Agenturen wachsen weiter

Das aktuelle ONEtoONE-Ranking der umsatzstärksten deutschen Dialog-Agenturen beweist: Was früher noch von manchem eher abfällig als Spezialdisziplin oder Below-the-line-Dienstleistung abgetan wurde, ist heute Wachstumsmotor, Wirtschaftsfaktor und Arbeitsplatzbeschaffer. Exakte 29,44 Prozent Zuwachs verzeichnen die Top-50-Dialog-Agenturen für das Jahr 2000. Insgesamt erwirtschafteten die Dialog-Agenturen ein Gross Income von rund 685 Millionen Mark, das sind 115 Millionen Mark mehr als im Vorjahr. Auf diesen erklecklichen Zuwachs können insgesamt 3.171 Agentur-Mitarbeiter stolz sein. Das sind trotz des allseits beklagten Nachwuchsmangels immerhin 681 mehr als 1999.

So viel Einigkeit war nie: Komplett alle Agentur-Chefs, die sich an der Umfrage zum ONEtoONE-Ranking beteiligt haben, rechnen auch für das Jahr 2001 mit einer guten Geschäftsentwicklung. Das positive Konsumklima und ein generelles Wirtschaftswachstum nähren diesen Optimismus ebenso wie ein erwarteter Zuwachs des Dialogmarketing im Allgemeinen und des Customer-Relationship-Management im Besonderen.
Matthias Quadflieg, Chef der Nummer-Eins-Agentur impiric, ist überzeugt: „Der Agenturmarkt im Bereich Dialogmarketing wird auch in den nächsten fünf Jahren von hohen Wachstumsraten profitieren.“
Obwohl einige Dialog-Agenturen mit in den Strudel der New-Economy-Krise geraten sind und noch heute auf die Zahlungen mancher Dot.coms warten, ist die Mehrheit überzeugt, dass sich die derzeitige Marktbereinigung positiv auf das Agenturgeschäft auswirken wird.
Ernst Benner von Benner & Partner erwartet „mehr qualitativ fundiertes Geschäft, weniger Geldrausschmeißerei“, Graffiti-Chef Holger Kalvelage findet das Dot.com-Desaster in erster Linie „personalkostenreduzierend!“. In der Tat wird durch manche Start-up-Pleite nun auch wieder gutes Personal frei. Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist nach wie vor ein Manko, das die Entwicklung der Branche hemmt. Peter Wendt von Publicis Dialog beklagt das Resultat des Nachfragesogs, nämlich „Wildwest-Methoden der Headhunter mit unseriösen Versprechungen“.
Ebendiese Headhunter dürften rosigen Zeiten entgegensehen: Das Jahr 2000 war von einem regelrechten Gründungsboom der Dialog-Agenturen gekennzeichnet – die ihrerseits wachsen und Mitarbeiter brauchen. FHRC-Chef Otfried-A. Fritsch meint: „Kein Mensch braucht so viele DM-Agenturen. Der Ausleseprozess wird sich zwar verschärfen, wobei aber gut positionierte Neugründungen trotz alledem gute Chancen haben werden.“ Rainer Nickel von DNS sieht’s pragmatisch: „Der Markt ist groß genug für alle. Es gibt immer noch genug schlechte Werbung, die darauf wartet, von uns besser gemacht zu werden.“ vh

Unter den Top-Drei der deutschen Dialog-Agenturen hat sich etwas getan: Noch im vergangenen Jahr hatte BBDO die Umsätze ihrer Töchter unter „BBDO, Agenturen für Dialogkommunikation“ gemeldet und sich damit stets auf Platz eins katapultiert. Durch die Diversifizierung in MSBK Proximity und BBDO InterOne geht Rang eins nun an den ewigen Zweiten, die Frank- furter Agentur impiric (die im vergangenen Jahr noch Wunderman Cato Johnson hieß). OgilvyOne verzeichnet über 20 Prozent Wachstum und sichert sich den zweiten Rang.
Was BBDO aufgegeben hat, praktiziert nun Grey, die die Umsätze von Grey Direct, die argonauten, Greycc und Dynamic CRM gemeinsam meldet und damit Platz drei einnimmt.
Auf Platz vier folgt MSBK Proximity, die die Umstrukturierung unter dem neuen Führungsteam offensichtlich gut verkraftet hat. BBDO InterOne, um deren Geschäftsentwicklung in der Münchner Szene einige Gerüchte kreisen, meldet indes in diesem Jahr nicht, und zwar mit der Begründung: „Können wir aufgrund unserer Rechtsform als GmbH keine Angaben machen.“ Das ist neu, aber sei’s drum. Die stärksten Zuwächse im Jahr 2000 verzeichnen div@kom, 141 Germany und SKA Dialog.
Die größten Verluste musste mit rund 21 Prozent The Sales Machine hinnehmen, die im Jahr 2000 nicht nur einen Kunden-, sondern auch einen Mitarbeiterexodus zu verkraften hatte. Ihr folgen M-S-B+K in Stuttgart mit rund 15 Prozent Verlust und Hellner & more mit rund zehn Prozent. vh