User Experience

Mobile Deep Linking: Von App zu App

Mit Mobile Deep Links kommt der User von einer App auf die Unterseite einer anderen (Screenshot Cybersecurityintelligence.com)

Die scheinbar einfachen Dinge sind oft die schwersten. So ist das auch beim Deep Linking. Für den User eine sehr benutzerfreundliche und immer mehr erwartete Selbstverständlichkeit: einfach durch einen Link direkt zum gesuchten Thema zu gelangen. Denn Deep Links sind Hyperlinks, die nicht direkt auf die Homepage einer anderen Website, sondern auf eine Unterseite führen. Als Suchmaschinen noch nicht so genaue Ergebnisse anzeigen konnten, waren Deep Links ein wichtiger Mechanismus, um Traffic auf eine Website zu bringen. Heute ist das Verfahren eher aus SEO- und User-Experience-Gründen interessant.

Schon am Desktop funktioniert das Verlinken auf die Unterseite einer Website oft nicht und führt zu einem für den User schlechten Erlebnis – im schlimmsten Fall sogar zu einer verhinderten Conversion. Grund ist, dass bestimmte Web-Technologien wie Adobe Flash Deep Linking oft nicht unterstützen.

Wie kommt man von App zu App?


Da aktuell aber alles von Mobile spricht, ist Deep Linking auch auf Smartphones und Tablets mittlerweile in aller Munde. Mobile Deep Links sollen den User immer in eine App führen, und zwar auch hier zu einer bestimmten Aktion oder zu einem bestimmten Content. Also: Wie gelangt der User von einer App zur anderen? Wie kommt er vom mobilen Browser in die App? Wie kommt er von einer Mail in die App? Schwierigkeiten bereitet besonders die Erkennung: Hat der User die App überhaupt installiert? Häufig werden mobile Nutzer trotz installierter App auf die mobile Website oder eine Landing Page, die zur Installation der App aufruft, weitergeleitet. Log-in und Kontodaten sind aber in der App gespeichert. „Das kann frustrierend für den User sein“, sagt Roland Siebert, CEO des Mobile-Marketing-Start-ups 360dialog. Eine App-Verlinkung kann laut Siebert sogar zu einer Conversion-Steigerung von 40 bis 80 Prozent gegenüber der mobilen Website führen. Ganz einfach ist das technisch nicht. „Allerdings haben sowohl Android wie auch iOS in den letzten Monaten für deutlich einheitlichere Standards gesorgt“, so Siebert.

Die beiden Hauptanwendungsfälle im mobilen Deep Linking sind App-to-App und E-Mail/Browser-to-App. Bei der App-to-App-Verlinkung besteht eine häufige Fehlerquelle darin, dass keine globalen Deep-Link-Schemes in den Apps implementiert werden, sondern dies nur für ausgewählte Use Cases geschieht. Außerdem existierten noch keine einheitlichen Standardprotokolle wie HTTP im Web, mit denen eine App die andere aufrufen könnte. Also waren Apps bis vor Kurzem wie Blackboxes, abgeschlossene Systeme. „Das ändert sich aktuell rasant mit der Einführung von so genannten App Indexing Standards von Google, Bing und Facebook“, sagt Siebert.

Noch schwieriger ist der zweite Anwendungsfall, die Verlinkung nicht aus einer, aber in eine App. Fehleranfällig ist besonders der Fall, wenn der User die App nicht installiert hat. Denn dann muss er anders verlinkt werden. „Es muss ein Custom-URL-Schema, analog zur URL einer Webite, aufgerufen werden.“

Dafür gibt es einige Insellösungen am Markt, die für Android und iOS je anders funktionieren. Android erlaubt das Registrieren von Websites für eine App generell: Der User wird beim Klicken auf den Link gefragt, ob er App oder Browser öffnen will. „Apple hat Deep Linking bis dato nicht unterstützt. Das ändert sich nun mit der Einführung von Universal Links in iOS9, mit denen man seiner App, ähnlich wie bei Android, beibringen kann, sich beim Öffnen einer assoziierten Webseite zu öffnen“, erklärt Siebert.

Der E-Commerce kann deutlich profitieren


Insbesondere im Bereich E-Commerce sieht er enorme Potenziale zur Steigerung App-basierter Transaktionen, speziell, was die Verlinkung E-Mail-to-App betrifft. „Auch im Media-Kontext können durch das kontextuelle Verlinken aus einem Banner heraus deutliche Performance- und Effektivitätssteigerungen in Kampag-nen realisiert werden.“ So können auch Bannereinblendungen und Umfelder auf Basis des Installationsstatus optimiert werden. Ein weiterer Anwendungsfall ist die Verbindung Social-to-App. Durch Share-Buttons werden Deep Links in Social-Kanälen wie Twitter, Facebook und Co. immer häufiger. „User, die eine App bereits installiert haben, können hier direkt über den Deep Link zum Angebot geführt werden,“ erklärt Siebert.

Wenn Mobile Deep Linking wohl für viele Branchen, nicht zuletzt die Medien, interessant und bald unumgänglich sein dürfte, gibt es für Siebert einen klaren Sieger bei den möglichen Nutznießern: „Deep Linking wird insbesondere den E-Commerce revolutionieren und deutliche Effekte auf die Generierung von Transaktionen haben.“ (ks)