Multichannel

CCW: Es fehlt an Multichannel-fähigem Personal

Mathias Hassler von BSI

Multichannel-Transformation: Die Business-Logik liegt im Prozess
Dass die einstige Call Center World in CCW umbenannt wurde, kommt nicht von ungefähr. Schliesslich treten die Kunden über immer mehr Kanäle mit den Unternehmen in Verbindung. Die Umfrage zeigt: Mit jeweils 96 Prozent sind das Telefon und die E-Mail die meist genutzten Kontaktkanäle, gefolgt vom guten alten Brief mit 53 Prozent. Social Media haben kräftig aufgeholt, von 39 Prozent im letzten Jahr auf 52 Prozent im aktuellen Jahr. Weiter bieten knapp die Hälfte der Unternehmen ihren Kunden ein Webformular (48 Prozent) oder Fax (46 Prozent) zur Kontaktaufnahme. Live Web Chat hat ebenfalls zugelegt von 25 Prozent im Vorjahr auf 30 Prozent. Das Kundenportal wurde zum ersten Mal abgefragt und dient einem Drittel der Unternehmen als Servicekanal. Die persönliche Beratung bzw. Aussendienst-Mitarbeitende stehen den Kunden in 32 Prozent der befragten Unternehmen zur Verfügung. Dem Mobile-First-Ansatz werden 23 Prozent der Unternehmen gerecht: Sie bieten auch eine App für den Kundendienst an. Das sind 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Und 14 Prozent der befragten Unternehmen stehen den Kunden auch in Filialen beziehungsweise. physischen Flächen für ihre Serviceanliegen zur Verfügung.
 
„Die Multichannel-Transformation ist in vollem Gange“, sagt Mathias Hassler. Der Call-Center-Experte bei BSI beobachtet, dass die Kanäle zwar zunehmend angebunden werden. Der Kunde, der zwischen den Kanälen wechselt, wird aber noch selten unterstützt: „Der sogenannte Channel Hopper wünscht sich nach dem Telefonat eine E-Mail-Bestätigung oder aus dem Chat heraus in die Telefonie zu wechseln. Bei diesen vernetzten Anliegen wird er jedoch heute in den meisten Fällen enttäuscht“, so Mathias Hassler. Sein Credo: „Multichannel ist nur dann zielführend, wenn der Kanal vom Prozess getrennt wird“. Als Beispiel führt er den Bestellprozess an, der über alle Kanäle gleichermassen funktioniert. „Ist die Geschäftslogik im Prozess abgebildet und findet über die Kanäle nur die Kommunikation statt, ist man dem nahtlosen Service-Erlebnis über Kanäle und Touchpoints hinweg schon einen großen Schritt näher“, erklärt Hassler.
  
Cross-Channel-Herausforderung
Dass die Kanäle vernetzt sein sollten, sagen 99 Prozent der Umfrageteilnehmer. Gleichzeitig sehen die befragten Messebesucher jedoch grosse Herausforderungen, die mit dem Cross-Channel-Ansatz einhergehen: Knapp die Hälfte der Experten sehen die grösste Herausforderung in der technischen Einbindung der neuen (Chat, Facebook, Messanger etc.) und alten Kontaktkanäle (Telefon, E-Mail, Brief). Auch Human Relations (HR) ist im Multichannel Contact Center gefordert: 43 Prozent der befragten Unternehmen haben Probleme, geeignete Mitarbeiter zu finden, die alle Kanäle bedienen können. Die organisatorische Einbindung im Unternehmen bereitet 38 Prozent Kopfzerbrechen. Für ein Drittel der Experten besteht die grösste Herausforderung darin, die Kunden von unterschiedlichen Stellen im Unternehmen bedienen zu können. 29 Prozent fehlt es schlicht und ergreifend am Budget. Knapp ein Fünftel beklagt die mangelnde fachliche Expertise auf Management-Ebene, welche der Kanalvernetzung im Wege steht.
 
Gute Perspektiven im vernetzten Contact Center
Doch die Motivation der Umfrageteilnehmer punkto Kanalintegration ist groß: 75 Prozent sehen in der optimierten Kundenberatung den wichtigsten Vorteil der Vernetzung. Über die Hälfte hebt hervor, dass mit der Vernetzung auch die Mitarbeiter besser informiert sind und damit wiederum bessere Kundenerlebnisse anbieten können. Die höhere Transparenz steht für 47 Prozent im Fokus. In der Nutzung von Synergien sehen zwei Fünftel den grössten Vorteil. Dass mit der Vernetzung auch mehr Informationen über das Kundenverhalten im Unternehmen vorhanden sind, erachten 36 Prozent als besonders wertvoll. Dadurch ergeben sich für ein Drittel bessere Verkaufschancen sowie eine höhere Kundenloyalität.
 
„Wenn wir über Multichannel sprechen, meinen wir nicht nur die Integration der Kanäle, sondern Touchpoint Management. Das Erlebnis am Touchpoint ist zentral für den Kunden. Bei einer Direktversicherung ist das offensichtlich. Bei Firmen mit mehreren Touchpoints muss die Durchgängigkeit und Durchlässigkeit insbesondere in das Contact Center unterstützt werden“, sagt Mathias Hassler. Er beobachtet, dass Kundendienstleiter um die Bedeutung integrierter Kanäle wissen, jedoch sind die Contact Center oftmals organisatorisch nicht in dem Masse eingebunden, wie sich Kunden dies wünschen oder erwarten würden, weiss Mathias Hassler: „Das Contact Center spielt eine wichtige Rolle in der Customer Journey, und zwar vor allem in Unternehmen mit mehreren Touchpoints. Steht ein Kunde in der Filiale und will sich beschweren, heisst es häufig, hierfür müsse er sich an den Kundendienst wenden. Umgekehrt bekommt er im Contact Center zu hören, er solle mit seinem Anliegen in der Filiale vorbeigehen. Das ist nicht mehr zeitgemäss und prägt sich als Negativ-Erlebnis ein“, so Mathias Hassler. Dort, wo die Vernetzung der Touchpoints mit der technischen Kanalvernetzung Schritt hält, können hingegen positive Kundenerlebnisse und Mehrwerte für die Unternehmen und Kunden geschaffen werden.

Der Softwarte-Entwickler Business Systems Integration (BSI) hat auf der Kundenservice-Messe CCW nach eigener Auskunft 450 Messebesucher zum Thema Multichannel befragt.