Umfrage

Print-Vermarkter: Der Glanz ist ab

1. Ist es richtig, dass Verlage
 zunehmend Personalprobleme 
im Bereich Führung und Nachwuchs haben?

Johann Kuhlendahl (hbk Partner):
Personalprobleme sind quantitativ weniger spürbar als qualitativ. Verlage ziehen im  Wettbewerb um die High-Performer heute eher den Kürzeren. Das macht es für sie umso schwerer, die großen Herausforderungen der Zeit, im Kern die Transformation der Geschäftsmodelle, zu bewältigen.

Katharina Wolff (D-Level):
Bei vielen Medienhäusern gibt es deutlichen Nachholbedarf in der digitalen Entwicklung. Die digitalen Projekte sind oft noch mager, oder sie befinden sich abseits des Kerngeschäfts in Tochterunternehmen. Einige Medienhäuser sind außerdem mitten in der Konsolidierungsphase und bewegen sich zwischen Entlassungen und Abfindungsmodellen. Da kann man nicht unbedingt erwarten, dass die digitalen Experten in Scharen zu den Verlagen strömen. Es gibt natürlich auch Units in Verlagen oder Häuser, in denen es interessante digitale Projekte gibt. Die sind für den Führungsnachwuchs nach wie vor reizvoll, wie beispielsweise Axel Springer oder ProSiebenSat1.

Maren Freyberg (Cribb):
Ja, diesen Personalmangel spiegeln uns auch unsere Kunden wider.

2. Was ist der Grund dafür?

Johann Kuhlendahl:
Den Verlagen ist es bisher nur schlecht gelungen, wegbrechende klassische Erlöse im Rahmen der veränderten Mediennutzung und Digitalisierung zu kompensieren. Signale des Wachstums, Selbstbewusstsein und Euphorie strahlen selbst die ehemals großen Verlagsmarken nicht gerade aus. Die häufig von Schrumpfungsprozessen dominierte Situation wirkt weder auf Nachwuchs- noch auf Führungskräfte anziehend, die sich eher an wachstumsstarken Branchen orientieren.

Katharina Wolff:
In den 90er Jahren gehörten Verlage und Medienhäuser noch zu den Stars auf den Jobmärkten. Dort zu arbeiten bedeutete gleichzeitig Glamour, Glanz und Pres-tige. Dann kam die große Print-Krise, und damit einhergehend brachen die Anzeigenerlöse ein. In der Medienbranche wurde relativ lange damit gehadert, ob es heißen sollte „Print oder Online first“. Das ist mittlerweile gelöst, denn klar ist, dass Online keine Abwertung der journalistischen Qualität ist. Aber die Geschäftsmodelle im Digitalbereich zünden erst langsam. Der positive Effekt der Transformation hin zur Digitalität wird sich in einigen Jahren voll entfalten. Noch sind die Verlagshäuser dabei, wieder zur stabileren Gesundheit zu finden. Bis das so weit ist, werden Führungskräfte andere Branchen bevorzugen.

Maren Freyberg:
Das liegt vor allem am Umschwung von Print zu Online. Kaum jemand geht noch in die Print-Richtung, weil sie in ihren Augen keine Zukunft hat. Auf der anderen Seite sind noch nicht alle Firmen fit im Online-Bereich. Geschäftsmodelle, mit denen ausreichend Geld verdient und die Zukunft gesichert werden kann, müssen erst noch gefunden werden. Es entstehen neue Berufsbilder, die eher die Jüngeren abbilden, welche wiederum ausgebildet werden müssen. Oft wissen die Verlage jedoch noch nicht, was sie brauchen und wie diese neuen Berufsbilder aussehen. Der Bereich „Medien“ hat viel von seiner Faszination zugunsten anderer Branchen verloren, die durch die digitalen Veränderungen spannender geworden sind.

3. Ist es richtig, dass Verlage in der Vermarktung/Sales immer weniger zahlen? Können Sie die Entwicklung quantifizieren?

Johann Kuhlendahl:
Gut, dass Sie nicht nach der Entlohnung für die Produzierenden von Wort und Bild in der Branche gefragt haben ... An die wird der ökonomische Druck relativ brutal weitergereicht. Im Bereich Sales beobachten wir über Jahre bestenfalls eine Stagnation der Konditionen. Nicht nur inflationsbereinigt, sondern besonders im Vergleich zu Sales-Positionen in anderen wachstumsgeprägten Segmenten (z.B. IT oder Marketing-Automation) wird also, relativ gesehen, zunehmend schlechter bezahlt.

Katharina Wolff:
Wer auf das falsche Pferd gesetzt hat bzw. sich eindimensional aufstellt, hat sicher das Nachsehen. Im klassischen Anzeigengeschäft wird weniger Umsatz als früher gemacht, dementsprechend sind die Gehälter dort gesunken. Dieser Bereich könnte früher oder später aussterben. In der digitalen Vermarktung wird tendenziell mehr gezahlt, die Gehälter im Digitalbereich steigen stetig. Die Digitalagenturen mussten insgesamt ihre Gehälter ordentlich anpassen. Dort wurde über Jahrzehnte eher schlecht bezahlt. Damit die Fachkräfte nicht in andere Branchen abwandern, haben die Agenturen reagiert. Wie in allen Branchen gilt: Neues – digitales – Geschäft: steigende Gehälter. Altes – klassisches – Geschäft: fallende Gehälter.

Maren Freyberg:
Das ist nicht zwangsweise der Fall. Allerdings geht durch den Umschwung zu Online vor allem im Print-Bereich viel Umsatz verloren, was sich auch im Sales-Bereich durch Einsparungen bemerkbar machen kann.

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