Awards

Cannes Lions stehen vor größter Veränderung in ihrer Geschichte

Durchgesickert war es bereits vor einigen Wochen, dass die Organisatoren des Cannes-Lions-Festivals straff daran arbeiten, den Agenturen ihre Awards-Show wieder schmackhafter zu machen. Dass es am Ende tatsächlich die größe Reform der Cannes-Lions-Geschichte werden würde, damit hatte indes niemand gerechnet. Und die Organisatioren haben mit ihren Änderungsplänen auch bewiesen, dass sie ihren Kunden, den Agenturen, sehr wohl zugehört haben.

Und so umfasst der Reformenkatalog nicht die längst fällige Überarbeitung der Kategorienstruktur: Insgesamt wurden rund 120! (Unter-)Kategorien ersatzlos gestrichen. So flogen beispielweise die Kategorien Cyber, Integrated und Promo&Activation komplett raus. Stattdessen gibt es ab 2018 die Kategorien Brand Experience & Activation, Creative E-Commerce sowie Social & Influencer, Industry Craft und Sustainable Development Goals.

Neben den Kategorien haben sich die Verantwortlichen auch die Währung „Cannes Löwe" vorgenommen und ist überein gekommen, der Löwen-Inflation einen Riegel vorzuschieben. Im letzten Jahr wurden zum Beispiel insgeamt 1.300 Löwen überreicht, wobei einzelne Kampagnen es durch geschicktes Einreichen auf ein gutes Dutzend Löwen gekommen waren. Das soll in Zukunft nicht mehr möglich sein, weil die Agenturen jede Kampagne nur noch bis zu sechs Kategorien im Wettbewerb einreichen dürfen. Bislang gab es hier keinerlei Beschränkungen.

Auch an der Aufwertung der Löwen wurde gearbeitet, indem der Ermittlung der Spezial-Löwen ein neues Bewertungssystem zugrundegelegt wird. Die größte Änderung wird dabei sein, dass ein Grand Prix mit 30 statt bisher zehn Punkten in die Berechnung einfließt. Gold zählt ab nächstem Jahr 15 Punkte (bislang 7) und Silber 7 (bislang 5). Bronze und Shortlist bleiben unverändert bei drei Punkten bzw. einem Punkt.

Die Social-Kampagnen hatten und haben auch künftig in Cannes sehr gute Chancen auf einen Löwen. Aber ab 2018 müssen sich die kommerziellen Kampagnen nicht mehr direkt mit ihnen messen. Denn die Social Kampagnen sollen den Juries nicht nur separat präsentiert werden. Sie sollen auch separat bewertet und während der Awards-Shows separat gezeigt werden.

2018 soll es auch eine übersichtlichere Festivalstruktur geben, um den Besuchern die Orientierung zu erleichern. Denn bis dato hetzen sie von einer Location in die nächste, um Vorträge, Arbeiten oder Workshops zu finden, die ihrem Interessenprofil entsprachen. Ab 2018 soll das Geschichte sein, indem die Kategorien und Kongresspunkte in neun Überbegriffe aufgeteilt werden, unter denen alles zum Thema zu finden sein soll: Reach, Comms, Craft, Experience, Innovation, Impact, Good, Entertainment, Health.

Bei den Vorträgen gibt es übrigens ebenfalls eine Änderung: Ab sofort kann sich jeder als Speaker fürs Festival bewerben. Zwei Vorsetzungen gibt es dafür: der Bewerber muss sich selbst gern reden hören und er muss selbstverständlich seine kreative Exzellenz glaubhaft nachweisen.

Alle vorhergehenden Änderungen scheinen aber nur Kosmetik zu sein, bedenkt man, dass die Organisatoren sogar vorm sensiblen Thema Finanzen keinen Halt gemacht haben! Hier schien steter Tropfen den Stein gehöhlt zu haben. Denn die Agenturen haben seit Jahren lauthals die progressiv steigenden Kosten in Cannes bemängelt. Hatten – wie eben jüngst die WPP Holding – mit Boykott gedroht ober gar nicht mehr eingereicht. Das soll ab 2018 wieder anders werden, indem die Kosten eben drastisch sinken.

Erreicht werden soll das nicht nur durch die Verkürzung der Festivalwoche von sieben auf arbeitnehmerfreundliche fünf Tage. Und dadurch, dass alle Agenturen, die 2017 mindestens 15 Arbeiten eingereicht haben, einen Young-Lions-Pass als Gratiszugabe erhalten. Sozusagen als verspätete Wiedergutmachung, lässt sich vermuten.

Die massivste Änderung ist die Zusammenarbeit mit der Stadtvertrung von Cannes. Dort hat man beschlossen, dass die Preise für Hotelübernachtungen zumindest gedrosselt werden sollen. Auch den Taxifahrern geht es an den Kragen: die Strecke vom Flughafen an die Croisette soll mit einem Festpreis abgerechnet werden. Da lohnen sich dann keine Umwege mehr. In den Restaurants soll es Delegate-Menues zu annehmbaren Preisen geben – was auch immer das heißt. Und last but not least wollen auch die Organisatoren etwas zum Sparprogramm beitragen und haben die Delegierten-Pass für 2018 um 900 Euro günstiger gemacht. (cb)