DSGVO

Vorwürfe gegen AZ Direct wegen unzulässigem Datenhandel

Volontärinnen des MDR hatten für ein Projekt als angebliche Unternehmensberatung Kontakt mit verschiedenen Datenhändlern aufgenommen. Die AZ Direct reicherte dreißig der ihr übermittelten Datensätze an und sagte sogar weitere Bearbeitung zu, ohne die Seriösität des Geschäftspartners geprüft zu haben.

Wie der MDR erklärt, wurde AZ Direct eine Liste von 150 Personen als Grundlage übermittelt. Der Datenbroker reicherte diese daraufhin mit 30 zusätzlichen Persönlichkeitsmerkmalen an. Dabei wurden unter anderem Charaktereigenschaften wie "verträumt", "religiös", "traditionsverbunden", "kämpferisch" zugeordnet. Weiter erfolgte eine Klassifizierung der Personen je nach Kaufkraft als "Spitzenverdiener" oder zur "prekären Unterschicht" gehörig. AZ Direct sagte darüber hinaus zu, auch datenschutzrechtlich geschützte Zielgruppen, wie psychisch instabile Menschen oder Personen einer bestimmten sexuellen Orientierung identifizieren zu können. Die sexuelle Orientierung gehört zu den sensiblen personenbezogenen Daten und steht unter speziellem Datenschutz.

Dabei war AZ Direct nicht das einzige Unternehmen, dass auf die Anfrage positiv reagierte: Zwei weitere Datenhändler sicherten der Scheinfirma der MDR-Volontäre zu, ähnliche Listen und Profile erstellen zu können.

Für den Staatssekretär im Justiz- und Verbraucherschutzministerium Gerd Billen ist ein derartige Anreicherung von Daten ein Fall für die Datenschutzaufsicht: "Hier findet ja ein Profiling statt über Eigenschaften, wo jeder selber entscheiden muss, ob er das kommuniziert oder nicht. Ich finde, dass der Datenbroker die Pflicht hat, zu prüfen, für wen er Daten anreichert. Es können auch kriminelle oder politische Zwecke dahinter stehen. Datenbroker handeln mit einer sensiblen Ware und daraus resultiert für mich die Verpflichtung, die Seriosität derer zu überprüfen."

Laut MDR habe AZ Direct weder bei der Überprüfung der Scheinfirma, noch bei der Anfrage nach Zielgruppen mit bestimmter sexueller Orientierung Versäumnisse eingeräumt. Die Stellungnahme von AZ Direct gegenüber der Redaktion: "Die AZ Direct ist seit mehr als 50 Jahren im Direktmarketing tätig. Sämtliche Prozesse bei der AZ Direct erfolgen unter Beachtung der aktuellen Vorgaben des Datenschutz und der Standards des Deutschen Dialogmarketing Verbands (DDV). Sicherheit, Transparenz und Datenschutz spielen im Dialogmarketing eine große Rolle. Dem fühlt sich AZ Direct verpflichtet und lässt sich regelmäßig dazu zertifizieren. Eine aktuelle Übersicht finden Sie hier.
Daten werden ausschließlich in anonymisierter Form auf Basis verschlüsselter Informationen gemäß des patentierten TTP-Verfahren (siehe hier) verarbeitet. Durch die Trennung der Adressdaten von beschreibenden Merkmalen stellt das TTP-Verfahren eine qualifizierte, datenschutzgerechte Bearbeitung bei gleichzeitig gefahrloser Speicherung sicher. Das schließt auch den sicheren Austausch und Abgleich von Daten mit Dritten ein. Dieses TTP-Verfahren betreiben wir mit unserem Partner, dem TÜV Rheinland."

AZ Direct ist unter anderem für große Versandhändler wie Klingel aktiv.