sich neu aufstellen, wie es heißt.

DDA formte modernes Berufsbild im Dialogmarketing

Seit 1993 hat die DDA Ausbildungsmöglichkeiten im Dialogmarketing angeboten, zunächst in Hamburg und Frankfurt, später auch an vier weiteren Standorten. Zum Studienangebot gehörte etwa das achtmonatige Präsenzstudium zum Fachwirt Dialogmarketing. Von 2007 an gab es ferner den Studiengang zum Fachwirt Online-Marketing, seit 2010 die Qualifizierung zum Fachwirt Social Media. Rund 100 Absolventen haben laut Geschäftsführer London pro Jahr ihr europäisch anerkanntes Diplom beziehungsweise Zertifikat erhalten. Die Mehrheit der Vorlesungstage fand am Wochenende statt. Bei einer achtmonatigen Studiendauer waren für einen Fachwirt-Studiengang regulär 7.800 Euro an Gebühren fällig.

Bild: Tina DemetriadesHarald R. Fortmann, BVDW-Botschafter Arbeitswelt der ZukunftIdeelle Träger der DDA-Fachwirt-Studiengänge sind der Deutsche Dialogmarketing Verband (DDV) sowie der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), die ONEtoONE um eine Einschätzung zur Situation der DDA gebeten hat. „Grundsätzlich bedauern wir, dass unser langjähriger Partner Achim London mit seiner DDA-Akademie den Entschluss gefasst hat, das Geschäft einzustellen“, sagt Harald R. Fortmann, BVDW-Botschafter Arbeitswelt der Zukunft. „Damals als Mitglied des BVDW-Präsidiums, jetzt als Botschafter Arbeitswelt der Zukunft, habe ich das Konzept des Fachwirts Online Marketing maßgeblich mitkonzipiert und auch selbst lange Zeit als Studienleiter in Hamburg mitgewirkt. In den zehn Jahren, in denen das Programm auf dem Markt Bestand hatte, wurden zahlreiche junge Digitale ausgebildet, die heute oftmals in Führungspositionen in der digitalen Wirtschaft tätig sind.“

Fortmann weiter zur Frage nach der Zusammenarbeit von BVDW und DDA: „Als Verband müssen wir uns immer dem Markt stellen. Hier kam auch immer wieder Kritik auf, dass wir einzelne Unternehmen unterstützen. Dies ist klar zu revidieren. Wir haben 2006 mit der DDA einen Partner gefunden, der ein echtes Risiko eingegangen ist und uns als Verband unterstützt hat, um unseren Mitgliedern und der Branche geeignete Weiterbildungsangebote anzubieten. Mittlerweile gibt es vielfache private und öffentliche Anbieter, oftmals auch aus den Reihen der BVDW-Mitglieder. Daraufhin haben wir nach langer Zeit die Vergabe von Stipendien eingestellt und waren in erster Linie als ideeller Träger an Bord und haben personell in Prüfungskommissionen und im Beirat unterstützt.“

Als maßgebend für die aktuelle Entwicklung der DDA sieht Fortmann – wie bereits Achim London – eine mangelnde Bereitschaft der Unternehmen, in ihre Mitarbeiter zu investieren: „Natürlich muss man hinter die Kulissen schauen, und jede Akademie ist am Ende ein wirtschaftlicher Betrieb. Allerdings müssen wir hier auch klarstellen, dass das Bewusstsein eines Arbeitgebers, in seine Mitarbeiter und in deren Aus-und Weiterbildung zu investieren – gerade in der digitalen Wirtschaft –, nicht sehr ausgeprägt ist. Zum Großteil waren die Studenten der DDA daher aus der klassischen Wirtschaft und hier gleichermaßen aus dem Mittelstand wie aus Konzernen.

Martin Nitsche, Präsident Deutscher Dialogmarketing VerbandÄhnlich sieht das der Präsident des DDV, Martin Nitsche, der zunächst seiner Sorge Ausdruck verleiht: „Der DDV und die DDA haben bereits seit vielen Jahren eine enge Partnerschaft im Bereich der berufsbegleitenden Weiterbildung zum Dialogmarketing. Umso mehr bedauern wir, dass die DDA als wichtige Institution für das Dialogmarketing eine Auszeit nehmen muss. Dies verfolgen wir mit großer Sorge.“ Als Gründe sieht Nitsche ebenfalls eine mangelnde Inves-titionsbereitschaft der Unternehmen sowie die zunehmende Bedeutung der Work-Life-Balance für die Mitarbeiter.

Wollen Studenten nicht am Wochenende lernen?

„Wir erleben in den Präsenzveranstaltungen und Online-Tutorien ganz das Gegenteil – zur Freude unserer Professoren und Dozenten aus der Praxis“, sagt hingegen André Senechal, Sprecher und Marketingleiter der Fernstudium-Sparte WINGS der Hochschule Wismar. „Die meisten Fernstudenten entscheiden sich ganz bewusst für eine Studienrichtung. Vor allem die Verknüpfung aus Theorie und praxisrelevanten Fallstudien und der Austausch individueller Branchenerfahrung in kleinen Studiengruppen sorgen für zusätzliche Motivation. Etwa jeder Fünfte wird vom Arbeitgeber finanziell unterstützt.“
Seit 2006 bietet WINGS den Master Sales and Marketing als berufsbegleitendes Fernstudium an. Die inhaltliche Verknüpfung von Vertrieb und Marketing in einem Masterprogramm gilt laut Senechal als Novum auf dem deutschen Fernstudienmarkt. Und die Nachfrage sei ungebrochen hoch: „In den vergangenen zehn Jahren haben mehr als 450 Absolventen ihren internationalen Mas-terabschluss für Sales and Marketing von der Hochschule Wismar erhalten, darunter auch Teilnehmer aus Belgien, Russland und China“, sagt Senechal.

Der Lebenswirklichkeit entsprechen: E-Learning statt Präsenzunterricht?

Immer mehr Institute setzen inzwischen auf E-Learning und hoffen so, die junge, auf ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeits- und Freizeit bedachte Generation besser erreichen zu können. Ein Beispiel ist das zur Deutschen Post DHL Group gehörende Siegfried-Vögele-Institut (SVI) mit Sitz im Kurort Königstein im Taunus. Neben den Präsenzseminaren werden neuerdings als „Digital School“ bezeichnete Online-Kurse angeboten. In acht Wochen und acht Modulen geht es beispielsweise zum Dialogmarketing-Zertifikat „Blickgerechtes Mediendesign nach der Professor-Vögele-Dialogmethode“. Auf die Frage nach dem Anlass für das SVI, nun auch Online-Kurse anzubieten, sagt Geschäftsführer Peter Pittgens: „Nur wer die gestalterischen und strukturellen Grundlagen des Dialogmarketings kennt, wird an Dialogmarketing glauben und es in einem Cross-Channel-Ansatz effektiv einsetzen. Bei vielen ‚Digital Players‘ scheint das Potenzial dieses Ansatzes nicht mehr bekannt zu sein. Diese Zielgruppe erreichen wir nicht immer durch die Seminare in unserem Institut. Mit dem neuen Online-Kurs bringen wir die Dialogmethode zu den Digital Natives – und nutzen dafür genau das Medium, mit dem sie am meisten vertraut sind.“

Auch Pittgens muss allerdings zugeben, dass die Teilnehmerzahlen nicht explodieren, sondern eher stagnieren. „Wir reden dabei aber uns selber und unsere Dialogmarketing-Ansätze manchmal unnötig schwächer, als sie sind. So verzeichnen wir aktuell eher ein erfreuliches Interesse an den Seminaren rund um die Dialogmethode. Der Gründer eines Online-Shops für Pflegebedarf sagte mir vor einigen Wochen: ‚Wir probieren jetzt einmal Offline-Marketing, weil Online-Marketing zu teuer wird.‘ Das Spiel ist also noch lange nicht abgepfiffen!“, so Pittgens.

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