Sharing-Dienste

Rundruf: Welche Sharing-Angebote nutzen Sie?

Ist Teilen das neue Besitzen?

Gordon Euchler, BBDO Group Germany, Düsseldorf
Die Sharing Economy. Ich liebe sie. Auch weil sie alle Märkte, in denen ich arbeite, interessanter macht. Aber keiner lehrt mich mehr über die Sharing Economy als meine Kinder. Die wachsen so schnell aus allen Sachen heraus, dass man alles immer nur auf Zeit kauft. Es schnell an die nächsten Eltern weitergibt. Oder noch zwei bis drei Euros auf Ebay kriegt. Aber die Sharing Economy geht bei uns zu Hause weit über die Sachen der Kinder hinaus. Denn alles, was sie, wie alle Kinder, einmal in die Finger kriegen, erklären sie zu: mein. Mein Handy. Mein Buch. Meine Bolognese. Mein alles. Also, um es genau zu sagen, ist für mich nicht die Frage, was ich ‚share’. Sondern eher die Frage, was noch von mir ist? Schön, dass das auch in der Business-Welt ankommt.

Ben Jeger, AppsFlyer, Berlin
Ressourcen gemeinsam zu nutzen ist nicht nur für Konsumenten, sondern auch für Unternehmen absolut sinnvoll. Wir teilen Büroflächen in einem Co-working Space in Berlin Mitte. Zu den Vorteilen gehören nicht nur die größere Flexibilität und der deutlich geringere administrative Aufwand. In der Sharing Economy profitieren die Teilnehmer vor allem auch von der Community: Mit den Start-ups und Firmen, mit denen wir das Office teilen, pflegen wir einen regen Wissensaustausch, arbeiten an Branchenthemen wie der Bekämpfung von Mobile Fraud und bauen ein gemeinsames Netzwerk auf. So kommt auch schon mal ein wertvoller Neukundenkontakt zustande. Daher meine Prognose: Der Trend wird sich weiter fortsetzen, da der Ansatz rundum sinnvoll ist.

Ingo Notthoff, BVDW & T-Systems Multimedia Solutions, Bonn
Spotify und Amazon Music nutze ich vor allem, um Neues zu entdecken, kaufe aber immer noch CDs und LPs – um die Bands zu unterstützen. Als Amazon Prime-Kunde laufen die meisten Filme per Stream auf unserem Fernseher im Wohnzimmer, und aktuelle Blockbuster, finden ihren Weg über Videoload per Entertain. Im normalen TV-Programm spielen bei mir eigentlich nur noch die öffentlich-rechtlichen Sender eine Rolle – mit Fokus auf Nachrichten. Für meine Kinder hat das „normale“ Fernsehen keine Relevanz mehr.

Claude Ritter, Book a Tiger, Berlin
Ich nutze kaum Angebote, die unter den Begriff Sharing Economy fallen. Natürlich miete ich ab und zu einmal ein Auto, übernachte in Hotels oder leihe mir ein Mountain-Bike aus – im Prinzip ist das auch Sharing. Grundsätzlich bevorzuge ich aber Angebote, hinter denen eine professionell organisierte Firma steht. Mit Plattformen wie Airbnb kann ich persönlich nur wenig anfangen. Zu oft wird hier unter dem Deckmantel der hippen Sharing Economy nur wenig Service geboten. Außerdem kommt die vermeintliche Preiseinsparung nicht wirklich beim Kunden oder Anbieter an, sondern bleibt in Form von Margen bei den Plattformen hängen.

Eva Ciuman, cyperfection, Ludwigshafen
Für mich ist die Idee, Dinge mit Freunden und Bekannten zu teilen, etwas sehr Schönes – und Nützliches. Schließlich ist es vollkommen ineffizient, wenn jeder alles besitzt. Man nehme nur folgendes Beispiel: In einem Mietshaus mit zehn Wohneinheiten besitzt jede Partei eine Bohrmaschine, die sie maximal einmal im Jahr nutzt. Klingt das sinnvoll? Nein, es ist eher eine riesige Verschwendung von Ressourcen. Daher habe ich selbst bereits einige Versuche mit der Sharing Economy gemacht – hauptsächlich auf Kleidertausch-Partys und mit Car-Sharing-Angeboten. Klar, bei Airbnb habe ich auch schon den einen oder anderen Urlaub gebucht. Allerdings geht meine Bereitschaft nicht so weit, die eigenen vier Wände zur Verfügung zu stellen. Wer allerdings eine Bohrmaschine braucht, kann sich gerne bei mir melden …

Kay Städele, United Internet Media, Montabaur
In vielen Bereichen findet nur eine Erweiterung der Sharing-Angebote statt. Bei Bus, Bahn und Taxi teilen wir seit je Fortbewegungsmittel, bei Hotels den Wohnraum. Neu sind digitale Plattformen, die zusätzliche Anbieter und Privatpersonen auf den Markt bringen. Ich selber bin ein Heavy-User eines Fahrrad-Verleihdienstes, mit dem ich in mehreren Städten unterwegs bin. Dagegen halte ich wenig von Diensten wie Airbnb und Uber. Lokale Taxiunternehmen werden besser als Privatpersonen kontrolliert und sind Profis im Straßenverkehr. Auch bei der Wohnungsleihe habe ich ein ungutes Gefühl. Was für wenige von Vorteil ist, bringt Nachteile für viele: Wegen fehlender Regularien entstehen Grauzonen. Die Folgen sind Wohnraumverknappung in den Großstädten, Leerstand in der Hotellerie und weniger Steuerabgaben.

Danuta Florczyk, tectumedia, Berlin
Das Lied „Teilen macht Spaß“ liegt mir seit meiner Kindheit in den Ohren. So entwickelte ich ein Bedürfnis Sachen zu teilen. In einem kleinen Verbund aus Freunden und Arbeitskollegen tauschen wir allerlei Kinderkleidung. Ich überlasse meine Sachen anderen alleine schon deswegen gern, weil ich einen Hang zum Sammeln habe und auf diese Weise Platz schaffe, ohne dem Grauen des Loslassens in die Augen zu blicken. Dabei teile ich alles Mögliche: von Haushaltsgeräten bis hin zu Möbeln, oder auch unser Auto. Jeder hat heutzutage so viele Sachen, dass es verschwenderisch ist, unablässig neue zu erwerben. Technologie vereinfacht dabei inzwischen vieles, aber das Gefühl beim Teilen bleibt das alte!

Harald R. Fortmann, D-Level, Hamburg
Die Sharing Economy war aus ökologischen und ökonomischen Gründen überfällig und vereinfacht mein Leben. Da ich seit 2013 auf mein Auto zugunsten eines Fahrrades verzichte, greife ich bei Geschäftsterminen auf das Angebot von car2go und DriveNow zurück. AirBnB nutze ich ebenfalls für Geschäfts- sowie Privatreisen und habe hierdurch viele nette Gastgeber kennengelernt, die wertvolle Tipps zur Umgebung hatten. Ohne iTunes und Spotify hätte ich sicher nicht viele neue spannende Künstler entdeckt und iTunes hat auch schon das Fernsehen bei uns komplett ersetzt. Besitztum ist völlig aus der Mode gekommen und war von jeher nie sinnvoll – die Sharing Economy wird sicherlich noch weitere Bereiche erobern.

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