Dmexco

Welche Trends die Digitalmarketer bewegen

Facebook steht unter Dauerdruck und entwickelt sich
Das Unternehmen ist von einem sozialen Netzwerk zu einem Konzern gewachsen. An Facebook, Instagram und WhatsApp geht derzeit kein Weg vorbei. Die Herausforderung für Facebook ist jedoch, seine Angebote langfristig attraktiv zu halten. Entwickeln sich die Plattformen nicht weiter, langweilen sich die Nutzer über kurz oder lang. Auf der anderen Seite gibt es derzeitig auch wenig Konkurrenz zu befürchten. Plattformen wie Vero sind schneller wieder verschwunden, als dass man sich an sie gewöhnen konnte. Daher ist meine Prognose, dass sich das Unternehmen auch langfristig attraktiv hält, in dem es verstärkt auf Video-Content (auch Live) setzt und das Network mit neuen interaktiven Elementen anreichert. Das Thema AR könnte in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen, denn Realität und Digital vermischen zunehmend. Trotzdem muss sich der Konzern vor Angreifern schützen. Die bisherigen Akquisitionen waren rückwirkend sehr smart. Ich bin sicher, dass bald weitere Plattformen als auch komplementäre Geschäftsmodelle auf der Einkaufsliste von Mark Zuckerberg stehen.
(Helge Ruff, Geschäftsführer von OneTwoSocial, München)

Die Full-Service- und Digitalagentur-Angebote erreichen das Ende ihres Lebenszyklus
Der Markt wird sich selbst transformieren. Welcher Markt bleibt neben im Kern IT-implementierenden und extrem spezialisierten Formaten? Wer ist mutig genug neue Formate ins Rennen zu schicken? Das wird in den kommenden Jahren entscheidend sein. Spannend ist auch, wie sich der Markteintritt von chinesischen Anbietern in Deutschland weiter gestalten wird. Wird WeChat WhatsApp verdrängen? Oder wird sich WhatsApp als zentrale und alles steuernde App durchsetzen? Im Bereich Commerce erwarte ich in Europa einen spannenden Wettbewerb zwischen Amazon und Alibaba. In Zuge dessen bin ich gespannt, welches Konzept sich durchsetzt und ob es weiteren Playern gelingen wird hier in Deutschland relevante Angebote aufzubauen. Die Zukunft ist noch nicht geschrieben.
(Simon Umbreit, Mitgründer und Geschäftsführer der Oddity Group, Stuttgart)

Video und Mobile bergen große Chancen
Video hat sich als effektive Plattform für das Storytelling für Marken und als Wachstumstreiber in der Monetarisierung für Publisher herauskristallisiert. In diesem Jahr hat die Branche sehr viel Zeit in die Idee des 6-Sekunden Videos investiert und ich bin gespannt, wie es sich weiterentwickeln wird. Ein weiterer Trend: Mobile Devices ziehen ein Massenpublikum ins Open Web. Nutzer schauen ohne bestimmte Intention pro Tag ca. 80-mal auf ihr Smartphone. Dies ist eine große Chance für Publisher, personalisierte Nachrichten für Leser von Qualitätsinhalten bereitzustellen. Ich bin begeistert, dass einer der größten Schwerpunkte der Konferenz in diesem Jahr KI ist. Branchenveranstaltungen wie die Dmexco bieten immer eine Gelegenheit, die Industrie voranzutreiben und weiterzuentwickeln. Ich glaube Themen wie AI, VR, Mixed Reality, autonome Fahrzeuge und Drohnen, Audio und bessere medizinische Systeme sind die Zukunft und sie entstehen hauptsächlich durch Revolutionen wie Deep Learning.
(Adam Singolda, Founder und CEO von Taboola, New York City)

Social First, Voice und AR
Ich glaube, dass wir uns zunehmend mit Voice beschäftigen werden, da die Beliebtheit von Sprachassistenten wie Alexa stetig steigt. Einzig die KI hinter der Hardware hinkt den Anforderungen noch etwas hinterher und lässt so manche Euphorie im Keim ersticken. Augmented Reality könnte mit den Bestrebungen von Snapchat und Facebook (Shopping Ads) eine Renaissance erleben und mit IGTV werden wir im Bereich Videodreh ein bisher eher spärlich genutztes Format von 9:16 im Fokus sehen. Es wird nicht mehr primär für TV & YouTube, sondern für Instagram und die neue randlose Smartphone Generation produziert. Eine „Social First“ Denke und Produktion wird zum wichtigen Indikator für den Erfolg von Kampagnen.
(André Gebel, Vorstand Beratung und Strategie von der Coma AG, München)

Services und Plattformen werden Prozesse automatisieren
UX-Design, Customer Experience Plattformen, native App-Lösungen und AI sind bei uns akute Kernthemen. Wir sehen einen klaren Trend, der in Richtung zukunftsorientierter Services und Plattformen geht, mit deren Hilfe Unternehmen Prozesse vereinfachen und automatisieren, sowie in rasanter Geschwindigkeit neue Produkte und Services in den Markt bringen können. Weiterhin beschäftigen uns auch Vermarktungskonzepte und Kampagnen, um die entstandenen Services gezielt und digital-first zu kommunizieren.
(Marcus Reiser, Managing Director von 21Torr, Reutlingen / Stuttgart)

Der Mensch bleibt in der digitalen Welt ein wichtiger Faktor
Digitaltrends wie Personalisierung, cloudbasierte Lösungen und Co. spielen bereits heute eine Schlüsselrolle in vielen Unternehmen. Doch je mehr wir uns mit innovativen Technologien und künstlicher Intelligenz befassen, umso wichtiger wird der Mensch. Aufgabe wird es also in den nächsten Jahren sein, eine humane Form der Digitalisierung zu finden, in der Anforderungen des Menschen und den Fähigkeiten der Maschine gerecht werden.
(Claudia Leischner, Geschäftsführerin von Gyro, München)

Die Rolle von KI im Marketing
Wir beschäftigen uns gerade intensiv mit der Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz bei der kreativen Entwicklung von Marketingmaßnahmen spielen kann. Wie wird KI die Kreationsaufgaben in Zukunft verändern? Hat KI dabei das Potential auch zur schöpferischen Kraft zu werden oder bleibt es immer „nur“ ein Werkzeug im Kreativprozess? Ich bin davon überzeugt, dass in KI noch Möglichkeiten stecken, die wir bisher noch nicht mal erahnen können. Dafür arbeiten wir gerade mit KI-Experten an Lösungsansätzen und Prototypen, die uns im kreativen Prozess unterstützen können.
(Klaus Schwab, Geschäftsführer und Partner der Plan.Net Gruppe, München)

Marktplätze, verändertes Nutzerverhalten und Automatisierung bestimmen das Marketing
Als neutrales Technologieunternehmen sehen wir vor allem drei Trends. Erstens: Die steigende Bedeutung von Marktplätzen für den Online-Handel. Besonders attraktiv sind die reichweitenstarken Werbeplätze, die einige der großen E-Commerce-Player wie Amazon oder eBay bereits anbieten. Doch gerade der Vertriebskanal Marktplätze bedingt zwingend ein konstantes Monitoring und Reporting, um die Werbeausgaben im Blick zu behalten. Zweitens: Das stark veränderte Nutzerverhalten. Für E-Commerce-Händler gilt es deshalb herauszufinden, wie sie mit ihren Geschäftsmodellen auf diese Entwicklung reagieren, welche Kanäle für ihr Geschäft relevant sind und welche Erfolgsmechaniken in den jeweiligen Kanälen wirken. Drittens: Die (Teil-)Automatisierung des Online-Marketings. Die Effizienz von digitaler Werbung in (Produkt)-Suchmaschinen wird immer wichtiger. Die Performance von Produktkampagnen sollte deshalb stets transparent und kanalübergreifend vom Marketingverantwortlichen abrufbar sein.
(Frank Rauchfuß, CEO von IntelliAd Media, München)

Im Zuge der DSGVO wird authentische Markenkommunikation wichtiger denn je
Die Konsumenten sind schon jetzt so informiert wie nie zuvor und damit kritischer denn je gegenüber traditionellen Marketingbotschaften. Und verschärfte Datenschutzgesetze wie die DSGVO erfordern ein sorgfältigeres Management von Kundendaten und –Inhalten auf Markenseite. Marken die den Konsumenten in den Mittelpunkt ihrer digitalen Marketingstrategie stellen, sind auf dem richtigen Weg. Aber sie müssen sowohl die Gesetzesänderungen als auch die sich ständig wandelnden Erwartungen der Verbraucher berücksichtigen, um Vertrauen aufzubauen, glaubwürdig zu sein und Authentizität zu vermitteln. Neben korrekt gekennzeichnetem Influencer-Content und der Offenlegung von Partnerschaften mit Influencern ist es in diesem Zuge unerlässlich, nutzergenerierten Inhalte (UGC) sowohl mit Marken-Hashtags als auch mit direkten @-Verlinkungen auf die Marken zu teilen.
(Jose de Cabo, Co-Founder und Head of EMEA von Olapic, London)

Die Entwicklung von Amazon und KI
Ich finde aktuell drei Themen besonders spannend: Zweifelsohne der weitere Ausbau der Advertising Lösungen im Amazon-Universum. Die Kombination aus massiven Reichweiten auf und außerhalb von Amazon mit harten User- und Kaufdaten bietet für Marken fast aller Branchen noch extreme Wachstumspotenziale. Hier wird es spannend sein, wie sich Amazon selber entwickelt, wie aber auch das Ökosystem drumherum wachsen wird. Insgesamt schauen wir stark auf den wachsenden Einfluss von KI-Lösungen, um zu verstehen, wie wir durch deren Einsatz die Effektivität und Effizienz im Performance Marketing weiter steigern können. Aufgrund meiner Vergangenheit in der Radio-Branche fasziniert mich derzeit die weitere Entwicklung im Audio-Marketing- und Voice-Bereich. Durch Google Home, Alexa und Co werden Radio und Audio endlich rückkanalfähig und ich bin gespannt zu sehen, welche neuen Möglichkeiten hier entstehen
(Tim Nedden, Gründer und Geschäftsführer von Finc3 Commerce, Hamburg)

KI wird im Alltag ankommen
Alexa oder iRobot gehören heute schon zum Alltag. Roboter und künstliche Intelligenz erleichtern unser Leben und nehmen uns Arbeit ab. Klar ist, hier ist noch Luft nach oben. Auch was KI und Automatisierung im Marketing betrifft. Wir werden in Zukunft intelligente Systeme sehen, die mehr und mehr operative Aufgaben im Marketing übernehmen werden. Persönlich spannend finde ich zudem das ganze Thema Augmented Reality und virtuelle Welten – Technologien, die auch aus Marketingsicht interessant sind.
(Volker Helm, Managing Director DACH & Nordics von Quantcast, München)