Ausbildung

Rundruf: Was ist Ihr Tipp für den Nachwuchs?

Wer seine berufliche Zukunft im Marketing sieht, sollte am Puls der Zeit bleiben

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Guido Bliss, Geschäftsführer planus media
Wir erwarten von einem Einsteiger eine Kombination aus  Neugierde, Spaß und Ausdauer. Wer diese Grundlagen mitbringt, wird langfristig im Job bestehen. Ob ein Kandidat ein Studium vorweisen kann, beim Training-on-the-job Erfahrungen gesammelt hat oder nur ein Quereinsteiger ist, spielt meistens nicht die entscheidende Rolle. Schwerpunkte und Spezialistentum werden im Laufe der Zeit entwickelt und gefördert. Wer sich allerdings als Marketing-Spezialist vorstellt, sollte möglichst mit besonderen Kenntnissen aufwarten. Oft gilt es nämlich neue Schnittstellen zu besetzen oder Projekte unmittelbar personell mit gezieltem Know-how zu verstärken. Das Zünglein an der Waage ist am Ende eines jeden Auswahlprozesses schließlich die ausgewogene Kopf-Bauch-Entscheidung.

Julia Vellmete, enable2grow, Berlin
Heute ist im Digitalmarketing alles viel direkter, schneller und zielgerichteter ausgelegt. Entscheidend ist die Begeisterung für digitale Technologien. Fachkräfte brauchen Know-how über digitale Business-Modelle, Marketing, Channels, Data Analytics und Coding. Dieses Wissen kombiniert mit Kreativität und dem Macher-Gen bietet die Grundlage, um neue Wege für erfolgreiches Wachstum zu gehen. Mein Tipp ist daher ein guter Mix aus Theorie und Praxis während der Ausbildung. Das heißt ein breites, facettenreiches Studium mit vielen, praktischen Elementen. Z.B. ein Semester-Praktikum in einem agilen, internationalen Unternehmen mit spannenden Projekten und Platz zum Austoben.

Stephanie Degen, Arithnea, Neubiberg bei München
Für den Anfang ist es unserer Erfahrung nach wichtig zu experimentieren, zum Beispiel durch Schulpraktika oder private Projekte, um herauszufinden was einem wirklich Spaß macht. Eine gute Ausbildungsmöglichkeit bietet später ein duales Studium. Die Kombination aus Theorie und Praxis hat viele Vorteile: bei uns beispielsweise die Arbeit in Projekt-Teams; die Einbindung in den Arbeitsalltag bereitet die Studenten ideal auf die spätere Praxis vor und hilft bei der finalen Berufswahl. Neben der Ausbildung zählen auch Soft-Skills: Wir schätzen besonders eine offene Kommunikation und Eigeninitiative.

Alina Lipka, iAdvize, Düsseldorf
Es gibt viele Möglichkeiten ins digitale Marketing einzusteigen. Wichtig ist, dass man sich nicht vor kontinuierlicher Weiterbildung scheut. Von Beginn an sollte auf Praxiserfahrung Wert gelegt werden. Nach dem Studium eignen sich besonders Agenturen und StartUps, um schnell Fuß zu fassen. Bei iAdvize arbeiten wir mit den neuesten Tools und machen ein sehr performanceorientiertes Marketing, da lernt man schnell. Persönlich empfehle ich kostenlose Angebote wahrzunehmen, wie Webinare, Zertifizierungen von Google oder HubSpot und Marketing Meetups, die auch zum Networken gut sind. Eines ist klar, es wird nie langweilig!
 
Jochen Freese, Ingenico Marketing Solutions, Hamburg
Der Data Scientist ist der Brückenbauer zwischen Marketing und Kundendaten – für uns besonders wichtig. Der ideale Nachwuchs bringt aus einem breit gefächerten Studium Kenntnisse aus Mathematik, IT und Marketing mit. Durch die akute Nachfrage bietet das aktuell eine große Chance für Quereinsteiger. Egal, welche Disziplin der obigen drei man schon mit Praxiskenntnissen ausfüllt, eine Weiterbildung durch Trainings zum guten Data Scientist ist möglich und wird heute freigiebig durch Unternehmen gefördert.

Thomas Diezmann, Optivo, Berlin
Die Strukturen im Digitalmarketing sind immer noch flexibel und bieten viele Entwicklungsmöglichkeiten. Junge Mitarbeiter verfügen heute allein schon dadurch über beeindruckende Kompetenzen, da sie zuhause viel experimentieren und mit den neuesten Tools meist bereits sehr gut vertraut sind. Für den Nachwuchs geht es eher darum zu entscheiden, ob sie Interesse und Leidenschaft für dieses oder jenes Unternehmen mitbringen. Weitere Qualifikationen werden dann im Job und durch eine gezielte Weiterbildung vermittelt.

Harald R. Fortmann, D-Level, Hamburg
Trotz des immer weiter wachsenden Bedarfs an Nachwuchskräften im Digitalmarketing hinkt das Potential der Ausbildung in Betrieben, an Hochschulen und Universitäten in Deutschland nach wie vor hinterher. Für Nachwuchskräfte stellt sich dies aber gerade als Chance dar. Denn wenn sie zur Kategorie der Digitalenthusiasten zählen, dann haben sie großartige Berufschancen. Hat das gewünschte oder angestrebte Studium keine digitalen Inhalte im Mittelpunkt, so sollten sich die Nachwuchsdigitalen um Werksstudentenjobs mit digitaler Ausrichtung kümmern. Wenn die Neugier und der Spaß am Digitalen vorhanden sind, wird sich so der Berufseinstieg in diesem Unternehmen oder eben mit diesem als Referenz ergeben. Noch wird nur der erfolgreich eine Digitale Karriere beschreiten, der es selbst in die Hand nimmt.

Sven Semet, IBM Deutschland
Wie bei jedem Fortschritt, wird sich auch durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz die Art und Weise des Arbeitens und die entsprechende Ausbildung verändern. Gefragt sind neue Kompetenzen im Umgang mit Daten, die noch selten in einem Lehrbuch erwähnt werden. Die neuen „New Collar Jobs“ erfordern keine Universitätsausbildung, sondern vielmehr gezielte Qualifizierungen in begehrten Fächern wie Cybersecurity, Data Science, Cloud oder im Bereich kognitiver Systeme. Eins ist sicher: In Zukunft werden nicht nur soziale, sondern vor allem digitale Kompetenzen eine große Rolle spielen.
 
Ina Heitzer, Text100 Deutschland, München
Leidenschaft für digitale Trends, Expertenwissen und Authentizität. Neben Uniabschluss und Praxiserfahrung sind das aus meiner Sicht mindestens genauso wichtige Voraussetzungen für den Berufseinstieg ins digitale Marketing. Es ist beeindruckend, wenn jemand mit ganzem Herzen dabei ist und für ein Format oder eine Plattform brennt. Auch wenn diese Kenntnisse vielleicht gar keine Anforderung in der Stellenausschreibung sind – niemand sollte Scheu davor haben, sie anzusprechen. Ganz im Gegenteil: Unternehmen und Agenturen suchen immer nach guten Leuten, die andere mit ihrem Wissen und ihrer Art begeistern.

Patrik Schwanecke, Ligatus, Köln
Komplexität, stetige Veränderungen und ein damit verbundenes Maß an Unsicherheit prägen insbesondere das Digitalmarketing stark. Das hat zur Folge, dass es nicht unbedingt den einen richtigen Einstieg in den Beruf gibt. Im Gespräch mit Bewerbern achte ich vor Allem auf die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität des Interessenten. Also hat derjenige oder diejenige in der Vergangenheit schon die eigene Komfortzone verlassen? Kann sich die Person gut in neuen Umfeldern zurechtfinden? Darüber hinaus hilft ein hohes Maß an Neugier und echtes Interesse für Veränderung und Innovationen in der Digitalwirtschaft.

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