Studie

Virtual Reality : Flaute nach dem Hype?

Auch wenn Virtual Reality & Co. bereits zum Greifen nah sind, trauen sich die Nutzer nicht an die neue Technologie heran

Virtual Realitly und Sprachassistenten stehen bei den Kunden noch nicht hoch im Kurs. Kaum besser steht es um die Popularität von 5G: Die Verbraucher schenken dem zukünftigen Mobilfunkstandard offenbar wenig Beachtung und wollen für die höheren Bandbreiten auch nicht tiefer in die Tasche greifen. Eine aktuelle Studie von Deloitte kommt zu dem Schluss, dass von Disruption keine Rede sein kann. Das zentrale Consumer Device bleibt weiterhin das Smartphone – und zwar nun auch als Video- bzw. Filmleinwand, gerne auch bei längeren Formaten. Insgesamt lässt sich jedoch eine geringere Marktdynamik als noch in den vergangenen Jahren feststellen.
 
„Innovative Dienste sind der Treibstoff für die Mobilfunkindustrie. Viele der groß angekündigten Trends sind jedoch noch nicht recht bei den Verbrauchern angekommen. Zwar zeigen sich die jüngeren Altersgruppen erwartungsgemäß aufgeschlossener – im Verhältnis zur Gesamtzahl bleiben sie aber in der klaren Minderheit. Von Disruption kann zurzeit keine Rede sein – eher von einer evolutionären Entwicklung in unterschiedlichen Geschwindigkeiten“, erklärt Dr. Andreas Gentner, Partner und Leiter TMT EMEA bei Deloitte.
 
Virtuelle Welt (noch) nicht in der Realität angekommen
Virtual Reality ist laut Deloitte noch weit von einem Massenphänomen entfernt. Betrug der Verbreitungsgrad entsprechender Ausrüstung im Jahr 2016 noch 2 Prozent, so sei es in diesem Jahr gerade einmal ein Prozentpunkt mehr. Dabei verwenden die Konsumenten inzwischen wohl die höherwertige Hardware: Der Anteil der Full-Feature-Brillen am gesamten Gerätebestand stieg somit um fast das Doppelte auf nunmehr 32 Prozent, während einfache Cardboards den Ansprüchen inzwischen nicht mehr genügen und an Bedeutung verlieren.
 
Bessere VR-Hardware kann helfen
Die geäußerte Kaufabsicht zeigt: Auf absehbare Zeit ist hier keine Steigerung zu erwarten. Naturgemäß sind eher die Jüngeren für die Technologie zu begeistern, sodass die Bemühungen der Hersteller zunächst auf diese Gruppe fokussieren sollten. Auch könnte eine verstärkte Vermarktung VR-geeigneter Smartphones das Interesse steigern. Hauptsächlich bestimmt jedoch der erkennbare Mehrwert von Virtual-Reality-Anwendungen das zukünftige Potenzial.
 
Bandbreite egal? 5G entwickelt wenig Appeal
Eine aus Anbietersicht ebenfalls enttäuschende Entwicklung zeigt laut Deloitte der Survey für den Bereich 5G auf. Ganzen 61 Prozent der Befragten ist der neue Mobilfunkstandard mit seinen höheren Bandbreiten nicht sehr oder gar nicht wichtig, während die Interessierten nicht einmal ein Drittel ausmachen. Das bedeutet: Bislang konnte der Nutzen von 5G nicht überzeugend dargestellt werden. Lediglich die Altersgruppe von 24 bis 35 Jahren lässt eine geringfügig stärkere Neigung erkennen. Sie würden, im Gegensatz zu allen anderen, letzten Endes auch etwas mehr dafür zahlen.
 
Intelligenter Sprachassistent : praktisch, aber nicht elementar
Nur wenig gefragter ist der smarte Sprachassistent, wie er auf vielen Smartphones bereits installiert ist. Lediglich 18 Prozent der Befragten verwenden Dienste wie Siri & Co. Die iPhone-Besitzer zeigen eine etwas höhere Affinität. Wenn, dann wird der Service entweder „handsfree“ z.B. zur Steuerung von Navigationsfunktionen eingesetzt oder aber zur Informationssuche bzw. als Entertainment-Tool. Lediglich hier ist eine Steigerung der Nutzungsrate gegenüber 2016 festzustellen, in anderen Bereichen wie Wetter, Reise und Verkehr nimmt die Nutzung sogar ab.
 
Smartphone-Screen auch für längeren Filmgenuss
Doch es gibt auch positive Signale: Das Smartphone wird dem Unternehmen zur Folge zunehmend zur mobilen Leinwand. Die handlichen Geräte werden mittlerweile auch für den Konsum längerer Videos und Filme herangezogen. Als Videokamera gewinnen sie ebenfalls an Beliebtheit. Gegenüber dem Vorjahr verdoppelte sich die Mobiltelefon-Nutzung für Live-TV, Fernsehen über Mediatheken-Bestände sowie Streamen von Filmen auf Werte um 12 bis 13 Prozent. Unabhängig davon sind Smartphones wie 2016 bei 30 Prozent der Anwender nach wie vor das Medium der Wahl für Short-Form-Videos.
 
E-Mail bleibt beliebtes Kommunikationsmittel
So tot die SMS inzwischen als Kommunikationsmittel ist, so beliebt bleibt die E-Mail. Mit 43 Prozent nutzt sie fast die Hälfte täglich, vor allem im Geschäftsleben scheinen sich die Anwender damit am wohlsten zu fühlen. Alternative Messaging-Dienste und Social-Media-Kanäle sind ebenfalls beliebt und weisen entsprechende Steigerungsraten auf, werden aber eher im privaten Umfeld eingesetzt.
 
Trendwende beim IoT
Ein Silberstreif am Horizont ist beim Internet der Dinge erkennbar. Bislang wurden die vernetzten Objekte von den Konsumenten kaum angenommen. Nach Jahren der Stagnation zeichnet sich nun eine Trendwende ab, der Consumer-IoT-Gerätebestand ist spürbar gestiegen. Auch die weiteren Aussichten seien laut Deloitte erfreulich: Die geäußerten Kaufabsichten deuten demnach auf einen nachhaltigen Aufschwung. (st)