Rundruf

Leserumfrage: Was werden die Marketingtrends 2016?

Trends 2016: Was nun nach Content Marketing und Native Advertising im Jahr 2015 ansteht

Oliver Bartelt, Anheuser-Busch InBev Deutschland, Bremen
In der Vergangenheit haben Marken vor allem kommuniziert, wofür sie stehen. Beck's beispielsweise hat jahrelang sehr erfolgreich das hohe Lied von Freiheit und Unabhängigkeit gespielt. Zukünftig, und da sind wir mitten in der Transformation, fokussieren wir stärker darauf, welche Rolle eine Marke im Lebensumfeld der Konsumenten einnehmen kann, wo der physische oder emotionale Mehrwert liegt. Die zentrale Fragestellung dreht sich um die Bedürfnisse der Verbraucher und welche Antwort wir als Markenartikler darauf finden. Marken müssen immer mehr involvieren und echten Impact haben.

Dr. Markus Gräßler, GKK Dialog Group, Frankfurt
Es wird einen Trend zu mehr Integration geben. Durch die Vielzahl der Kommunikationsmöglichkeiten entstehen bei den Marketern in Unternehmen und Agenturen automatisch Fliehkräfte, die es zu beherrschen gilt. Ansonsten reißt es uns alle auseinander. Wir müssen dauerhaft lernen, mit diesen Kräften umzugehen. Dazu braucht es viele Experten für die einzelnen Disziplinen, und die werden nur als Team erfolgreich sein. Daraus ergibt sich ein zweiter Trend: „mehr Team“. Einzelleistungen zählen immer weniger. Erst durch ein Team wird daraus erstklassiger Dialog. Das Team gilt innerhalb von Organisationen, aber auch darüber hinaus. Agenturen und Kunden müssen sich ebenfalls mehr als Teams verstehen. Daraus wird agiles, innovatives und erfolgreiches Arbeiten.

Shushila Pandya, Delta Management Consultants, Düsseldorf
Einer der größten Marketing-Trends 2016: Video, Video, Video – insbesondere dann, wenn Unternehmen die Millennials erreichen wollen. Video-Werbung ist seit einigen Jahren auf dem Vormarsch, Facebook und Bing bieten bereits Video-Optionen zu Werbemaßnahmen an. 2016 wird der Trend auf eine weitere Ebene gehoben: Google wird endlich in-SERP- Video-Werbung ermöglichen. Als Mutter von Youtube wird Google hier mit Sicherheit einige Überraschungen bereithalten. Zudem wird das Thema Big Data auch 2016 dominieren. Die Masse an Daten aus sozialen Netzwerken oder Online-Shops ist eine Goldgrube für Marketer. Bis dato fehlte es allerdings noch an Know-how oder kostengünstigen Lösungen, wie sich Unternehmen diese Daten zu Nutze machen können. Mehr und mehr Tools kommen auf den Markt, mit denen Datamining und Daten-Management vereinfacht werden. 2016 wird es darum gehen, Big Data und Big Data Analytics in die Marketing-Entscheidungen einzubeziehen.

Martin Nitsche, Deutscher Dialogmarketing 
Verband, Frankfurt
Die Grenzen werden überwunden! Vorbei sind die Zeiten, in denen Marketingleiter noch in Dimensionen wie „Online“ und „Offline“ oder gar „Above“ und „Below the line“ denken konnten. Konsumenten unterscheiden weder nach analog und digital, noch unterscheiden sie nach Endgerättypen wie Mobil und Stationär. Der Kunde nutzt alle Medienkanäle intuitiv und spontan – auch die Grenzen zwischen Werbung und Content verschwinden zunehmend. Die Mauern sind nur noch in den Köpfen der Marketingverantwortlichen und der Dienstleister vorhanden. Agenturen, Berater, Call-Center, Lettershops, Software-Anbieter und natürlich die Werbetreibenden: Sie alle müssen diese Grenzen 2016 überwinden, um auch in Zukunft am Markt bestehen zu können. Und ihre Kunden glücklich zu machen!

Martin Groß-Albenhausen, Bundesverband E-Commerce und Versandhandel, Berlin
Vieles von dem, was das Marketing bewegen wird, hängt von der EU-Datenschutz-Grundverordnung ab. Sie kann sowohl im B-to-C- als auch im B-to-B-E-Commerce deutliche Hürden für die Neukundenwerbung, etwa beim Retargeting, bringen. Von dieser zentralen Unwägbarkeit abgesehen, erwarten wir einen weiter stark zunehmenden Anteil von mobiler Online-Nutzung. Das verändert Customer Journeys, stärkt bestimmte Plattformen und verändert Werbekanäle wie klassisches SEO oder E-Mail-Marketing. Von den dominierenden Suchmaschinen bewegen sich viele Händler weg auf Social-Media-Plattformen, wo sie durch bessere Targeting-Möglichkeiten zwar derzeit noch weniger, dafür qualitativ hochwertigere Leads erhalten. Hier ist zu beobachten, wie sich Anbieter und Kunden nach der „Kassierung“ des Safe-Harbour-Abkommens mit den USA aufstellen werden.

Matthias Wahl, Bundesverband Digitale Wirtschaft, Düsseldorf
Ich sehe lokales und personalisiertes Marketing als zwei ganz wesentliche Marketingtrends im Jahr 2016. Mit mobilen Endgeräten, insbesondere auch Wearables, gewinnt die situative, lokale Verzahnung von Online- und Offline-Konsum immer mehr an Bedeutung. Gleichzeitig wird es auf Basis immer mehr verfügbarer Daten zunehmend erfolgsentscheidend, den einzelnen Kunden mit maßgeschneiderten Angeboten und einer personalisierten Ansprache zu adressieren. Intelligente datenbasierte Automatisierung und flexible Systeme für einen Echtzeit-Dialog über alle Kanäle werden hier eine immer wichtigere Rolle spielen.

Alexander Herweg, Department One, Berlin
Das Marketing 2016 ist kundenzentriert und Kundenbindung erlebt ein Revival. Durch Daten und Technologien können Unternehmen die tatsächliche Customer Journey ihrer Kunden analysieren und ihnen individuelle Angebote an den einzelnen Touchpoints machen. So werden wirkungsvolle Markenerlebnisse und eine personalisierte Customer Experience möglich. Connected Commerce braucht aber auch neue Strategien für das Storytelling und ein gutes Timing für die richtige Botschaft am richtigen Ort. Marken, die ihren Kunden dazu noch langfristig ausgerichtete Formate für nachhaltige Kundenbindung anbieten, haben im Wettbewerb die Nase vorn.

Susanne Weller, Weller Media, Berlin
2016 werden Technologie und Kreativität im Marketing endlich eine Symbiose eingehen. Die Reduktion von Content und Kanälen und die Konzentration auf smartes Storytelling stehen im Mittelpunkt. Bluetooth, NFC und Beacons vernetzen analoge und digitale Einkaufswelten. Visuelles Storytelling, je nach Branche auch über Virtual- und Augmented-Reality-Anwendungen, ermöglicht neue Erzählformen für Produkt- und Markengeschichten. Dank Data Analytics wissen Unternehmen immer genauer, welchen Beitrag ein Touchpoint in der Wertschöpfungskette der Customer Journey leiste. Sie wissen auch, über welchen Kanal ihre Kunden mit der Marke in Berührung kommen und wie sie mit ihr interagieren. Im kundenzentrierten Cross Device Marketing 2016 werden sich die Maßnahmen danach richten. Personalisierung, das perfekte Timing, die richtige Markenbotschaft und das passende Umfeld bleiben wichtig und bilden den Rahmen für die richtige Dosis im Marketing.

Dr. Thomas Müller-Rehkopf, Scholz & Friends iDialog, Frankfurt
Die Vielzahl der modernen Kommunikationskanäle hat in den letzten Jahren unverkennbar zu einer Spezialisierung auf Unternehmens- und Agenturseite geführt. Denn viele Kanäle sind bereits für sich betrachtet ausgesprochen schnelllebig und komplex, und bedürfen daher zweifellos einer eigenen, tiefen Expertise. Unverkennbar ist aber auch, dass diese Expertisen zu oft nebeneinander laufen und nicht ausreichend im Sinne eines gemeinsamen Ganzen übergreifend professionell geplant, umgesetzt und gesteuert werden. Noch immer dominiert ein zu großes Denken in Disziplinen, Fachbereichen, Abteilungen und zu wenig Denken in interdisziplinären Prozessen. Unternehmen brauchen mehr integrierende Kräfte, die gesamthaft überblicken, verstehen und steuern – nicht im Top Management, sondern auf der Ebene der Fachbereiche: Genau da, wo das Daily Business zwischen Unternehmen und Agenturen stattfindet. Dieses Thema sollten und werden Unternehmen und Agenturen in den kommenden Jahren verstärkt diskutieren und gemeinsam nach Formen der Zusammenarbeit suchen, die die etablierten Strukturen überwinden können.