Ausbildung

Rundruf: Was ist Ihr Tipp für den Nachwuchs?

Wer seine berufliche Zukunft im Marketing sieht, sollte am Puls der Zeit bleiben

Die Marketingbranche hat einen Fachkräftemangel zu beklagen, insbesondere wenn es um die Disziplin digitales Marketing geht. Dabei sind die jungen Leute wie gemacht für Jobs in der Online-Welt, kennen sie doch keine Zeiten ohne Youtube, Amazon und Facebook. Nur welchen Weg gilt es heute einzuschlagen? Privatstudium? Quereinstieg? Agenturpraktika? Wir wollten von unseren LeserInnen wissen, welche Kompetenzen/ Qualifikationen gefragt sind für einen Einstieg in die Marketingbranche, und was sie Interessierten raten würden, die diesen Weg einschlagen möchten. Kurz: Was ist Ihr Tipp für den Nachwuchs?

Dirk Lanio, Grabarz & Partner, Hamburg
Als Marketer brauchen wir junge Kollegen, die brennen, sich begeistern lassen, quer und neu denken, um innovative, frische und erfolgreiche Kommunikation zu entwickeln. Und das gilt für alle Disziplinen, egal ob Kreation, Beratung oder Technik. Werbung ist nicht nur ein Job, Werbung ist Leidenschaft. Deshalb sind neben den fachlichen Qualifikationen berufsrelevante Praktika wichtig, aber auch „artverwandte“ Interessen oder Hobbys wie Musikmachen, einen Blog betreiben, selber Videos produzieren etc., denn sie verdeutlichen die Leidenschaft für Kommunikation und Kreation. Und ja, der Job ist fordernd, aber es gibt in wenigen Branchen mehr Freiheiten und frühe Eigenverantwortung als in der Werbung. Wo sonst kann ich in Shorts und Flip-Flops an der Elbe im Café die neueste Kampagne für einen Kunden entwickeln. Keine Stempelkarten, kein leger Friday, stattdessen Becks nach sechs.

Stefan Ropers, Adobe Systems, München
Generation Y und Z bringen als Digital Natives die besten Voraussetzungen mit, leicht ins Digitalmarketing einzutauchen und es fachlich zu durchdringen. Mittlerweile gibt es viele digitale Studiengänge, die den Nachwuchs mit dem nötigen Wissen ausstatten. Echtes Interesse an der digitalen Welt und ihren Trends ist aus meiner Sicht aber das Wichtigste. Dazu gehört es, durch die Beschäftigung mit relevanten Medien und Multiplikatoren am Puls der Zeit zu bleiben und sich selbstständig mit digitalen Themen auseinanderzusetzen sowie selbst auf Facebook und Co. präsent zu sein. Zum anderen empfehle ich aus eigener Erfahrung, möglichst früh Praxisluft zu schnuppern. Praktika, Werkstudententätigkeiten und ähnliches helfen enorm, erste Erfahrungen zu sammeln, Einblicke in die Branche zu gewinnen und relevante Kontakte zu knüpfen. Vor allem Agenturen sind ein guter Anlaufpunkt für den Nachwuchs. Sie bieten ein breites Erfahrungsspektrum und nehmen oft Absolventen auf.

Semih Stöcker, Fleet ad, Köln
Ein Studium ist für jeden Einsteiger eine gute Grundlage. Vor allem Bewerber mit Auslandsstudium oder Auslandssemestern kommen gut an, da der Bereich Marketing immer digitaler wird und immer internationaler agiert. Auch Praktika im Ausland verschaffen einem Vorteile. Mein Tipp: Wählen Sie dafür nicht die „komfortablen Plätze“ aus. Suchen Sie sich Praktika dort, wo die hippe Digital-Szene sitzt, also etwa in Mumbai, Hyderabad, St. Petersburg, Shanghai oder Shenzhen. Auch die ersten Berufserfahrungen lassen sich an diesen Orten leichter sammeln. So sind Sie für die globale digitale Welt bestens gerüstet.

Ina Wagner, Nexiga, Bonn
Die Zukunft des Marketings liegt zunehmend in der Spezialisierung. Ein traditionelles Marketing-Studium reicht da meist nicht aus. Auch die zusätzliche Nutzung von YouTube, Facebook & Co. machen es leider noch nicht möglich, Besucher auf eine Online-Präsenz zu lenken. Hier ist ein Mix aus aktuellem Wissen und technischem Know-how gefragt. Auch die Empathie für Zielgruppen, Märkte und Designs wird nach wie vor ein Grundbaustein des Marketings sein. Bringen Bewerber zudem Eigenschaften wie  Kreativität, Gefühl für Gestaltung und crossmediales Denken mit, sind diese aus meiner Sicht gut aufgestellt.

Jan Möllendorf, defacto x, Erlangen
Drei Tipps: sich selbst treu sein und herausfinden, wofür man wirklich brennt – wenn man die Weichen richtig stellt, wird man auch Erfolg haben. Zweitens: die Ausbildung breit anlegen und flexibel bleiben, um seinen Neigungen und sich ergebenden Chancen entsprechend finetunen zu können. Wir arbeiten im Beta-Modus – das gilt auch fürs Lernen. Und drittens: bei interessanten Unternehmen anheuern, ob für Praktika oder zur Anstellung, bei denen man sich persönlich und fachlich weiterentwickeln kann.

Alexander Krug, Supercat, Berlin
Im Marketing zählt vor allem eines: Kreativität. Wenn wir z.B. neue Kollegen für unsere Agentur suchen, ist es ehrlich gesagt zweitrangig, was die Bewerber studiert haben, welche Ausbildung oder welchen beruflichen Weg sie bisher eingeschlagen haben. Wesentlich wichtiger finde ich, dass man merkt, dass die Interessierten am Puls der Zeit leben, den Blick über den Tellerrand wagen und sich das gewisse Maß an kreativem Querdenken zutrauen, bei dem zunächst nur grandiose und unkonventionelle Eingebungen zählen – erst im zweiten Schritt geht‘s um das pragmatische Realisieren der „Luftschlösser“.

Werner Kubitscheck, netzeffekt, München
Wir legen sehr großen Wert darauf, dass Berufseinsteiger zeigen, dass sie für das Thema Digitalmarketing brennen und das auch durch erste Aktivitäten/Projekte, Werkstudententätigkeiten etc. untermauern können. Ob die/derjenige dann aus einem Studium kommt oder Quereinsteiger ist, spielt für uns eine eher untergeordnete Rolle. Bislang konnten wir alle Stellen durch eigene Maßnahmen gut besetzen, spüren aber eine sehr starke Nachfrage nach Data-Analysten.

Felix Holzapfel, Zone, Köln
Unsere Branche verändert sich schnell. Wer heute im Marketing arbeiten will, muss grundsätzlich wissenshungrig sein, sich auf neue Herausforderungen einstellen können, also lernfähig und flexibel sein. Wir als Full-Service-Digital-Agentur brauchen gute Leute, die Strategie-, Technologie- und Content-Expertisen mitbringen. Bei den Einsteigern haben wir gute Erfahrungen mit praxisnahen privaten Studiengängen gemacht, z.B. der RFH Köln. Auch wer Praktika vorweisen kann oder gar eine eigene Website, einen eigenen Blog oder eigene Social-Channels betreibt, qualifiziert sich eher.

Alexander Gösswein, Criteo, München
Ob ein Berufseinsteiger an einer Privat-Universität war, eine gewisse Studienspezialisierung oder Dutzende Praktika absolviert hat, steht für uns nicht so sehr im Vordergrund. Bei Criteo sind andere Fragen wichtiger: Passt der Kandidat ins Team? Ist er bereit, konstant zu lernen? Hat er eine gewisse Leidenschaft für unsere Produkte und das Marktumfeld? Und denkt er kundenorientiert? Mein Tipp fürs Bewerbungsgespräch: Zeigt Interesse und Neugier und bringt Begeisterung sowie ein Grundverständnis für digitale Zusammenhänge mit!


Sina Wellschmiedt, Hirschen Group, Hamburg
Insbesondere im digitalen Marketing gibt es kaum etwas Wichtigeres als am Puls der Zeit unterwegs zu sein, Trends erkennen zu können und zu wissen, womit sich die jeweilige Zielgruppe gerade beschäftigt bzw. wo sie sich aufhält. Hat man dieses Wissen, gilt es noch die unterschiedlichen Mechanismen der digitalen Medien zu verstehen. Um hierfür ein Gespür zu entwickeln, braucht es einen guten Mix aus theoretischem Hintergrund zu den jeweiligen Technologien und anfassbaren Beispielen aus der Praxis. Einsteiger tun also gut daran neben dem Studium fleißig Arbeitserfahrung zu sammeln und das möglichst in vielen verschiedenen Umfeldern. Unabdingbar in einer sich schnell und ständig verändernden Welt ist auch ein gutes Netzwerk, aus dem sich immer wieder neue Impulse ergeben können.
 

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