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Das Gold aus dem Netz

Ganz gleich ob Hotelkette, Softwareentwickler oder Digital-Agentur: Kryptowährung als Zahlungsart zu akzeptieren, lohnt sich für viele Unternehmen

Derzeit sind weltweit Menschen mit dem Bergen eines Schatzes beschäftigt. Dabei sind die „Goldgräber“ nicht auf der Suche nach edlem Metall. Nein, sie streben nach einem wesentlich moderneren Material: der Kryptowährung. Kaum ein Begriff fällt aktuell so häufig wie dieser, doch verstehen ihn nur wenige. Ethereum, Ripple oder auch Litecoin – Bezeichnungen finden sich viele, die wohl bekannteste aber ist Bitcoin – die gemessen am Handelsvolumen wichtigste Digitalwährung.

Während der Kurs des echten 
Goldes seit Längerem bei knapp 1.060 Euro verharrt, hat das digitale Gegenstück seinen Wert seit Jahresbeginn mehr als verfünffacht; und die 5.000-Euro-Marke wackelt. Aus dem Nichts wird somit eine – haptisch nicht existente – Währung zur Alternative zu staatlich anerkannten Währungssystemen. Und dann gibt es auch noch hunderte Varianten dieser Währungsformen. Gelistet sind derzeit 922 Kryptowährungen. Einigen Ländern geht diese Entwicklung offenkundig zu schnell. Allen voran China, das kürzlich strikte Einschränkungen der Kryptowährungen forderte. So wurde neuen virtuellen Währungen zunächst ein „Initial Coin Offering“, gewissermaßen der Börsengang eigens kreierter digitaler Währungen, untersagt. Auch Russland reagierte bereits und beschränkte den Handel mit der Cyberwährung. Internetseiten, die Kryptowährungen wie Bitcoin anbieten, würden künftig blockiert, so der stellvertretende Zentralbankchef Sergej Schwezow. Sollte der Bitcoin jedoch, wie zur Zeit spekuliert wird, weiter in die Höhe schnellen, könnte zumindest China den Handel wieder freigeben. Es ist also angebracht, dem Phänomen rund um die Digitalwährung Beachtung zu schenken – und sich, wer weiß, vielleicht sogar zu beteiligen.


Begriffserklärung leicht gemacht

Nun ist der Begriff allerdings ein ziemlich abstrakter und für diejenigen unter uns, die digital nicht so sehr versiert sind, warscheinlich ähnlich kryptisch wie die Währung selbst. Daher nun ein vereinfachter Erklärungsversuch:

Unter einer Kryptowährung versteht man eine Art digitales Zahlungsmittel, welches wie der Euro oder der Dollar für den Erwerb von Waren und Dienstleistungen verwendet wird. Der Unterschied zur herkömmlichen Währung liegt in der Herstellung, und hier wird es auch kompliziert. Die Herstellung funktioniert anhand digitaler Transaktionen innerhalb einer „Blockchain“, die von einer Gruppe von Computern und entsprechender Software auf ihre Echtheit überprüft wird. Die Blockchain ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, welche mittels verschlüsselter Verfahren miteinander verkettet sind. Die Überprüfung der Transaktion innerhalb dieser Blockchain gelingt den Computern durch das Lösen immer komplizierter werdender Rechenaufgaben. Die Computer erledigen das Überprüfen allerdings nicht umsonst: Sie erhalten für den Prozess der Echtheitsprüfung eine Provision in Form einer Kryptowährungseinheit.

Haptisch funktioniert die Herstellung in einem „Mining Rig“, einem Computer, zusammengesetzt aus einer Vielzahl an leistungsstarken Grafikkarten. Je mehr Leistung, d. h. je mehr Grafikkarten, desto schneller ist das Rig beim Minen, also dem Berechnen der Mathematikaufgaben, und desto größer der Ertrag. Ein Rig kann jeder selber bauen, allerdings ist die Umsetzung natürlich wesentlich komplizierter als hier dargestellt. Die „erarbeitete“ Währungseinheit kann dann, ähnlich wie Aktien oder Wertpapiere, auf eigens für Kryptowährungen kreierten Handelsplattformen wie „Coinbase“ gehandelt oder zum Bezahlen von Gütern und Dienstleistungen genutzt werden. Da Kryptowährungen auf einer dezentralen Datenbank basieren, gespeichert auf tausenden Rechnern auf der ganzen Welt, sind sie zudem praktisch fälschungssicher.

ONEtoONE hat bei drei Unternehmen, die bereits Kryptowährung als Zahlungsmittel akzeptieren, nachgefragt, wie sie zu der Währung stehen:

Constantin Rehberg
, Head of E-Commerce 
bei A&O Hotels and Hostels
„Als erste Hotelgruppe akzeptiert A&O seit September 2017 Bitcoins als Zahlungsmittel und möchte damit als Vorreiter der Branche seinen Gästen eine neue und attraktive Zahlungsoption bieten. Wir glauben fest daran, dass die Zahl der Akzeptanzstellen für Bitcoins zukünftig stark wachsen wird. Momentan kommt es deshalb erst zu vergleichsweise wenigen Zahlungstransaktionen mit Bitcoins. Auch ist die Nutzungsrate bei A&O noch gering, aber sicherlich muss sich die Einführung der Zahlung per Bitcoin bei A&O in der Bitcoin-Community noch herumsprechen.

Der Bezahlvorgang ist sehr einfach: Die Kunden müssen den Betrag nur aus ihrer Wallet an unsere transferieren. Den Rest erledigt die Blockchain. Wir beschäftigen uns schon sehr lange mit der Blockchain und deren Auswirkungen auf den Tourismus. Die Zahlung per Bitcoins ist für A&O Hotels and Hostels nun der erste konkrete Anwendungsfall dieser disruptiven Technologie. Bei Entwicklung und Umsetzung von Ideen und Produkten – so auch bei der Einführung der neuen Zahlungsoption – arbeiten unsere Abteilungen vom Sales über den E-Commerce bis hin zum Marketing eng zusammen. Die Zahl der Akzeptanzstellen wird sich weiter erhöhen, weil der entsprechende Trend schon vorliegt und weil es sich bei Bitcoins um eine immer beliebter werdende Währung handelt. Da ist es ganz natürlich, dass die Akzeptanzstellen folgen. Zusätzlich ist das Zahlen mit Bitcoin sicher und günstig. “

Malte Nielsen, 
Gründer und
 Geschäftsführer bei NordLevel
„Als modernes und flexibles Software-Unternehmen versuchen wir stets den Zeitgeist aufzugreifen und unseren Kunden auch neuartige Zahlungsmethoden anzubieten. Daher akzeptiert NordLevel grundsätzlich auch Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum oder Litecoin, und zwar sowohl für unser neues Online-Baukasten-System zur Erstellung von Online-Magazinen und Blogs als auch für andere Dienstleistungen NordLevels nach vorheriger Absprache. Aufgrund der Neuartigkeit und der beschränkten Verbreitung dieser Zahlungsmittel fällt die Resonanz unserer Kunden jedoch noch sehr verhalten aus, was häufig an mangelndem Vertrauen in diese Zahlungsmethode sowie der geringen Verbreitung liegt. Bis sich Kryptowährungen auf breiter Basis als Zahlungsmittel etablieren, muss man Geduld aufbringen und den Kunden durch Angebote das Gefühl vermitteln, dass mit Ethereum und Co. auch „echte“ Dienstleistungen bezahlt werden können. Ein weiterer Punkt, der für die Akzeptanz von Kryptowährungen aus Unternehmersicht spricht, ist das aktuell sehr große Marketingpotenzial: Die geringe Verbreitung bei gleichzeitig großer medialer Aufmerksamkeit lenkt den Fokus der Leser besonders auf solche Unternehmen und Agenturen, welche sich der fortschreitenden Digitalisierung nicht verschließen, und bietet Ihnen so die Chance, neue Kunden zu gewinnen – dieses Potenzial sollte man nicht verschlafen.“

Andrea Buzzi, Gründerin und
 Geschäftsführerin bei Frau Wenk+++
„Als wir uns intensiv mit dem Thema digitale Währungen beschäftigt haben, stellten wir fest, dass regelmäßig neue Kryptowährungen eingeführt werden. Bemessen am Marktwert ist Bitcoin derzeit aber die Nummer eins, das hat die Entscheidung leicht gemacht. Denn wir wollen natürlich ein Zahlungsmittel anbieten, das bereits eine Akzeptanz am Markt hat, auch wenn die bei den Bitcoins natürlich noch längst nicht flächendeckend ist. Seit Anfang Oktober stellen wir Rechnungen auf Bitcoin aus und warten nun auf erste Freiwillige.

Die Reaktion auf unsere Kundenkommunikation war durchweg positiv. Viele haben uns erzählt, dass auch sie intern über Bitcoins als Zahlungsmittel diskutieren. Marketing-Verantwortliche von globalen Retail-Plattformen wie Amazon denken ja schon ,laut‘ über Bitcoin als Zahlungsmittel nach. Ich glaube aber vor allem, dass die zugrundeliegende Blockchain-Technologie viele Unternehmen und Prozesse verändern wird. Wir sehen das zum Beispiel bei Kunden im Adtech-Bereich, wo mit Blockchain neue Wege in Sachen Transparenz und Qualität gegangen werden. Ich persönlich kann mir vorstellen, dass in naher Zukunft digitales Bezahlen ,normal‘ sein wird. Es gibt jetzt schon Cafés, wo gar kein Bargeld mehr angenommen wird. Im weiteren Zeithorizont könnte es dann auch digitale Plattformen und Netzwerke geben, die ihre eigene Währung für ihr geschlossenes Ökosystem einführen.“ (st)