Interview mit Michael Mollath, CDO Deutsche Messe

'Digitalisierung betrifft alle'

Als „Europas Business-Festival für Innovation und Digitalisierung“ will sich die Cebit wieder bei Digitalverantwortlichen im Mittelstand als feste Größe etablieren. Vom März in den Juni geschoben soll ein „Dreiklang aus Messe, Konferenz und Networkingevent“ einen 360-Grad-Blick auf die Digitalisierung von Unternehmen, Verwaltung und Gesellschaft liefern.
Michael Mollath, der Chief Digital Officer vom Veranstalter Deutsche Messe AG muss die interne und externe Digitale Transformation organisieren. Eine der sichtbarsten Auswirkungen war, die eigene Interaktiv-Ausgründung zurück ins Unternehmen zu holen. „es reicht eben nicht, wenn eine Tochterfirma die Digitale Transformation übernimmt, wenn die Muttergesellschaft sich nicht selbst auch verändert“, so Mollaths Erkenntnis. Zur Transformation schickt er sein Management zu Start-ups nach Berlin, organisiert für die Mitarbeiter Digitale Frühstücke und setzt bei der Veränderung auf das extremste von drei Transformationsszenarien.

Aus der CeBIT wird eine Digital Transformation Messe – gleichzeitig löst die Deutsche Messe ihre eigene Interaktiv-Ausgründung auf, wie passt das?
Die Gesellschaft ist ja schon 2009 gegründet worden, um die Daten, über die die Messe verfügt, zu monetarisieren. Doch dieses Modell der Auslagerung ist heute überholt – Digitalisierung betrifft alle Bereiche.

Die Schließung ist also nicht der DSGVO gezollt?
Mit der DSGVo hat das nichts zu tun, eher damit, dass wir im Rahmen der Digitalstrategie alles auf den Prüfstand gestellt haben. Die Frage war nicht mehr, was kann man mit einzelnen Elementen tun, sondern wo wollen wir hin auf dem Weg zur digitalen Gesellschaft. Das Konzept war einfach so nicht ausgereift. Es reicht eben nicht, wenn eine Tochterfirma oder externe die Digitale Transformation übernehmen, wenn die Muttergesellschaft sich nicht selbst auch verändert.

Heißt das, die Deutsche Messe hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht und steckt mitten im Transformationsprozess?
Wir alle stecken mitten in der digitalen Transformation. Wichtig ist die Erkenntnis, dass Digitalisierung ganzheitlich und konsequent gedacht und umgesetzt werden muss. Ich bin nur der Reisebegleiter.

Wird diese Veränderung von der Geschäftsleitung mitgetragen?
Ja, es ist allen klar, dass es nicht ausreicht, einen Digitalverantwortlichen zu benennen, ähnlich eines Qualitätsbeauftragten. Unsere Strategie setzt darauf, die Silos aufzubrechen. eine der ersten Maßnahmen war daher, die Themen umzuorganisieren und in einem Geschäftsbereich Digital Business Transformation and Culture zu bündeln.

Was gehört denn alles dazu?
Die gesamte IT über Data Management, Ticketing, e-Commerce bis hin zum Einlass-System und allen Formen der eigenen Präsentation sowie Digital-Formaten werden von diesem Geschäftsbereich betreut. Neben den technischen Aspekten hat das Team auch die Aufgabe, das ganze Unternehmen auf den Zug zu setzen und fit zu machen für die Digitalisierung in allen Bereichen.

Mitarbeiter für etwas begeistern, das sie nicht kennen, ist nicht einfach…
Nein, wir haben uns tatsächlich viele Gedanken gemacht, mit welchen Formaten wir möglichst viele mit dem Thema überhaupt erst einmal vertraut machen können. Es gibt aus diesem Grund auch alle 6-8 Wochen ein sogenanntes Digital Breakfast. Dazu laden wir Experten von außen ein, die zu einem Thema erzählen. Wir lockern das Ganze durch Interaktion und Networking auf. Auch dieser Austausch schafft eine positive Grundeinstellung. Mittlerweile ist es sogar so, dass wir Interessenten absagen müssen.

Wie wirkt sich das auf die eigenen Projekte aus, nehmen Sie selber etwas mit?
Wenn, wie beispielsweise vor ein paar Wochen, eine Referentin von Thyssen Krupp über deren Konzept der internen Kommunikation berichtet, oder das Prinzip des „Working out Loud“ vorgestellt wird, das ist dann zwar nicht unbedingt direkt ein Beitrag zur Digitalen Transformation, dennoch kann es Offenheit schaffen für Veränderung.

Wie beziehen Sie das Management ein?
Wir haben zum Beispiel speziell mit der ersten und zweiten Führungsebene eine Exkursion nach Berlin zu Start-ups gemacht und uns diese im Kontext angesehen: Hinsichtlich ihres Herangehens, des Umgangs mit Data oder Chatbots oder anderen Geschäftsfeldern, die auch für uns relevant sind.

Reicht ein solcher Besuch denn?
Schon im Vorfeld haben wir uns überlegt, was uns speziell interessiert. Und natürlich vor Ort auch Diskussionen geführt. Wichtig war uns, herauszufinden, was diese jungen Unternehmen motiviert, ihren Weg so zu gehen, oder wie ihre Lösungsmotivation aussieht, welche Arbeitsatmosphäre herrscht und letztendlich den Vergleich zu ziehen zu der Situation im eigenen Haus. Auch, wie Entscheidungsprozesse ablaufen, war eine wichtige Erfahrung für uns.

Das ist ja nicht überall gleich...
Nein, aber es erleichtert trotzdem, die entsprechenden Parallelen zu ziehen und beispielsweise im eigenen Haus auch den CDO viel mehr in entsprechende Prozesse einzubeziehen. Und zwar schon dann, wenn Überlegungen anstehen und nicht erst, wenn Beschlüsse gefasst sind.

Womit wir wieder bei der Strategie wären. Ist die neue CeBIT Teil davon?
Ganz klar ist das alte Format der Cebit überholt. Wir haben drei Szenarien entwickelt und uns tatsächlich für das extremste, das die meisten Veränderungen mit sich bringt, entschieden. Schon allein die Verlagerung in den Juni, weg vom jahrzehntelangen Frühjahrstermin, ist ein großer Bruch mit der Vergangenheit. Aber auch die Neuorganisation, mit Festival und Konferenzprogramm ist eine große Änderung.

Mit welcher Begründung?
Im Lauf der Jahre ist der ursprüngliche Spirit der Messe verloren gegangen, das innovative Neue, der Spaß, das Must-have, auch die Positionierung als große Klammer für alle Disziplinen und Plattform für das Zusammentreffen von tradierten Technologiefirmen und Start-ups. All das wollten wir der Cebit wiedergeben.

Haben Sie nicht Angst, das es nur ‚just another‘ Festival wird?
Ach, die OMR repräsentiert ja auch nicht den ganzen Markt, wir unterscheiden uns allein durch die Vielfältigkeit, die jedem Besucher die Möglichkeit gibt, das für ihn relevante zu finden.

Dann ist diese neue Messe also ein Teil der Digitalstrategie?
Es ist ein Ergebnis des Veränderungsprozesses, mit dem einhergeht, dass auch ein Messeveranstalter in neuen Formaten denken muss. Insofern ist es sicherlich eine Folge der Auseinandersetzung mit der Digitalen Transformation. Diese macht auch vor Handelsformen und Messeformaten nicht halt.

Das Gespräch führte Susanne C. Steiger
Dieser Beitrag ist eine Veröffentlichung aus ONEtoONE 4/2018.
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