Virtual Reality

Mit Datenbrille auf Shoppingtour?

Mit Datenbrille auf Shoppingtour?

Virtual-Reality-Brillen sind schon länger nicht nur etwas für Nerds. Denn immer mehr namhafte Unternehmen wie Facebook oder Samsung versuchen, die neue Technologie massentauglich zu machen. Sogar die Bonial-Gruppe – Teil des Axel Springer Verlags – probiert mit der Virtual-Reality-App „Kaufda VR für Oculus Rift“ Angebote des Einzelhandels aus. Kein Wunder also, dass uns die VR-Brille immer öfter in der Werbung begegnet. Könnten Sie sich vorstellen, mit einer Datenbrille virtuell auf Shoppingtour zu gehen?

Stefan Klein, Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, Hamburg
Wenn die VR-Brillen in naher Zukunft Einzug in die Haushalte erhalten – warum nicht? Es hat sich nicht nur kürzlich auf der Hamburg Games Conference bestätigt, dass wir uns auch hier in Hamburg verstärkt der VR-Technologie widmen müssen. Mich persönlich begeistert nicht nur dieses intensive Erlebnis, auch im Alltag in andere Welten eintauchen zu können, sondern insbesondere der Fakt, dass sich auch für Start-ups und Dienstleister abseits der Games-Branche viele neue Projektmöglichkeiten eröffnen – wie zum Beispiel eben im E-Commerce oder auch im Tourismus.

Torsten Oppermann, Delasocial, Hamburg
Wir bei Delasocial arbeiten schon seit 2014 für Oculus und konnten uns deshalb schon früh in die „Virtuelle Realität“ begeben. Gerade für zum Beispiel Autos, Einbauküchen, Möbel, etc. ist das Online-Shopping in der virtuellen Realität prädestiniert. Nirgends sonst kommt man vom Sofa aus so nah an das echte Erleben heran und ist nur einen Klick vom Kauf entfernt. Ganz nebenbei gibt es zum Beispiel auch kein besseres Kino-Erlebnis als per virtueller Realität. Wir sind begeistert von dieser neuen Technologie, sie wird uns langfristig begleiten und vieles verändern. Da stehen wir heute erst ganz am Anfang der Entwicklung.

Steffen Teske, Zendesk, Berlin
Virtuelles Shopping ist für mich der nächste Schritt hin zum greifbaren Einkaufserlebnis im Online Handel und somit quasi die Brücke zwischen e-Commerce und Ladengeschäften. Besonders spannend finde ich die Möglichkeiten, die sich dadurch in puncto Kundenservice eröffnen. Shoppe ich mit Datenbrille, bin ich 100 Prozent fokussiert auf den Content vor mir. Ich kann nicht wegschauen. Der Händler hat also meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Genau das müssen Unternehmen nutzen und weiterführende Echtzeit-Informationen bieten, um in der virtuellen Welt Service für echte Produkte anzubieten. Und neben allen gewünschten Informationen zum Produkt, direkt und virtuell vor meinen Augen, kann ich das Produkt auch vor Ort testen oder mir von einem Kundenservicemitarbeiter das Produkt „vor meinen Augen“ erklären lassen. Wenn Händler das umsetzen, dann ist VR-Shopping nicht nur eine nette Spielerei, sondern die nächste Ebene der Händler-Kunden-Interaktion.

Jaromir Fojcik
, creativestyle, München
Sobald 360-Grad-Kameras für eine breite Masse erschwinglich werden, wird auch mehr Content zur Nutzung bereitstehen. Für den Immobilienmarkt gibt es bislang oft nur statische Bilder, Grundrisse und mühsame Besichtigungstermine. Mit Virtual Reality können Räumlichkeiten begangen und ein realistisches Raumgefühl vermittelt werden. Das gilt nicht nur für Makler oder Architekten. Auch Online-Vermittlungsdienste wie Immobilienscout24 oder Airbnb werden in Zukunft Rundgänge durch Apartments und Häuser anbieten. Hierdurch können neue Upselling-Möglichkeiten entstehen – etwa für das Hochladen sowie für das Ansehen solcher Formate. Diese Maßnahmen werden sicherlich auch die Conversion Rates steigern.

Dagmara Greve, ZenithOptimedia, Düsseldorf
Ja, definitiv würde ich eine Shopping Tour mit einer Datenbrille unternehmen, jedoch mit der Betonung auf „unternehmen“. Das Erlebnis an sich steht aktuell für mich stärker im Vordergrund. Meine Motivation, virtuell einkaufen zu gehen, basiert momentan noch auf der Neugierde, eine neue und noch nicht so stark verbreitete Technologie zu testen und die Möglichkeiten auszuloten. Ob ich tatsächlich etwas auf dieser Tour kaufen würde, da bin ich noch nicht ganz so sicher. Ich würde das VR Shopping aktuell eher als „Windows-Shopping 2.0“ bezeichnen. Entscheidend wird sein, wie das Angebot aussieht, wie die Produkte präsentiert werden, was ich alles über das Produkt, die Dienstleistung erfahre und vor allem, wie ich es der Anwendung „erleben“ kann. Die Daten und deren Qualität werden also in dem Zusammenhang ausschlaggebend sein, ob und in welchem Umfang diese Technologie in unserem Alltag eine Rolle spielen wird und an Relevanz gewinnt. Es ist für mich persönlich nur eine Frage der Zeit, wann ich das nächste Mal am Sonntagvormittag statt auf der Düsseldorfer Kö zur Window Shopping Tour aufmache, eine Daten-Brille aufsetze.

Dirk Kraus, Yoc AG, Berlin
Ich kann mir sehr gut vorstellen, ausgestattet mit einer Datenbrille auf virtuelle Shoppingtour zu gehen. Abgesehen davon, dass ich persönlich sehr technikbegeistert bin und Dinge gerne sofort ausprobiere, bin ich natürlich auch berufsbedingt daran interessiert zu erfahren, inwieweit eine Technologie wie Occulus Rift unsere Offline Welt um zusätzliche Informationen und Erfahrungen anreichert. Das ist gerade in Kombination mit mobilen Endgeräten eine extrem spannende Erfahrung. Von einer virtuellen Shoppingtour kann ich sicherlich spannende Learnings für unsere Arbeit im Bereich Mobile Advertising ableiten.

Guido Lohmann, 3D.WERK
Bei dem aktuellen Entwicklungsstand kann ich mir nicht vorstellen, mit der VR-Brille und der Kaufda App auf Shoppingtour im Einzelhandel zu gehen. Sicher hat VR heute schon seine Berechtigung in der Vermarktung von verschiedensten Produkten. Die hohe Immersion die solch eine Brille bieten kann, macht es einfach in Reiseziele einzutauchen, auch beim Autokauf oder in der Architektur wird die Farb- und Ausstattungsauswahl, Aufteilung, etc. deutlich erleichtert, wenn man direkt im virtuellen Produkt sitzt und Änderungen sofort sehen kann. Im Einzelhandel sollten mehrere Sinne auf einmal angesprochen werden. Die Haptik und Struktur von Oberflächen, Gewicht und Geruch eines Produktes, werden erst im Geschäft wirklich greifbar. Auch wesentliche Eigenschaften zum Beispiel eines Fernsehers, wie der Klang der Lautsprecher und die Bildqualität, werden erst im Laden sichtbar und können derzeit nicht ohne weiteres in einer VR-Brille realitätsnah abgebildet werden. Zudem hat die Grafik noch deutliches Potential nach oben und eine fotorealistische Darstellung der Produkte wäre quasi Pflicht.

Andreas Winterer, utopia.de
Ja, wir können uns sehr gut vorstellen, mit VR-Brillen auf Shopping-Tour zu gehen. In den Städten erspart das den Kunden stickige, volle Kaufhäuser, auf dem Land können Konsumenten, die oft keine Alternative zu Onlineshops haben, Produkte noch besser in Augenschein zu nehmen. Was uns als Utopia.de noch mehr begeistert: Hersteller und Händler könnten Virtual Reality benutzen, um im wahrsten Wortsinne transparenter zu werden, etwa per Datenbrille Einblicke in Lieferketten und Produktionsstätten geben. Augmented Reality könnte helfen, erweiterte Produktinformationen wie Bio- oder Fair-Siegel, Transportwege etc. einzublenden. VR kann helfen, ethische und umweltbewusste Produktion beim Shopping sichtbarer zu machen. Und aus den vielen „könnten" machen wir auch gleich ein „das wird kommen“ – so wie das heute schon Scanner-Apps erfolgreich vormachen.

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