Marketing Services 2001: Was ist Direktmarketing?

Das Marketing-Universum ist ja bekanntlich groß – verdammt groß! 64,76 Milliarden Euro, so die aktuelle Untersuchung des Bonner Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft ZAW, umfasst das Werbevolumen 2001 in Deutschland inklusive der Ausgaben für Telemarketing, PR und Messe. Diesen Riesenmarkt teilweise abzubilden ist das erklärte Ziel der Marketing Services 2001, der „internationalen Fachmesse für Marketing und Kommunikation“, und um diesen Anspruch bemüht sie sich mittlerweile seit ihren Anfängen vor 18 Jahren. Nach dem Intermezzo in Hamburg im vorigen Jahr fand die Messe diesmal Anfang Mai an drei Tagen in Frankfurt statt.

Wer als interessierter Marketer in die Welt der Kommunikation und Interaktion eintauchen will, ist mit der Marketing Services sicherlich nicht schlecht bedient. Von allem sozusagen etwas, denn die Messe, die den Anspruch hat, neun wesentliche Bereiche des Marketing unter einem Dach zu vereinen, beleuchtet von Dialogmarketing über Außenwerbung bis hin zum Messebau verschiedenste Bereiche der werblichen Kommunikation. Werbeartikel-Hersteller erhielten gar eine eigene Halle, und die Event-Agenturen durften sich im Zentrum der Messe austoben. Parallel zur Marketing Services fand auch die 4. Display statt, eine Messe für POS-Material. Und schließlich wurde die Messe durch eine Job-Börse und Fachvorträge ergänzt.
Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung war das Thema Geo- und Mikromarketing. Damit können Daten aus dem Umfeld der Konsumenten näher untersucht werden, beispielsweise der Konsumstil von Kunden. „Die nackte Adresse hat an Wert verloren“, resümierte etwa ein Vertreter von Aussteller pan-adress in Planegg, „sie muss mit Informationen angereichert werden.“ Er zeigte sich mit dem gewählten Schwerpunkt zufrieden, die Note 3 war’s ihm wert. Nach seiner Aussage waren so ziemlich alle namhaften Hersteller der Branche auf der Marketing Services vertreten.
Rund 18.000 Fachbesucher – 1999 waren es noch 20.000 – fanden den Weg in die Hallen 8 und 9 der Frankfurter Messe und sahen 800 Aussteller aus 15 Ländern, so der Organisator, die Messe Frankfurt. Die geringere Zahl, erläutert Projektleiter Frank Pauli, resultiere aus der Verkürzung der Messe auf drei Tage. „Auf den einzelnen Tag gerechnet waren mehr Besucher da“, sagt Pauli. Allerdings: Der nun weggefallene Messe-Samstag war nach Aussage von Pauli bislang nur schwach frequentiert gewesen.
Firmen aus den Bereichen POS, Außenwerbung und Messebau dominierten die Messe. Nicht verwunderlich hingegen das Fehlen von Online-Dienstleistern, was Frank Pauli mit der aktuellen schwierigen Marktsituation der New Economy erklärt: „Die Marketingbudgets werden gekürzt und Messeauftritte werden eingespart.“ Immerhin – einige hatten den Weg in die Frankfurter Hallen doch noch gefunden und präsentierten sich auf der E-Commerce-Plattform ePoint. „Diese Messe ist noch stark von klassischen Anbietern mit entsprechender Nachfrage dominiert“, sagt Thomas Tyborski von all-in-green.com, „die Messe war ein Versuch, die neuen Medien stärker zu positionieren, aber das ist wie überall ein langwieriger Prozess.“
Noch ein anderer Faktor sind die Konkurrenzmessen: „Es finden zurzeit verschiedene themenverwandte Fachmessen statt“, so Pauli, „sodass die Unternehmen stark abwägen, auf welcher Messe sie ausstellen.“
Auch vom Dialogmarketing, sagt Johannes Petrasch vom Druck-Dienstleister Direkt Com in Mertingen, war nicht viel zu sehen. Aber man sei mit der Messe zufrieden, es hätten sich gute Kontakte ergeben.
Nadja Welz von Kurt W. Welz Direktmarketing in Korntal-Münchingen meint hingegen: „Wir hatten gehofft, in der Agenturstadt Frankfurt auf entsprechendes Fachpublikum zu stoßen, aber das erwies sich als Irrtum.“ Überhaupt, so Nadja Welz, sei man von der Messe enttäuscht. Eine schlechte Organisation bescheinigt sie der Messeführung, und bezüglich des Publikums habe man nur wenig Entscheider angetroffen.
Eine Einschätzung, die auch Peter Kunte vom Frankfurter Messaging-Dienstleister Retarus Network Services teilt. Er habe viele Studenten, Professoren und „Goodie-Jäger“ beobachtet. „Es schien, als ob viele Firmen ihre Angestellten geschickt hätten, damit die sich mal über Marketingmöglichkeiten informieren“, so Kunte. Da wundert es nicht, wenn an den Ständen auch schon mal gefragt wurde, was denn nun eigentlich Direktmarketing sei.
Immerhin zeigt sich Kunte alles in allem ebenfalls zufrieden. Er sei zuversichtlich, auf der nächsten Frankfurter Messe 2003 wieder dabei zu sein. Laut Angaben von Pauli äußerten sich 93,6 Prozent aller Besucher über die Messe zufrieden, und auch seitens der Aussteller hätten 77 Prozent einen positiven Gesamteindruck der Messe. Und auch Welz schließt eine Teilnahme im kommenden Jahr, dann aber in Hamburg, nicht aus.
Für Hamburg, so Pauli, werde man einen Schwerpunkt auf Mediathemen legen – und kräftig die Werbetrommel rühren. „Hamburg hat Potenzial“, so Pauli, und peilt etwa 10.000 Besucher an. Im vergangenen Jahr waren es 8.500.
Fazit: Wer Fulfillment und One-to-one-Dienstleister sucht, wird eher auf der DIMA fündig. Die Möglichkeit, sich über den kompletten Below-the-line-Bereich zu informieren, bietet aber sicherlich die Marketing Services – auch wenn es nur eine Handvoll DMler sind, die die Messe beehren.

Die besten deutschen
Kundenzeitschriften
Auf der Marketing Services prämierte das Fachblatt acquisa die besten deutschen Kundenzeitschriften. Ausgezeichnet wurden Vigo der AOK Rheinland, Planet von der Lufthansa Cargo und Energie & Business der Enercity/ Stadtwerke Hannover. Die Qualität der bundesweit 2.400 Kundenzeitschriften steige von Jahr zu Jahr, so acquisa-Chefredakteurin Martina Schimmel-Schloo. Sie kritisierte jedoch den Mangel an Cross-Media-Konzepten, Kundenzeitschriften müssten noch konsequenter die Vernetzung von Print- und Online-Auftritt betreiben.mac