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Exklusiv: Amazon gründet deutsche Online-Werbetochter

Auf der deutschen Seite der Amazon Media Group zeigt das Unternehmen Beispielwerbung an (Bild: Screenshot Amazon.de)

Laut einer Handelsregisterbekanntmachung des Amtsgerichts München vom 2. Januar dieses Jahres wurde zum Jahreswechsel die in der bayrischen Hauptstadt ansässige vormalige „Blitz 12-287 GmbH“ in Amazon Media Group GmbH umbenannt. Als Geschäftsführer sind Ralf Kleber, Geschäftsführer von Amazon Deutschland, und Mike Recupero, Finanzchef der US-Mutter, eingetragen. Gegenstand des Unternehmens sei die „Entwicklung neuer Produkte oder neuer Kundenangebote im Bereich Medien und Werbung“.

Eine Internetsuche nach der Amazon Media Group innerhalb des deutschsprachigen Internets fördert eine Seite mit einer Beschreibung der Leistungen zutage, die die neu gegründete Gesellschaft anbietet. Dort heißt es, die Amazon Media Group wolle Werbetreibenden „Tools“ anbieten, „mit denen Sie genau das richtige Publikum für Ihre Marketingbotschaft erreichen, und zwar in einer innovativen Umgebung, die eine nahtlose Integration in die Kundenerfahrung ermöglicht“. Die Buchung von Werbung sei sowohl weltweit auf den Amazon-eigenen Seiten, „als auch auf Tausenden von anderen Premium-Seiten im Web über die Amazon Advertising Platform“ möglich.

Alexander ThurnerAlexander Thurner wird offenbar für die Vermarktung der neuen „Amazon Advertising Platform“ mit verantwortlich sein. Laut einem Eintrag in der Online-Business-Community Xing ist Thurner seit Anfang April als Senior Sales und Product Manager der Amazon Advertising Platform in München tätig. Eine Anfrage von ONEtoONE bei Amazon nach der Personalie blieb bislang unbeantwortet.

Thurner arbeitete zuvor für Spree 7. Das Joint-Venture der Publigroupe und des US-Unternehmens Mediamath ist im Bereich Online-Werbetechnologie aktiv. Thurner hatte für Spree 7 in den vergangenen Monaten von Berlin aus den Vertrieb in Süd- und Mitteleuropa geleitet. Zu weiteren seiner vorherigen Stationen gehören die VZ-Netzwerke und Myspace. In seiner neuen Funktion trommelt der 33-Jährige auf seinem Xing-Profil für den „Zugang zu Milliarden von anonymen Shopping- und Surfverhaltensdaten in Real Time, Targeting auf 30 Millionen Unique User pro Monat in Deutschland allein auf Amazon owned & operated Sites”.

Offenbar verwendet Amazon also Daten über das Surf- und Kaufverhalten seiner Kunden, um Online-Werbung gezielt nach Interessen der Verbraucher ausliefern zu können. Auf der deutschen Amazon-Website heißt es: „Wir bei Amazon haben mehr als 16 Jahre Erfahrung im Bereich Personalisierung – auf Grundlage von Milliarden anonymer Shopping- und Surf-Verhaltensweisen. Die gleichen Daten dieser Personalisierungs-Technologie nutzen wir für unsere Advertising-Lösungen und Reporting-Funktionen.“

Das Ausmaß der Informationen über Nutzer, über die Amazon in Deutschland verfügt, dürfte beträchtlich sein. Laut dem US-Marktforscher Comscore suchen 28,7 Millionen Deutsche über Amazon nach Produkten. Die deutschen Kunden führen im Schnitt monatlich fast 13 Suchanfragen durch. Nur Google verzeichnet deutlich mehr Suchende (58,6 Millionen) und Suchanfragen (91 pro Monat).