Messe

Umfrage zum CO-REACH-Aus

Die NürnbergMesse hat vergangenen Montag verkündet, dass sie die CO-REACH ab 2018 nicht mehr durchführen wird. Grund seien die tiefgreifenden Änderungen bedingt durch die Digitalisierung, denen die Messe nicht länger gerecht werden kann, wie ONEtoONE berichtete. Wir haben einmal bei Ausstellern und Branchenkennern nachgefragt, wie sie das Ende der CO-REACH beurteilen. Hier die Antworten:

1.) Die CO-REACH ist Geschichte. Wie beurteilen Sie als Aussteller bzw. Beteiligter die Entwicklung der CO-REACH?

Nils AhlboryNils Ahlbory, Spring Global Delivery Solutions
Wir waren insbesondere mit der letzten CO-REACH sehr zufrieden, allerdings hatten wir das Gefühl, dass Sie sich immer mehr der dmexco angenähert hat und somit Ihr Alleinstellungsmerkmal verwässerte.

Marco Gaspar, Schober Direct Media
Als Aussteller und diesjähriger Sponsor der CO-REACH sind wir mit der Entwicklung der letzten Jahre und auch mit dem Engagement der NürnbergMesse insbesondere bezüglich der Werbung für Veranstaltung nicht zufrieden.

Simone Heger, Trebbau direct mediaSimone Heger, Trebbau direct media
Die Teilnahme an der CO-REACH war für uns immer gesetzt. In diesem Jahr haben wir erstmals gespürt, dass einige Kunden die Veranstaltung nicht besucht haben. Dennoch hatten wir viele qualitativ hochwertige Gespräche auf der Nürnberger Messe und wären als Aussteller auch künftig dabei gewesen. Leider hat die CO- REACH es nicht geschafft, den Wandel von den klassischen Offline-Themen zur crossmedialen Ausrichtung überzeugend an die Besucher zu transportieren. Unter dem vorherigen prägnanten Namen „Mailingtage“ war die Positionierung eindeutiger und für Interessierte nachvollziehbarer.

Dirk Kemmerer, Bertelsmann Printing Group
Nach Rückmeldung unserer Kunden wird die mitunter einzige nennenswerte Direktmarketingmesse Deutschlands als persönliche Kontaktmöglichkeit fehlen. Wir bedauern das Aus der CO-REACH, obwohl es sich für die Aussteller angedeutet hat, nachdem in diesem Jahr deutlich weniger Aussteller und geringere Besucherzahlen verzeichnet werden konnten.

Karl-Heinz MühlbauerKarl-Heinz Mühlbauer, Panadress
Erstmal bedaure ich sehr, dass die CO-REACH nicht mehr stattfindet. Leider war die Resonanz von Ausstellern und Besuchern gleichermaßen in den letzten Jahren rückläufig oder trat auf der Stelle. Die logische Konsequenz war irgendwann das Aus der Messe. Die CO-REACH wird fehlen, weil es derzeit keine Messe gibt, die die Dialogmarketing-Branche in dieser Breite repräsentiert.

Stefan Naujoks, Austrian Post
Gegenüber den Messen mit rein digitalen Themen hatte es die CO-REACH zuletzt zunehmend schwer. Die Besucher- und Ausstellerzahlen waren in den letzten Jahren unübersehbar rückläufig. Aufgrund der Vielzahl etablierter Leitmessen wird sich jedes Unternehmen fragen, welche Messen man sich leisten will, um in den Kunden- und Branchendialog zu treten. Zuletzt hat sich dieser Austausch immer mehr auf Plattformen verlagert, die das digitale Marketing stärker fokussieren. Als regelmäßiger Aussteller bedauern wir das Aus der CO-REACH sehr.

Martin Nitsche, DDV
Das Ende der CO-REACH stimmt uns traurig. Wir bedauern sehr, dass die zahlreichen Anpassungen, die die CO-REACH zweifellos vorgenommen hat, nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben. 

Roland PotthoffRoland Potthoff, Mayer-Kuvert-network
Die rückläufigen Besucher- und Aussteller-Zahlen der letzten Jahre haben wir als Unternehmen mit einer relativ großen Präsenz in Nürnberg natürlich aus der ersten Reihe wahrgenommen. Auch, wenn hier keine Trendwende zu erwarten war, kam das "Aus" in dieser Form dann doch ein wenig überraschend. Für uns ist es schade, die CO-REACH als jährlichen Meeting-Point zu verlieren. Zukünftig werden wir uns nun stärker auf mehrere affine Special-Interest Veranstaltungen konzentrieren.

2.) Markiert das Aus der CO-REACH das Ende gedruckter Werbeformen, hat nur noch rein digitales Marketing eine Zukunft?

Nils Ahlbory, Spring Global Delivery Solutions
Das Aus der CO-REACH passt so gar nicht zu unseren Erfahrungen im Markt, da gedruckte Werbeformen als ein Element des crossmedialen Marketingmixes immer noch sehr gefragt sind.

Marco Gaspar, Schober Direct Media
Gedruckte Werbeformen stehen nicht vor dem Aus, da sie Botschaften nachhaltiger, intensiver und präziser transportieren. Wir erleben in den letzten Jahren und im laufenden Geschäftsjahr eine Zunahme des Direct-Mailings. Idealerweise ergänzen sich Printwerbung und Onlinemarketing, um potentielle Interessenten auf verschiedenen Ebenen zu erreichen.

Simone Heger, Trebbau direct media
Definitiv nein! Das digitale Marketing und die klassische Printwerbung werden mit unterschiedlichen Ausrichtungen und unterschiedlichen Zielgruppen noch eine lange Zeit nebeneinander fortbestehen. Vor allem die crossmediale Ausrichtung der Kampagnen ermöglicht eine sinnvolle und erfolgreiche Co-Existenz der beiden Marketingkanäle.

Dirk KemmererDirk Kemmerer, Bertelsmann Printing Group
Die Bedeutung gedruckter Werbeformen wird trotz des Einstellens der Messe auch in Zukunft bestehen bleiben. Der Kanalmix bleibt auch weiterhin ein wesentliches Differenzierungsmerkmal.

Karl-Heinz Mühlbauer, Panadress
Definitiv nein. Laut dem Dialogmarketing Monitor 2017 werden für Offline-Dialogmedien 7,9 Mrd. Euro und für Online-Dialogmedien 9,0 Mrd. Euro ausgegeben. Da gibt es zwar in den letzten Jahren Budgetverschiebungen Richtung Online, dennoch bleibt Print nach wie vor stark. Mittelfristig wird eher ein Miteinander der Werbeformen zielführend sein. Nur leider wird sowohl in den meisten Unternehmen als auch bei Dienstleistern noch sehr in Schubladen anstatt vernetzt gedacht.

Stefan NaujoksStefan Naujoks, Austrian Post
Wir sind davon überzeugt, dass der individuelle Kommunikations-Mix auch weiterhin die Basis von erfolgreichen Werbemaßnahmen bleibt. Selbst reine Online-Firmen nutzen Offline-Medien zur Marktbearbeitung, nicht nur im Rahmen von Cross-Channel-Kampagnen. Die Zahl der Werbesendungen in Deutschland ist in den letzten Jahren daher auch relativ konstant geblieben: Wir verspüren sogar bei unseren Kunden teilweise einen Zuwachs.

Martin Nitsche, DDV
Digitale Medien werden weiter wachsen. Dies bedeutet aber nicht das Ende der analogen Marketinginstrumente. Was übrigens auch die Zahlen bestätigen.

Roland Potthoff, Mayer-Kuvert-network
Ich verspreche, dass auch 2018 adressierte Mailings den Postweg in die  Briefkästen finden. Natürlich bedeutet das Ende der Veranstaltung NICHT das Ende des Top-Seller Mediums "Mailing". Mit Web-to-Print Kampagnen – und andersherum – werden sich Maßnahmen und Touchpoints immer weiter ergänzen. Auflagen werden sinken und – wie in den letzten Jahren deutlich zu beobachten war – weiterhin spitzer werden. Aber auch immer mehr Unternehmen aus dem digitalen bzw. onlinegetriebenen Umfeld werden in Zukunft u.a. die Vorzüge personalisierter Printwerbung entdecken und einsetzen. 

3.) War die Ausrichtung einer Messe auf Dialogmarketing oder Crossmedia generell nicht mehr zeitgemäß oder ist aus Ihrer Sicht etwas anderes bei der CO-REACH nicht optimal gelaufen?

Nils Ahlbory, Spring Global Delivery Solutions
Eine Kombination aus der Neocom mit der CO-REACH würde beide Messen beflügeln und könnte eine wahre Leitmesse für Dialogmarketing und Versandhandel werden. Es gibt einen riesigen Markt in Europa für Dialogmarketing und Crossmedia und es wäre unverständlich und nicht zeitgemäß, wenn dieser in der Zukunft nicht durch einen clevereren Ansatz bedient werden würde.

Marco GasparMarco Gaspar, Schober Direct Media
Die Messe muss vornehmlich den (Fach-) Besuchern gefallen und einen relevanten Nutzen für Marketingentscheidungen bringen. Marketingentscheidungen fallen kanalübergreifend. Die Messe hat sich in den letzten Jahren zu sehr in der Nische positioniert und hat zu wenige Elemente aus dem Cross-Media-Marketing besetzt. Darüber hinaus wurde das fachliche Vortragsangebot immer unattraktiver.

Simone Heger, Trebbau direct media
Die Ausrichtung der Messe und die Veränderungsansätze waren aus unserer Sicht ein guter Weg. Messe-Besucher erwarten neue Ideen und crossmediale Ansätze – für das traditionelle Dialogmarketing der geeignetste Weg! Leider ist die Zielgruppe „Verantwortliche für Crossmedia-Marketing“ aber noch sehr klein, denn bei den werbetreibenden Unternehmen gibt es häufig noch die Trennung zwischen den Budgets und Verantwortlichkeiten für Online- und Offline-Marketing. Die Onliner haben mit der dmexco eine starke Veranstaltung, die sie besuchen und ich denke, dass die reinen Offliner sich im veränderten Konzept der CO-REACH nicht mehr hundertprozentig wiedergefunden haben.

Karl-Heinz Mühlbauer, Panadress
Dialogmarketing und Crossmedia liegen nach wie vor voll im Trend, nur über mehr Kanäle und damit vielschichtiger als früher, daran kann es also nicht liegen. Aus meiner Sicht gibt es vier Gründe, die das Aus der CO-REACH beschleunigt haben. Von vielen Kunden wissen wir, dass der Standort nicht optimal war. Die Mailingtage wurden in CO-REACH unbenannt, und keiner konnte mit der neuen Namensgebung so richtig was anfangen. Auch mangels Beteiligung der Branche konnte die Messe nie die kritische Größe erreichen, die einen Besuch mit langer Anreise rechtfertigt. Last but noch least, konnte die Messe ihre Existenzberechtigung neben einer fast ausschließlich auf digital und international ausgerichteten dmexco nicht klar genug darstellen, obwohl sich die beiden Messen inhaltlich eher ergänzen als kannibalisieren.

Martin NitscheMartin Nitsche, DDV
In Zeiten der von Verbrauchern immer stärker eingeforderten individuellen Ansprache durch Unternehmen sind wir mehr denn je davon überzeugt, dass die Zukunft des Marketings im individuellen, kanalübergreifenden Dialog liegt, insofern ist das Thema der CO-REACH absolut zeitgemäß.

Roland Potthoff, Mayer-Kuvert-network
Natürlich fehlte letztlich eine bestimmte Trennschärfe. Die "Mailingtage" hatten ein klareres Profil. Der Anspruch, im Rahmen der digitalen Revolution einen fortführenden Rahmen zu schaffen, in dem sich mehrere Medien der Wertschöpfungskette miteinander präsentieren, war sehr hoch. Aber nicht nur die Verzahnung der Peripherie bremste die ehemalige Dynamik: es gab  in den letzten Jahren auch einen generell spürbaren Wandel in den Unternehmen – so wurde die Notwendigkeit einer eignen Präsenz nicht selten kostenseitig in Frage gestellt. Gleiches gilt für eine ehemals höhere Bereitschaft, Mitarbeiter/innen als Besucher zu entsenden. Viele unserer Kontakte, die vor einigen Jahren noch beide Messetage vor Ort waren, haben das zuletzt schon auf eine "Stippvisite" reduziert.(vj)