Digitalisierung

Gruner + Jahr ist dem Trend auf der Spur

Arne Wolter
, Chief Digital 
Officer bei G+JRückblick: 2016 stellte Digitalchef Arne Wolter das 2013 erstellte Modell zur Verbindung von journalistischen Angeboten und E-Commerce vor. Eine Strategie die vorsah, die digitalen Marken des Hauses (Content) mit Communities und Commerce zu verbinden. Laut Gruner + Jahr könnte diese Strategie ein Umsatzwachstum von 30 bis 40 Prozent im Digitalgeschäft erzielen. Sollte die Strategie aufgehen, würde man nicht nur das gewünschte Wachstum erzielen, sondern am Ende auch in der Lage sein die gesamte Customer Journey des Verbrauches abzubilden. Acht Monate später stellt Wolter das Modell erneut vor und verkündet: Die Strategie geht auf. 2016 stieg der Umsatz der Digitalgeschäfte innerhalb eines Jahres um 17 Prozent in Frankreich, 48 Prozent in Deutschland und in gesamt G+J um ganze 36 Prozent. Die Prozentanteile der Digitalgeschäfte des Gesamtumsatzes G+J’s sind von 2013 bis 2016 von 13 Prozent auf 23 Prozent gestiegen. Im 4. Quartal 2016 war Gruner + Jahr außerdem in allen Geschäftsbereichen profitabel, und dieses Ziel gilt es natürlich auch 2017 zu erreichen.

Dass Gruner + Jahr diesen Erfolg verzeichnen konnte, ist keinem Zufall, sondern vielmehr zukunftsorientiertem Denken geschuldet. Die Bertelsmann-Tochter hat, im Gegensatz zu vielen anderen Medienhäusern nicht auf Paid-Content gesetzt, sondern sich, neben der Stärkung und Pflege der Kernmarken, vor allem auf den Aufbau neuer Marken und Erlösströme fokussiert. Hinzu kommen Commerce-Ergänzungen wie der Verkauf von Content und die Eröffnung eigener Online-Shops. Um innovative Marken und Erlösquellen zu generieren, gründete G+J bereits 2015 das „Greenhouse“. In einem kleinen Innovationslabor im Hamburger Schanzenviertel prüfen kleine Teams aus Jungunternehmer und Gruner-und-Jahr-Vertretern neue Projektideen. In den vergangen 20 Monaten wurden im „Greenhouse“ 22 Projekte getestet von denen fünf realisiert wurden.

Der Trend steht im Fokus

Gruner + Jahr setzt bei seiner Ideenfindung voll auf Trendentwicklung. Der Verlag erkennt die Interessen seiner Zielgruppe und findet einen Weg Foodporn, Instagram, Youtube und Co. für sich zu nutzen. Entstanden sind die beiden Internet-Plattformen „Club of Cooks“ und „InCircles“. Zwei Portale, die gleich zwei Marketing-Zweige abdecken – Content Marketing und Influencer Marketing. Mit „Club of Cooks“ folgte man dem Hype um die Foodvideos auf Facebook, die Millionen User täglich klicken. Aus der anfänglichen Bitte um die Nutzungsrechte der Filme bei den „Youtubern“, entstand im Nu eine Zusammenarbeit zwischen den erfolgreichsten Youtubern im Sequment Food und G+J – eine Kooperation aus der das Portal „Club of Cooks“ hervorging. Die Plattform fasst den Qualitätscontent der „FoodTuber“ zusammen und vermarktet ihre Videos über die eigene Markensite sowie Social Media Kanäle. „Club of Cooks“ hat bereits knapp 1,2 Millionen Facebook Fans, 40 Millionen Video-Views pro Monat und ist derzeit unter den Top Ten Facebook-Seiten in Deutschland vertreten.

Erste Schritte in Richtung Customer Journey

Ein weiterer Erfolgsgarant für das Wachstum der Digitalgeschäfte G+Js, ist der Ausbau des Influencer Marketings im Digitalgeschäft. „InCircles“ dient als digitale Plattform zur Vernetzung von Influencern und Agenturen. Gruner & Jahr unterstützt Werbekunden bei der Auswahl, Durchführung und Auswertung effektiver Influencer Kampagnen. Der Fokus liegt hierbei auf der konkreten Beratung der Kunden und weniger auf der finalen Vertragsabwicklung zwischen Kunde und Influencer. Eine weitere sinnvolle Commerce-Ergänzung des Content-und-Community Zweigs, sowie Beispiel einer gelungenen Customer Journey Abdeckung, fand der Verlag in der Verbindung des Content von „Schöner Wohnen“ und der Community „Roomido“ anhand des Schöner Wohnen Shops. Das Konzept ist simpel: Sieht ein Kunde ein Produkt auf der Schöner Wohnen Website, das ihm gefällt, kann er das jeweilige Produkt per Mausklick im verlinkten Shop bestellen. So schafft sich G+J einen Mitverdienst am Geschäft der Händler. Mit „Club of Cooks“, „InCircles“ und dem Schöner Wohnen Shop ist Gruner + Jahr die ersten Schritte der Customer Journey bereits mitgegangen und die nächsten befinden sich in Planung. Für 2017 sieht Arne Wolter das Augenmerk des Verlags weiterhin auf der Förderung systematischer Innovationen. Dabei ist das Validieren von Ideen im Greenhouse, aber auch Unternehmensbeteiligungen bei Start-ups und etablierten Unternehmen gleichermaßen relevant.

Auch in diesem Jahr bleibt der Kurs auf Trend: Chatbots und Voice Search sind dabei die Top-Themen auf der Agenda. Beide Themen generieren eine erhöhte Personalisierung was wiederum das User-Engagement steigert. G+J hat deshalb bereits einen ersten Bot entwickelt, der derzeit bei Chefkoch.de im Einsatz ist. Ein weiteres Chatbot-Projekt befindet sich gerade in der Testphase. Neben den Chatbots, liegt die Zukunft vor allem bei den Sprachassistenten und Amazons Alexa wird nur einer von vielen sein, sagt Arne Wolter. In Zukunft wird es nicht mehr ausreichen bei Google unter den Top Ten zu sein, denn „wenn Sie nicht die Nummer Eins bei Voice Search sind, sind Sie raus.“ sagt Wolter. Und klar ist, dass G+J auf der Top-Position sein will. (st)