Rundruf

Sind Fachbücher noch im Trend?

Shushila Pandya, Intersearch Executive
 Consultants, Hamburg
Tatsächlich gibt es genau ein Werk, in das ich immer mal wieder einen Blick werfe: „Everything I know about business I learned at McDonald‘s“ von Paul Facella. Besonders aus Branding- und Marketing-Sicht ist es immer wieder faszinierend, wie sich das Unternehmen immer wieder neu definiert, auch wenn sich der Markt seit Jahren in Richtung „gesundes Slow-Food“ entwickelt. McDonald‘s hat nicht nur immens viele Millionäre hervorgebracht, sondern schafft es, dass die Mitarbeiter immer das Gefühl von „ketchup flowing in the blood“ haben. Facella hat es vom Counter zum Regional Vice President geschafft und zeigt Business-Regeln und Ansätze auf, die auf jedes Unternehmen übertragbar sind.

Karl Krainer, Gedankenfabrik, Berlin
Als Wissens-, aber auch als Inspirationsquelle verwende ich natürlich auch Fachbücher. Ganz besonders spannend sind dabei die – heute oft unterschätzten – Klassiker. Ein Beispiel dafür sind Bücher der Managementberatungs-Ikone Peter Drucker vor allem in Bezug auf Innovationsprinzipien und Kundenzentrierung. Während einige Firmen und Manager das Thema „Customer first“ erst heute für sich entdecken, hat Peter Drucker schon in den 60iger Jahren postuliert: „The purpose of business is to create and keep a customer.“ Zeitgeist-Themen decke ich lieber mit Online-Quellen ab. Sehr gern auch mal als Video. Hier fehlt Fachbüchern oft die Schnellig- und Leichtigkeit. Wie man hier einen anderen Weg geht, habe ich versucht, mit meinem Inspirations- und Thesenbuch ‚The EDM: The Genesis of the Educated Decision-Maker‘ zu zeigen.

Torsten Oppermann, Delasocial, Hamburg
Ich konsumiere sehr gerne Fachliteratur. Mein Leseverhalten hat sich allerdings in den letzten Jahren drastisch verändert, bedingt durch Familie, Kinder und viele Geschäftsreisen. Statt dicke Wälzer zu lesen, schaue ich mir häufiger Video-Lectures an, lese sehr viele Blogs, RSS-Feeds, höre Hörbücher und lese oder höre gern Kurzzusammenfassungen von Büchern. Audible und Blinkist sind dafür meine Key-Apps. Wenn ich unterwegs bin, habe ich eh immer Kindle, iPad und Co dabei. Und ich muss ganz ehrlich sagen, die digitalen Angebote von Verlagen bringen mir insgesamt auch viel mehr Lesespaß.

Schahab Hosseiny, MSO Digital, Osnabrück
Ein festes Zeitfenster zur Lektüre von Fachliteratur ist bei mir jeden Morgen angesetzt. 30 Minuten lesen sind Pflicht und ich kann jedem nur nahelegen, sich die Zeit zu nehmen. Aktuell habe ich „The hard thing, about hard things“ von Ben Horowitz und „Predictable revenue“ von Aaaron Ross auf dem Tisch. Gerade ausgelesen und absolut zu empfehlen: „Holacracy: The Revolutionary Management System that Abolishes Hierarchy“ von Brian Robertson und „Work Rules!: Wie Google die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten, verändert“ von Laszlo Bock an der Reihe. Neben dem „richtigen“ Lesen nutze ich Blinkist, um mir meine tägliche Portion konzentriertes Wissen sowie neue Impulse zu den Themen Leadership, Management & Marketing abzuholen.

Kristina Schreiber, Plümer Communications, Hamburg
Ein gesunder Lektüremix aus Presse, Blogs, Exzerpten, aber auch profunden Fachbüchern bedeutet für mich Beweglichkeit im Kopf. Dabei beschäftigt mich Digitalisierung rauf und runter: Data, Prozesse, Systeme, Menschen, „Trafo“-Strategien, agile Methoden oder „Querdenk“-Spiele. Zuletzt hat mich hier etwa Chris Hadfields „An Astronaut’s Guide to Life on Earth“ fasziniert. Der charismatische Ex-ISS-Chef skizziert in seiner Weltraumlektüre Erfahrungen, die Digitalunternehmer adaptieren können – Phantasie vorausgesetzt. Bleibt es in der Folge beim Spaß im Kopf allein für mich? Weit gefehlt: Lehr- und Management-Kompendien beziehungsweise Themen, die mich beeindrucken, nutze ich in der Redaktion von 
Tonno-Digitale.de, unserem Corporate Blog. Oder ich setze meine Erkenntnisse und Ideen in der Kommunikationsberatung ein.

Tim Mois, Sipgate, Düsseldorf
Natürlich! Besonders beeindruckt haben mich in den letzten Jahren „Joy, Inc.“ von Richard Sheridan, „Liminal Thinking“ von Dave Gray und „Thinking fast and slow“ von Daniel Kahneman. Bücher, die aus der Praxis berichten, Bücher, die zum Denken anregen und die eigenen Ideen und Vorstellungen auf den Prüfstand stellen. Klar, jedes Unternehmen ist anders, und was bei Sheridan funktioniert, kann bei Sipgate zum Scheitern verurteilt sein. Letztlich geht es um Inspiration und neue Denkanstöße. Das war auch der Grund, warum wir über unsere Unternehmenskultur ein Buch geschrieben haben: „24 Work Hacks, auf die wir gerne früher gekommen wären“. Zeit zum Lesen sollte sich in meinen Augen jeder nehmen. Es hilft, unnötige Fehler zu vermeiden und gute Dinge direkt anzugehen.