Selbstbestimmter Werbekonsum

Welect will Werbung beliebt machen

Das Düsseldorfer Start-up Welect will das Prinzip des mündigen und selbstbestimmt agierenden Nutzers auf den Werbekonsum im Internet übertragen. "Wir ermöglichen es Nutzern, selbst entscheiden zu können, wann sie sich Werbung anschauen wollen und vor allem welche, und erreichen so, dass Werbung mit der größtmöglichen Aufmerksamkeit angeschaut wird", sagt Philipp Dommers, Co-Founder und Geschäftsführer der Welect GmbH. Weil Werbung also auch vermieden werden kann, ist Welect einer der wenigen Werbeanbieter, die von Adblockern geduldet werden.

Denn einer Studie von Splendid Research zufolge haben 43 Prozent der Bundesbürger einen Adblocker installiert. Deutlich weniger (40 Prozent) akzeptieren Onlinewerbung.

Welect arbeitet mit einer Software namens WelectPublish, mit der Medienunternehmen alternative Erlösquellen für ihre digitalen Publikationen erschließen können. Den Nutzern selbst erlaubt die Technologie, die ansonsten üblichen Barrieren wie Paywall oder Abonnement für redaktionellen Inhalt zu überwinden. Stattdessen können sie ein Werbevideo ansehen, das sie aus diversen Kampagnen auswählen können. Gleichzeitig bleiben sie absolut anonym, weil WelectPublish im Einklang mit den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und von E-Privacy keine persönlichen Angaben erfordert.

Die somit reduzierten Barrieren sollen Medienunternehmen den Vorteil bieten, dass die hohen Absprungraten bei Bezahl- und Adblocker-Schranken reduziert werden. So könne Welect aus bisherigen Partnerschaften mit Medienseiten eine Reduzierung der Absprungrate von bis zu 40 Prozent belegen.

Darüber hinaus können Medienunternehmen Werbetreibenden beziehungsweise Mediaagenturen mithilfe von Welect eine Plattform mit starker Werbewirkung für reichweitenstarke Bewegtbild-Kampagnen anbieten. Die Analyse einer für Nissan ausgespielten Werbekampagne belege eine Click-through-Rate von 5,56 Prozent, was ein deutlich höherer Wert sei als bei Werbekampagnen ohne Nutzerzentrierung – hier liege die Click-through-Rate in der Regel bei lediglich 1 bis 2 Prozent.

Ein weiterer Anreiz ist nicht zuletzt auch die neuartige Abrechnungsform nach dem „Cost per Want”-Prinzip. Dieses soll anders als das klassische „Cost per View” sicher stellen, dass nur für vollständig angesehene Werbespots abgerechnet wird – wenn der Nutzer die App schließt oder den Tab verlässt, erfolgt keine Abrechnung. Zudem gehe „Cost per Want” über den Ansatz des „Cost per completed View“-Prinzips hinaus, weil der Nutzer wirklich bereit sei, Werbung anzuschauen und den Spot auch selbstständig nach seinen Bedürfnissen auswählen könne.

WelectPublish wurde im ersten Jahr nach seiner Entwicklung bereits bei der Rheinischen Post Online sowie über BurdaForward bei den Portalen Focus Online, Chip und der Stuttgarter Nachrichten Online eingesetzt. Auf der anderen Seite nutzen inzwischen Werbetreibende – darunter Nissan, Vodafone und Unitymedia – WelectPublish als Ergänzung bei Kampagnen im Bereich der digitalen Video-Werbung.