Studie

Kommt nach Digitalisierung wieder Analogisierung?

Scheinbar kann eine „Smombie"-Apokalypse in Zukunft wohl doch abgewendet werden

Die Deutschen sind durchschnittlich 43 Stunden pro Woche online. Unter den Digital Natives, der Altersgruppe 18 bis 34 Jahre, sind es sogar knapp 55 Stunden pro Woche. Für 91 Prozent dieser Gruppe sind Smartphone oder Tablet im Alltag ein ständiger Begleiter. Dennoch zeichnet sich mittlerweile ein gegenläufiger Trend ab. Einer Postbank-Studie zufolge sagen immer mehr Menschen in Deutschland auch mal bewusst „Nein“ zu Smartphone, Tablet oder PC (60 Prozent). Im digitalen Zeitalter fühlt sich jeder Zweite von der ständigen Erreichbarkeit gestresst und 44 Prozent haben sogar Angst vor den Folgen der technologischen Entwicklung.

Auch mal „Nein“ zum Smartphone sagen

Die persönliche Kommunikation gewinnt daher wieder an Bedeutung. Waren es 2016 noch 40 Prozent der Deutschen, die „häufig“ oder „sehr häufig“ online per Chat oder Mail mit ihren Freunden kommunizieren, ist dieser Wert aktuell auf nur noch 36 Prozent gesunken. Auch in Bezug auf den Kontakt mit Familienmitgliedern (2016: 27 Prozent, 2017: 21 Prozent) und Lebenspartner oder Lebenspartnerin (17 Prozent, 13 Prozent) sank der Anteil der Online-Kommunikation. „Speziell in der privaten Kommunikation wirkten die digitalen Neuerungen in den vergangenen Jahren nicht nur positiv auf die Menschen und ihre Lebensweise. Eine verstärkte Rückbesinnung, eine gewisse persönliche Analogisierung ist daher nur allzu logisch. Es wird spannend sein zu beobachten, ob sich hier ein Trend verstetigen wird“, sagt Philip Laucks, Chief Digital Officer der Postbank.

Dienstleistungen bleiben digitales Steckenpferd

Trotz der negativen Entwicklung im Bereich der privaten Online-Kommunikation verzeichneten digitale Lösungen für Fragen und Pflichten des Alltags einen Zuwachs. Besonders Dienstleister wie solche für den Wechsel des Stromanbieters, für die Suche eines Babysitters und für Steuer- oder Behördenthemen wurden häufiger online geklickt. 50 Prozent der Befragten gaben an, dass die Digitalisierung „eher“ oder einen „sehr großen“ Einfluss auf den Dienstleistungsbereich habe (2016: 48 Prozent). Besonders hoch schätzten sie den Einfluss auf das Bankgeschäft ein, bei dem sich der Wert um zwei Punkte auf 69 Prozent erhöhte. Philip Laucks begründete diese Entwicklung damit, dass digitale Angebote häufig als Hilfe genutzt würden, um sich Freiräume für Freizeit und Austausch im privaten Kreis zu schaffen.

Insgesamt kann also festgehalten werden, dass die Deutschen die technologischen Vorteile der Digitalisierung für sich nutzen, jedoch gleichzeitig das Risiko sehen, dass digitale Geräte unseren Alltag zu sehr bestimmen könnten. Daher scheinen mehr und mehr Menschen ihren Fokus zurück auf analoge Interaktion zu verlagern. Eine erfreuliche Entwicklung, denn wer mag schon „Smombies“?! (pk)