Internet of Things

Das neue Datenzeitalter

Das Internet of Things (IoT) hat das Zeug, die Kundenkommunikation zu erobern. Die Daten dafür kommen aus Requisiten, die der Mensch nah an sich heranlässt: zum Beispiel aus Autos oder Fitnessarmbändern. Daraus ergeben sich spannende Anwendungsfelder und sogar neue Geschäftsmodelle.

Michael Probst Neue Daten für Handel und Touristik
Telematikdaten gibt es seit über zehn Jahren. Aber: Steckten die Daten früher vor allem lokal im Fehlerspeicher des Autos, um in der Werkstatt ausgelesen zu werden, so lassen sie sich heute direkt an Server senden und dort in Echtzeit analysieren, um neue Geschäftsmodelle darauf aufzubauen. Dass Automobilhersteller und auch Versicherer solche Daten für ihre Angebotsgestaltung nutzen, ist bekannt. Aber auch für die Kundenkommunikation in Handel oder Tourismus liefern die rollenden Datenproduzenten wertvollen Rohstoff. Denn das Auto weiß wichtige Dinge von seinem Fahrer: Wo er sich befindet. Wohin er will. Wie lange er schon unterwegs ist. Ob er müde ist oder hellwach. Ein Beispiel: Mal wieder Stau auf der A7. Vollsperrung. Beste Gelegenheit für einen Boxenstopp – und just im richtigen Augenblick kommt Nachricht vom Autohof-Restaurant neben der Strecke, das unseren Fahrer zum kostenlosen Dessert einlädt. Gute Idee. Ein Kunde mehr, der tankt, isst und zufrieden weiterfährt, nachdem die Sperre aufgehoben ist. Oder: 3:14 Uhr. Der Aufmerksamkeitsassistent erkennt Anzeichen von Müdigkeit – Gelegenheit, ihn auf die Espressobar der Raststätte aufmerksam zu machen, die drei Kilometer vor ihm liegt. Oder: Eine Familie ist unterwegs auf Urlaubsreise. Die Sitzsensoren deuten auf zwei Erwachsene und zwei Kinder hin. Der Navi zeigt eine Zieladresse am Meer, das Entertainment-System spielt Zeichentrickfilme, die Verkehrssituation ist entspannt. Gleich fahren sie an einem Freizeitpark vorbei, der gerade schlecht ausgelastet ist – und bekommen einen Coupon für einen Sonderrabatt im Autodisplay angezeigt, den sie nicht ablehnen können.

Erfolgsfaktor Datenmanagement
All die dafür notwendigen Daten zu sammeln, ist kein großes Problem mehr, seitdem die Bandbreiten vorhanden, die Kosten für Sensoren, Speicher und für Rechenleistung in den letzten Jahren massiv gesunken sind. Dennoch ist es sinnvoll und aus Datenschutzgründen opportun, die Daten zunächst mittels Event Stream Prozessing vorab „on the fly“ auf aussagefähige Informationen hin zu analysieren – und dann nur die relevanten zu speichern. Über eine Analytics-Plattform, wie der Softwarehersteller SAS sie anbietet, lassen sie sich dann mit weiteren Daten etwa zu früheren Käufen, zu bestimmten Vorlieben, zu Google-Suchabfragen strukturiert zusammenbringen, Stichwort Datenmanagement. Dieser Prozessschritt ist deshalb so wichtig, weil hier die Basis für die Qualität der folgenden Analysen und die Treffgenauigkeit der daraus abgeleiteten Angebote gelegt wird. Bewährte Systeme wie SAS Customer Intelligence 360 erledigen den Rest: Analyse der Daten und Operationalisierung der Maßnahmen.

Katzenfutter beim Joggen?
Der Wearables-Boom hat gerade erst begonnen. Außerhalb der Medizintechnik sind es derzeit vor allem Fitnessarmbänder und smarte Uhren, die Verbraucher als mobile Datengeneratoren mit sich herumtragen. Sie liefern nicht nur Positionsdaten, die heute auf zwei bis drei Meter genau sind, sondern können über Pulsfrequenz und andere medizinische Faktoren auch Emotionen messen. Für die Kundenkommunikation bietet das die Möglichkeit, den richtigen Zeitpunkt für ein bestimmtes Angebot abzupassen. Katzenfutterwerbung während des Joggens? Kommt nicht so gut an. Ein Coupon vom Bioladen für einen Fitnessdrink eine Viertelstunde nach dem Joggen? Schon eher. Darüber hinaus stecken in der Kombination aus Bewegungsdaten mit Informationen zur Ernährung, die viele Nutzer selbst erfassen, interessante Optionen für Lebensmittelhandel und -industrie. So lassen sich beispielsweise Angebote zu bestimmten Lieblingslebensmitteln oder zu miteinander korrespondierenden Produkten genau dann versenden, wenn der Verbraucher im Supermarkt unterwegs ist beziehungsweise vor einem bestimmten Regal steht.

Vertrauen gewinnen und behalten
Voraussetzung für all dies: Die Nutzer müssen ihre Daten zur Verfügung stellen. Dass die Verbraucher dazu grundsätzlich bereit sind, hat eine Studie von SAS herausgefunden: Wenn sie einen Mehrwert für sich erkennen, legen sie die Bedenken hinsichtlich der Preisgabe ihrer Daten beiseite. Diesen Mehrwert zu vermitteln und um Vertrauen zu werben – das ist an dieser Stelle die erste Marketingaufgabe nicht nur für einzelne, sondern für alle Unternehmen. Und dann dieses Vertrauen auch zu rechtfertigen.