Interview mit Michaela Schwandt, Operational Marketing & Business Development EDE

Der Markt ist wie eine große Familie, er verändert sich ständig

Digitale Transformation gehört zu ihrem Projektalltag - seit mehreren Jahren schon, seit sich auch weit über die Werbemittel-Produktionsprozesse einiges geändert hat. Selbst in ihrer Freizeit wird (fast) alles zum Projekt: Sei es die Neugestaltung des Vorgartens oder der Anlage eines Brunnens - auch vor dem eigenhändigen Bau eines Gartenhauses macht ihre Leidenschaft nicht halt.

Bei Ihnen ist das Marketing der Treiber bei der Digitalen Transformation - was hat dazu geführt?
Die digitale Transformation ist eine der wesentlichen Herausforderungen der ganzen EDE-Unternehmensgruppe sowie der Handelshäuser unserer Mitglieder. Als Teil der Führungsmannschaft sind meine Kollegen und ich selbstverständlich gefragt, unser Unternehmen durch die Digitale
Transformation zu führen und bestmöglich zu entwickeln.
Dazu gehören neben der Digitalisierung der Einkaufs-, Verkaufs- und Buchungsprozesse in erster Linie auch die Produktionsprozesse des Marketings. Unser Haus produziert traditionell jedes Jahr mehrere Dutzend Kataloge und Prospekte für die uns angeschlossenen Mitgliedsfirmen. Automatisierte und digitalisierte Prozesse ohne Medienbrüche sind Voraussetzungen für ein gutes Gelingen.

Wie weit sind Sie mit der Digitalisierung fortgeschritten?
Als ich im Wuppertaler Familienunternehmen anfing, gingen die Uhren noch ganz anders. Man könnte sagen, seinerzeit war der Begriff „digitale Transformation“ noch gar nicht erfunden. Wir setzen jedoch schon seit mehr als 15 Jahren ein Produktinformationsmanagement- System ein und produzieren seither konsequent über die voll- und teilautomatisierte Printausleitung.
Wir haben im Laufe der Jahre verschiedene Lösungen getestet. Dennoch ist dies kein Garant für eine dauerhafte Best Practice Lösung. Das halte ich generell für einen Irrglauben. Selbst nach erfolgreicher Digitalisierung der eigenen Prozesse ist der Aufgabenstellung längst nicht genüge getan. Auch diese gilt es stetig weiterzuentwickeln und kontinuierlich zu verbessern. Neue Software, neue Möglichkeiten... Genau dort stehen wir jetzt im EDE.
Aktuell wechseln wir auf eine vollständig neue Gesamtlösung, die professionell aufeinander abgestimmte neue Systemlandschaft soll uns wesentliche Synergieeffekte verschaffen und unsere Effizienz deutlich steigern.

Haben Sie dabei Unterstützung?
Digitale Transformation im EDE ist kein Privileg, sondern eine selbstverständliche Grundanforderung an alle Führungskräfte. Es ist vereinbarte Philosophie,
unsere Prozesse zu überprüfen und wo möglich zu digitalisieren und automatisieren. Unsere weit gesteckten Ziele erreichen wir nur, wenn wir alle Kräfte aus der Organisation generieren und wenn wir einen hohen Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad erreichen.

Und darin sind Sie wie weit?
Das ist bereichsweise unterschiedlich und hängt mit der Komplexität der jeweiligen Anforderung zusammen. Das Bestreben zur Umstellung ist jedoch unternehmensweit in gleicher Weise ausgeprägt und im Fokus. Zahlreiche Projekte sind bereits geplant, in Realisierung oder umgesetzt.

Führen Sie alle Projekte zum Erfolg?
Ich habe viele kleine und große Projekte zum Erfolg geführt. Nach geglückter Realisierung ist jedes Mal wieder ein Leuchtturm gelungen. Hiernach wartet schon das nächste Projekt auf mich. Zu Erfolgen gehören jedoch auch Misserfolge. Damit muss man umgehen. Um erfolgreiche Innovationen in die Marktreife zu führen, gilt es die Phase der Early Adopter konsequent zu überstehen.
Unser Web-to-Print-Publikationstool befindet sich gerade in dieser Phase und schon heute wissen wir, dass wir unsere Prozesse weiterhin auf den Prüfstand stellen und am Ball bleiben müssen.

Wieviel Zeit haben Sie für solche Projekte - oder eben auch wie wenig?
Die Innovations- und Reaktionszeitfenster werden immer kürzer, die Evolution der Digitalisierung schreitet immer zügiger voran. Die Geduld der Investoren und Anwender schwindet. Oft klaffen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander, Verständnis für die Aufwände zur Realisierung und Implementierung ist häufig nicht vorhanden. Das führe ich im Wesentlichen auf fehlende Detail- und Fachkenntnisse zurück. Hier braucht es Vertrauen in die Kompetenz der Akteure und entsprechende Ausstattung der Projekte. Im Prinzip muss ich heute schon wissen, was die Händler in zwei bis drei Jahren brauchen.

Sie sind also eine Art Transformations-Dienstleister für die Händler?
Es liegt in unserer DNA als Einkaufs- und Marketingverband, unsere Mitglieder bei der Entwicklung ihrer Unternehmungen zu unterstützen.

Was treibt Sie persönlich an?
Herausforderungen spornen mich an und lösungsorientiertes Trouble Management ist im Projektgeschäft selbstverständlich. Deshalb ist kontinuierliches Verbesserungsmanagement ein echtes „Steckenpferd“. Die Digitale Transformation ist genauso unumgänglich, wie es der Ottomotor in der Automobilindustrie war. Verweigerer stellen sich nur selbst ins Abseits. Das heißt nicht, dass man alle Trends mitmachen muss. Ich bin selber schon so viele Jahre in der Prozessdigitalisierung tätig, dass es eine absolute Selbstverständlichkeit geworden ist. Dennoch finde ich es mehr als spannend, wenn man die disruptiven Entwicklungen der letzten Jahre und die vor uns liegenden betrachtet. Und „im Kleinen“ ist es einfach toll, die zahlreichen Veränderungen und Optimierungen im Beruflichen wie im Privaten zu erleben ins Alltägliche zu integrieren.

Das Gespräch mit Michaela Schwandt führte Susanne C. Steiger