Gastbeitrag:

Lasst euch lästige Aufgaben von KI abnehmen

Von Lars Milde, Tableau Software

Die Vorstellung, dass KI menschliche Arbeit bald vollständig ersetzen könnte, ist zum jetzigen Zeitpunkt in den meisten Fällen noch Zukunftsmusik. Stattdessen sollten wir KI als eine Art unterstützender Intelligenz begreifen und unvoreingenommen die entstehenden Möglichkeiten dazu nutzen, unsere Fähigkeiten mit Hilfe von KI zu verbessern anstatt sie zu ersetzen.

Mit KI Freiräume schaffen

KI-Anwendungen haben das Potential, Mitarbeiter zu entlasten und die Effizienz unabhängig von der Branche zu steigern. Die Studie „Smartening up with Artificial Intelligence (AI)“ von McKinsey von 2017 kommt zu dem Schluss, dass durch den baldigen Einsatz von KI das deutsche BIP bis zum Jahr 2030 um etwa 160 Milliarden Euro höher ausfallen könnte als ohne einen solchen Einsatz – dank einer erheblichen Effizienzsteigerung in den wichtigsten Industriesektoren. Doch die Vorzüge von KI beschränken sich nicht allein auf den unternehmerischen Bereich. Sie machen sich auch auf der individuellen Ebene bemerkbar, da Angestellte in den verschiedensten Positionen von etlichen lästigen, immer wiederkehrenden Aufgaben befreit werden können. Das wird es ihnen ermöglichen, zielgerichteter zu arbeiten und ihre Tätigkeitsbereiche gewinnbringend zu erweitern.

Basierend auf unseren Fähigkeiten und den bereits existierenden technischen Möglichkeiten wird der Einsatz von KI unsere Arbeitswelt weiter verändern. So eröffnet die Automatisierung zeitintensiver, manueller Arbeitsprozesse neue Freiräume, die für kreatives, ergebnisoffenes Denken, die Optimierung interner Kommunikationsprozesse oder eine Verbesserung des Arbeitsklimas genutzt werden können.
Unternehmen könnten die Neuerungen dazu nutzen, die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter noch wirtschaftlicher und effizienter einzusetzen. KI sollte also als sinnvolle Ergänzung menschlicher Fähigkeiten betrachtet werden. Auf diese Weise verschafft sie den Menschen genau jene wichtigen Freiräume, sich mit ihren Erfahrungen und Fähigkeiten auf Herausforderungen zu konzentrieren, die nicht einfach von einem Algorithmus erledigt werden können.

Menschliche und künstliche Intelligenz gehen bei der Datenanalyse Hand in Hand

Besonders gut eignet sich KI auf ihrem jetzigen Entwicklungsstand für die Bewältigung großer Daten- und Informationsmengen. Auch wenn wir uns erst in der Anfangsphase eines umfassenderen Einsatzes dieser Technologie befinden, gibt es in einer Reihe von Branchen bereits hervorragende Beispiele, die ihre Effizienz und ihren Erfolg belegen.

Schon heute ist die Fähigkeit zur Erfassung und Einordnung von Datensätzen eine der gefragtesten Fähigkeiten in der Unternehmenswelt. Während durch maschinelles Lernen unterstützte Algorithmen den Menschen helfen, schneller auf relevante Daten zuzugreifen und diese zu analysieren, ist KI indes längst kein Ersatz für die Intuitionskraft des Menschen. Letztlich sind allein Menschen dazu in der Lage, aussagekräftige und kontextuell sinnvolle Fragen zu stellen und die Antworten darauf in die entsprechenden Geschäftsfelder einzuordnen.

Während KI statistische Unregelmäßigkeiten aufspüren und bestimmte Muster innerhalb großer Datensätze identifizieren kann, spielt die menschliche Analyse eine entscheidende Rolle bei der Einordnung der gewonnenen Erkenntnisse. Nach wie vor sind es Menschen, die durch algorithmische Codes generierte Aussagen auf ihre Brauchbarkeit überprüfen und über deren Verwendung entscheiden müssen.

So profitieren Marketers von Automatisierung und KI

Erhebliche Effizienzsteigerungen verspricht der Einsatz von KI auch im Marketing. 70% der Entscheider in der Branche setzen in gewissem Umfang bereits KI ein oder planen dies zumindest. Die Mehrheit ist laut dem Meinungsforschungsinstitut KRC Research davon überzeugt, dass die Technologie einen größeren Einfluss auf ihre Branche haben wird als die sozialen Medien – deren enorme Bedeutung unbestritten ist. Aber wie sehen mögliche Einsatzszenarien auf diesem Gebiet aus? Noch ist KI nicht in der Lage, komplette Werbekampagnen zu erstellen – Werbefachleute können also aufatmen. Und zwar im doppelten Sinne, denn manche Aufgaben können sie bereits maschinell erledigen lassen. Personalisierte Suchergebnisse mit entsprechenden Produktplatzierungen, automatische Übersetzungen von Posts, Kommentaren und Werbebotschaften oder der Einsatz von Chatbots im Kundendienst sind bereits bekannte Beispiele. Weniger verbreitet ist bisher der „vorausschauende Kundendienst“, der mit sehr hoher Treffergenauigkeit voraussagen kann, weshalb und wie sich ein Kunde an den Kundendienst wenden wird – ein Problem ließe sich so lösen, bevor es überhaupt auftritt.

Doch auch in den Kernbereich des Marketings dringt KI vor: Die Plattform Wordsmith kann bereits Rohdaten in ausformulierte Texte umwandeln. Was für Texter zunächst bedrohlich klingen mag, könnte tatsächlich eine enorme Entlastung darstellen und Ressourcen für kreative Innovationen generieren.

Im digitalen Marketing können Algorithmen helfen zu erkennen, auf welchen Websites Onlinewerbung sinnvollerweise geschaltet wird – und auf welchen nicht. Falsch platziert können Anzeigen nicht nur Kosten ohne Mehrwert verursachen, sie können geradezu schaden, wenn sie etwa auf ideologisch oder politisch fragwürdigen Seiten auftauchen.

Keine Maschine kann strategische Erkenntnisse aus einem Schachspiel einfach auf ein Geschäftsproblem übertragen; diese Art kreativer Inspiration ist immer noch eine einzigartige Fähigkeit menschlicher Intelligenz. Natürlich ist der voranschreitende Automatisierungsprozess ebenso wenig etwas Neues wie die Argumente dafür und dagegen. Und natürlich gab es auch schon immer ein Spannungsverhältnis zwischen Innovationen und dem Status Quo, den sie gefährden.

Eine wichtige Unterscheidung gilt es aber im Hinterkopf zu behalten: Veränderung ist nicht gleichbedeutend mit Zerstörung. Es geht beim Phänomen der Automatisierung vielmehr um die Erschaffung neuer Möglichkeiten – und das wahre Potential von KI liegt in ihrer Kombinationsfähigkeit mit menschlichem Einfallsreichtum und Kreativität.