Expansion

Online-Prospekteportal Retale goes America

Zu den Handelspartnern von Retale gehören unter anderem Toys“R“Us, Target, Kohl‘s und Black Friday

Für die Expansion nach Amerika gab es mehrere Gründe, sagt Gaiser. „Der gesamte US-Markt ist für uns größer als Europa zusammen. Es werden dort 17 Milliarden US-Dollar umgesetzt, und Prospektwerbung stellt mehr als 50 Prozent der Werbebudgets der großen Händler dar. Ein weiterer Grund war persönlicher Natur. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn ein anderes Unternehmen unser Konzept in den USA kopiert hätte. Unser Ziel ist es, einen globalen Marktführer aufzubauen. Aus unserer Sicht gelingt dies nur, wenn man zuvor eine starke Marktführerschaft in Amerika aufgebaut hat.“

Über ein Jahr Vorbereitungszeit brauchte der Plattform-Anbieter für digitale Prospekte nach eigener Aussage für den Eintritt in den US-amerikanischen Markt. Retale wurde von der Bonial International Group finanziert, die für die Internationalisierung ein zusätzliches Investment von 33 Millionen US-Dollar für die nächsten Jahre bereitstellte. Hiervon floss ein Großteil in den US-Markt.

In den Anfängen von Retale wurde zunächst das Team rekrutiert, so Gaiser. Geleitet wird das Unternehmen mit Sitz in Chicago von Pat Dermody, die zuvor beim Einzelhandelskonzern Sears Holding als Vice-President für den Bereich Marketing Services zuständig war und in dieser Funktion „selbst einmal ein riesiges Werbebudget verantwortet hat“. Vor Kurzem wurde das Team erneut erweitert.

Seit dem Start von Retale Ende Oktober letzten Jahres habe sich das Portal „rasant entwickelt“, sagt Gaiser. „Es konnten mehr als 100 Handelspartner gewonnen werden. Darunter sind viele große, wie beispielsweise Target.“ Generell habe Gaiser die Erfahrung gemacht, dass die amerikanischen Retailer ganz anders auf das Thema zugehen würden. „Sie sind sehr offen für Innovationen, suchen auch proaktiv nach Lösungen, wie sie ihr wichtigstes Werbeinstrument auf das mobile Ökosystem verlängern können“, so der CEO der Bonial International Group.

Mobile steht in den USA noch stärker auf der Agenda


Seitens der Händler sei die Werbementalität dem deutschen Markt sehr ähnlich, meint Gaiser. Sie sei sehr prospektlastig, allerdings intensiver. Außerdem stehe Mobile in den USA noch stärker auf der Agenda und habe hier einen größeren Stellenwert. Bei den Nutzern beobachtete Gaiser, dass man mehr Geld in die Hand nehmen müsse, um einen User zu gewinnen, denn die Wettbewerbsintensität in den Appstores sei wesentlich dichter. „78 Tage nach dem Start hatten wir bereits eine Million Downloads, und es hat sich seitdem weiterhin positiv entwickelt“, sagt Gaiser.

Die nächsten geplanten Schritte seien, weitere Elemente auf der Plattform zu schaffen, „die weiter skalierbar sind und sowohl den Händlern als auch den Nutzern einen klaren Vorteil bringen. Wir konzentrieren uns hierbei derzeit auf die individuellen Nutzerpräferenzen“, erläutert Gaiser. Außerdem wolle man weitere Handelspartner gewinnen und die Reichweite ausbauen. Dies stehe für die nächsten ein, zwei Jahre auf der Agenda, sagt Gaiser und kann sich vorstellen, „irgendwann ein weiteres Büro vielleicht an der Westküste zu eröffnen“. Retale wird von den amerikanischen Händlern als alternativer Vertriebsweg für ihre Werbeprospekte offenbar gut angenommen. „Retailer haben uns schon oft gefragt: ‚Why didn‘t you come to the US-market earlier?‘“. (smü)