Interview mit Nils Stamm. CDO Telekom

„Wer Mitarbeitern die Angst vor Digitaler Transformation nehmen kann, hat schon gewonnen.“

Auch wenn er sagt: „CDO war kein Karriereziel“, sieht er sich am richtigen Platz, der Vernetzer-Position. Und seine Antwort darauf, ob er Messias oder Bergwerker in Data Minings oder der Prediger in der Wüste sei: „Weder noch. Ich sehe mich eher an der digitalen Kundenschnittstelle und damit befasst, alle mit allem zu verknüpfen.“ Sein Einstieg bei der Telekom als CDO? „Über einen Headhunter“.

Haben Sie denn selber aktiv nach einer CDO -Stelle gesucht via Headhunter?
CDO war kein Karriereziel, wenn Sie das meinen. Dennoch bin ich damit an einer Position, die genau meinen Wünschen und Kompetenzen entspricht. An der digitalen Schnittstelle zu Kunden zu arbeiten, und das verantwortlich und übergreifend zu tun.Ich wurde ganz konkret angesprochen, weil meine Skills mit dem Anforderungsprofil, das die Telekom hatte, einfach gut gepasst haben. Letztlich war es sowohl die inhaltliche Ausrichtung, die vom Unternehmen für die Aufgabe vorgegeben war, als auch mein Werdegang, die entscheidend dazu beigetragen haben. Und natürlich das Klären der Kompetenzen und Ziele im Recruiting-Prozess, in dem klar wurde, dass es passt.

Wo ist Ihre Position im Unternehmen denn angesiedelt?
Ich berichte direkt an den leitenden Geschäftsführer der Telekom Deutschland und somit direkt an den Vorstand der Deutschen Telekom. Die Digitalisierung ist eines der wichtigsten Projekte und entsprechend positioniert.

Ist der CDO nicht eher so etwas wie ein bunter Hund bei der Telekom?
Eher weniger, als CDO habe ich eine übergreifende Funktion, vom Strukturwandel bis zu operativen Veränderungen, das fängt schon in der eigenen Abteilung an. Mein Team darf nicht nur, es muss sogar vieles anders machen als bisher im Unternehmen üblich war. Dafür hatte ich die Chance, mir die heterogene Mischung des Teams selbst zu rekrutieren. Und so habe ich mir auch ein entsprechend buntes kompetentes Team zusammengestellt: vom Berufseinsteiger bis zum langjährigen Mitarbeiter, vom Data- oder Business-Analyst bis zum E-Sales-Experten und Digital Experten.

Sind Sie Solo- oder Formationstänzer?
Sowohl als auch. Natürlich habe ich Mitstreiter in der Organisation, die mich unterstützen. Und in der Geschäftsführung gilt das einvernehmliche Ziel, die Digitale Transformation der Telekom erfolgreich umzusetzen, auch, wenn ich da eben nur als einer berichte, bin ich also nicht allein.

Und was ist Ihr eigenes Ziel?
Ich möchte einen positiven Ergebnisbeitrag sicherstellen über die digitale Transformation und das an der digitalen Schnittstelle zum Kunden.

Arbeiten Sie dabei „in der Hexenküche“ oder doch mehr Hirnlastig?
Operatives und strategisches Handeln, beides ist gefragt und wir setzen es auch um. Auf der einen Seite durch das Programm, in dem wir an den Funktionen arbeiten und diese verbessern, z.B. beim Customer Care, dem Shop etc., wo die Experten vor Ort dran sind. Auf der anderen Seite orchestriere ich die Aktivitäten strategisch.

Gibt es so etwas wie natürliche Feinde?
Gibt es nicht – auch nicht der Betriebsrat. Allen ist kommuniziert, dass Digitalisierung auf Wachstum ausgerichtet ist. Digitalisierung muss also nicht als Gefahr gesehen werden. Ein Beispiel ist die klare Stärkung und Verbesserung der Omnichannel-Strategie. Damit werden eben nicht die reinen digital-Kanäle alleine fokussiert, sondern der stationäre Bereich wirkungsvoll integriert und gefördert.

Beißen Sie sich nicht irgendwo Zähne aus – oder gibt es Do‘s und Don’ts?
Problematisch ist es immer, wenn es einen Kanalkonflikt gibt. Von daher war und ist es für mich wichtig, dass wirklich alle das Kernthema, nämlich das Geschäft, als wichtigstes ansehen und der Kanal, über den es zustande kommt, nachrangig ist. Vor daher ist mir wichtig, dass es klare Regeln gibt und die Strategie darauf ausgerichtet ist. Und Omnichannel heißt dabei gleiches Recht für alle – nicht Vorfahrt für z.B. Online. Was ich auch mitgenommen habe aus vorherigen Jobs, ist, wie wichtig es ist, Kompetenzen und Enabeling zu schaffen und alle mitzunehmen. Das ist aktuell eines der Fokusthemen, die ich bei der Telekom habe. Mein Background aus der Arbeit bei Telefonica und die Erfahrungen von 1&1, die ja ihr Geschäft fast ausschließlich online machen, sind sehr viel wert dabei.

Mündet das in einen Ratschlag, was andere als CDO unbedingt tun sollten?
Das wichtigste ist eine gute Kommunikation. Wer den Mitarbeitern die Angst vor dem Thema Digitale Transformation nehmen kann, hat schon gewonnen. Verbündete finden sich dann von ganz alleine, nehmen den Vorständen, die natürlich auch dahinter stehen müssen.

Woher nehmen Sie Ihr Wissen?
Zunächst sind es die Erfahrungen aus meinen bisherigen Funktionen, auf die ich aufbaue. Ich lese viel, bin aber auch auf Konferenzen und Kongressen unterwegs und tausche mich im Netzwerk aus mit anderen CDOs und anderen, die sich mit dem digitalen Transformieren befassen. Der Mix macht es aus.

Und das ist jetzt Ihr Traumjob?
Ja, ist es. Ich bin genau da, wo ich sein will: an der Schnittstelle zum Markt und mit kundenorientierter Verantwortung.

Wie digital ist Ihre Freizeit? Bleibt das Smartphone auch einmal aus?
Die ist so eher 50-50, das Smartphone bleibt zwar selten auch mal zuhause, aber ich habe sonst keine anderen digitalen Spielzeuge dabei – und verzichte auch schon mal auf Mails abrufen. Kommunikation und Nachrichten sind die wichtigsten Funktionen – und kaufen...

Welche Hauptaufgaben gibt es in Sachen Digitalisierung, bei der Telekom und da auch speziell für Sie?
Größte Aufgabe ist es natürlich, die Digitalisierung voranzutreiben. Und das in einer Geschwindigkeit, die auch für die Telekom überraschend ist. Mein Ziel ist es, in einem Zeitraum von fünf Jahren die komplette digitale Transformation abgeschlossen zu haben.

Sie machen sich selbst überflüssig...
Die Funktion des CDO sollte dann nicht mehr notwendig sein, das ist ein definiertes Ziel. Aber man qualifiziert sich während dieser Zeit ja für andere Funktionen, weil ich mir zum Beispiel die gesamte Organisation ansehe.

Gibt es schon ein Leuchtturmprojekt?
Ja, sicher. Zum Beispiel haben wir bei Pass.telekom.de, dem Portal für die Datenpaketzubuchung im Ausland, das Angebot deutlich erweitert, mit dem die Kunden transparent über weitere Angebote informiert werden und diese mit zwei Clicks buchen können. Das war vorher nur eine kleine, unscheinbare Plattform, liefert jetzt aber sehr gute Ergebnisse. Oder die Service-App. Mit der wir jetzt auch proaktiv unsere Kunden über Störungen oder auch natürlich die Beseitigung informieren.

Im Zusammenhang mit Festnetzanschlüssen noch eine andere Frage: Werden wir denn zukünftig alle Glasfaseranschlüsse haben?
Was wir alle brauchen, ist eine schnelle Internetverbindung, wie – das kann ich jetzt nicht festlegen, aber das muss sich sicher verbessern.

Wen sehen Sie denn außerhalb der Telekom als Treiber für die Digitalisierung an?
Das sind die großen Unternehmen, die ihre Geschäfte mit digitalen Oberflächen verdienen. Die sind ganz klar die großen Treiber. Daran kann und muss man sich orientieren.

Zu guter Letzt nochmals eine persönliche Einschätzung: Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?
Ich sehe mich weiter an der Kundenschnittstelle, aber wie schon gesagt, je nach Größe der Organisation ist ein CDO eigentlich nur über einen maximalen Zeitraum von 5 Jahren nötig – die Halbwertszeit ist entsprechend daran orientiert. Aber der technologische Wandel hält nicht an und die Themenbandbreite wächst – es wird sicher auch hier einer Weiterentwicklung geben und Menschen, die sich um diese kümmern wie ich, werden weiter gebraucht.

Das Interview mit Nils Stamm, CDO Telekom Deutschland, führte Susanne C. Steiger

Dieser Beitrag ist eine Vorveröffentlichung aus ONEtoONE 2/2018.
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