M-Commerce

Die besten Mobile-Shops Deutschlands

Der E-Commerce-Umsatz ist im Jahr 2015 in Deutschland schon wieder um zwölf Prozent gewachsen. Und dabei wird das Geschäft über mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets immer wichtiger. So konnte das mobile Internet als Bestellweg im Interaktiven Handel im Jahr 2015 ebenfalls wieder ein Umsatzplus verzeichnen. Das Volumen kletterte von 9,08 Milliarden Euro auf 9,70 Milliarden Euro. Wie wichtig eine funktionierende mobile Website ist, dürfte also jedem klar sein.

Aus diesem Anlass hat das Unternehmen Dynatrace für ONEtoONE eine Messung der zehn umsatzstärksten Online-Shops in Deutschland durchgeführt (Auswahl nach Statista/EHI Retail Institute). Die untersuchten Shops im Einzelnen: Alternate, Amazon, Bonprix, Conrad, Cyberport, H&M, Notebooksbilliger, Otto, Tchibo und Zalando.

Die Untersuchung
Wie schnell sind die mobilen Webseiten der zehn umsatzstärksten Shopping-Anbieter in Deutschland? Um dies genau festzustellen, hat Dynatrace über einen Messzeitraum von einer Woche im Februar dieses Jahres im 30-Minuten-Takt die Zeit bis zur vollständigen Anzeige der Inhalte sowie die Verfügbarkeit der Seiten auf dem iPhone gemessen. Ergebnis: An der Spitze steht der Mobile-Shop von Cyberport Digital Outfitters mit drei Sekunden, am Ende Conrad Electronic mit 20 Sekunden.

Der Test wurde vom 5. bis zum 12. Februar durchgeführt und ermittelte Performance und Verfügbarkeit der mobilen Webseiten-Shops. Die Performance-Messungen ergaben, dass die Seiten für potenzielle Käufer durchschnittlich nach folgender Zeit vollständig sichtbar sind: Cyberport: 3,03 Sekunden, Tchibo: 3,04 Sekunden, Alternate; 3,51 Sekunden, H&M: 4,22 Sekunden, Amazon: 5,31 Sekunden, Bonprix: 5,45 Sekunden, Notebooksbilliger: 5,69 Sekunden, Otto: 7,57 Sekunden, Zalando: 14,12 Sekunden und Conrad: 19,58 Sekunden.

Anzahl der Objekte im mobilen Bereich besonders wichtig
Woran liegen diese Unterschiede beim vollständigen Seitenaufbau und der Verfügbarkeit der mobilen Website? Dies wird klar, wenn man sich die Anzahl der Objekte auf den jeweiligen Seiten betrachtet. Während Cyberport nur 26 Objekte aufweist, sind es bei Conrad 181. Am deutlichsten war dieser Effekt bei Alternate zu sehen. Hier wurde während des Messzeitraums am 9. Februar die Homepage überarbeitet, wodurch statt 32 nun 58 Objekte integriert sind. Dies sorgte für eine Verschlechterung der Performance-Zeit von 2,6 auf 4,1 Sekunden. Es gibt zwar hier keine direkte Eins-zu-Eins-Relation, aber insgesamt steigt mit der Anzahl der Objekte die Ladezeit. Die Ursache dafür sind die dadurch zunehmenden Requests, also Datenanfragen an die entsprechenden Webserver.

Interessant dabei: Dieser Effekt ist bei mobilen Shops deutlich ausgeprägter als bei herkömmlichen Online-Shops. Bei allen mobilen Verbindungen besteht eine hohe Latenzzeit, das bedeutet jeder einzelne Request (auch bei hohen Übertragungsraten via 3G oder 4G) erfährt eine relativ hohe Verzögerung. Daher summieren sich die Objektladezeiten entsprechend auf. Bei PCs, also klassischen Webseiten, hängt die Ladegeschwindigkeit stärker von der Seitengröße ab und korreliert so mit der herunterzuladenden Datenmenge. Diese spielt bei Smartphones eine geringere Rolle als die Latenz. Das zeigt vor allem Cyberport: Die schnellste mobile Website im Testfeld hat nämlich gleichzeitig mit 1.588 Kilobyte (KB) die größte Datenmenge. Die Seiten mit der geringsten Datengröße, Notebooksbilliger (394 KB) und Bonprix (469 KB), liegen bei der Performance dagegen im Mittelfeld.

Dieser Unterschied mag laut Dynatrace an der insgesamt meistens noch langsameren mobilen Datenverbindung sowie den leistungsschwächeren Browser-Technologien im Vergleich zum Festnetz liegen. Denn dadurch dauern die Objekt-Anfrage und die Datenbearbeitung relativ lange. Doch ist der Download einmal gestartet, geht er schneller, da die Datenmenge bei M-Shops insgesamt geringer ist. Die Empfehlung für Betreiber: Auf mobilen Webseiten möglichst viele Bilder in eine Datei zusammenfassen, Java Scripts optimieren und möglichst wenig verschiedene Objekte einbinden.

Verfügbarkeit
Die technische Verfügbarkeit, also das Laden aller Bestandteile innerhalb von 60 Sekunden, war bei fast allen mobilen Webshops mit mehr als 98 Prozent gut. Höhere Werte sind hier laut Dynatrace nicht unbedingt zu erwarten, da mobile Verbindungen öfter Schwankungen unterliegen und daher Ausfälle nicht immer am Shop liegen. Es gibt jedoch zwei Ausreißer – wiederum Conrad und Zalando – mit einer Verfügbarkeit von nur 96,90 beziehungsweise 96,26 Prozent.

Auch hier ermittelte Dynatrace die Ursachen. Bei Zalando traten die Transaktionsfehler sporadisch auf, also über den Messzeitraum verteilt, jedoch vorwiegend abends. Dies kann auf die Überlastung eines Systems aufgrund der stärkeren Nutzung hinweisen. Der entsprechende Server befand sich jedoch nicht bei Zalando selbst, sondern bei einem Drittanbieter, in diesem Fall einem Provider von Realtime Bidding. Eine Anfrage auf die Server dauerte in Einzelfällen neun Sekunden. Zwar führten auch Tracking-Inhalte eines anderen Anbieters zu Verzögerungen, aber die Überprüfung zeigte, dass der Ad-Server letztlich für die Ausfälle durch Timeouts verantwortlich war.

Bei Conrad verteilten sich die Verfügbarkeitsprobleme gleichmäßiger auf den Messzeitraum. Damit handelte es sich wohl nicht um ein Lastproblem. Zwar ist Conrad einer der wenigen Anbieter im Testfeld, der seine Inhalte regelmäßig ändert, doch für die Ausfälle war wiederum der Ad-Server eines 
Drittanbieters verantwortlich, diesmal derjenige für personalisierte Angebote. Und auch hier stehen im Hintergrund mehrere weitere, langsame Domains von Drittanbietern.

Die Empfehlung für die Betreiber: Möglichst wenig Inhalte von Drittanbietern einbauen und deren Performance ständig überwachen.

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