Social Media

Big Data und Social Media: Sensibilität gefragt

Kaum ein Unternehmen verfügt über so viele verlässliche Nutzerdaten wie Facebook, Google oder Amazon. Gerade das Social Network Facebook weiß über seine Mitglieder teilweise mehr als Eltern über 
ihre Kinder: Lieblingsbücher, Lieblingsbands, coolste TV-Sendung oder politische Einstellungen. Gerade jüngere Leute veröffentlichen im Internet freiwillig sehr viel über sich, die Bedenken sind meist gering, der Nutzen ist groß: Wer viel von sich preisgibt, erfährt auch viel (passgenaue) Reaktion und lernt schnell Menschen kennen, die ähnlich ticken.

In den sozialen Medien schlummern Datenschätze, die natürlich auch Werbungtreibende gerne nutzen würden. Das ist auch möglich, indem man zum Beispiel Werbung auf Facebook schaltet. Aber wenn man die Daten aus Social Networks für weitergehende eigene Werbemaßnahmen nutzen möchte, gelangt man schnell an rechtliche und technische Grenzen. Ulrich Hölscher, Stellvertretender Geschäftsführer & Prokurist bei beDirect, sagt dazu: „In den meisten sozialen Netzwerken treffen Personen, Freunde oder Fremde mit gleichen Interessen aufeinander. Dies erfolgt überwiegend im privaten Bereich. Die Erhebung personenbezogener Daten ist derzeit durch die deutsche (BDSG) und zukünftig durch die europäische Datenschutzgesetzgebung (EU-DSGVO) reglementiert. Hinzu kommt, dass die in den Online-Diensten gespeicherten und veröffentlichten Daten durch das Urheberrechtsgesetz geschützt sind.“ Um mehr über das digitale Verhalten beziehungsweise Image von Firmen zu erfahren, bestehe die Möglichkeit, die digitalen Aktivitäten auf und um die Homepages der jeweiligen Firmen zu messen, dazu zählen auch die Social-Media-Aktivitäten. Dafür hat beDirect mit IW Consult (Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln) und weiteren Partnern den „Digital Index“ entwickelt. Hanno Kempermann, Leiter der Abteilung Branchen und Regionen bei IW Consult: „Der Digital Index vermisst alle deutschen Unternehmen und bestimmt einheitlich, vergleichbar und wiederholbar ihren Grad der Digitalisierung. Damit lassen sich erstens wichtige Fragen über die Digitalisierungsreife von Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen beantworten. Zweitens können Unternehmensprofile erstellt werden, wie sich beispielsweise Social-Media-Aktivitäten auf den Unternehmenserfolg auswirken. Darüber hinaus ist es möglich, die Unternehmensebene zu verlassen und gleichermaßen Behörden in Deutschland zu vermessen – Stichwort 
E-Government.“ Der Index misst acht Dimensionen. Im Bereich Social werden die Readiness und die Performance untersucht.

Analyse von Posts durch Text Mining

Für Martin Clark, Geschäftsführer von Apteco, ist vor allem die Analyse von Nutzerpostings, das so genannte Text Mining, spannend. „Diese Analyse von Posts, zum Beispiel in unserem Angebot Faststats möglich, erlaubt es, positive oder negative Stimmungen in sozialen Netzwerken in Bezug auf eine Marke oder ein Produkt zu identifizieren und zu beeinflussen. Mit einer steigenden Anzahl an Kanälen und dem enormen Wachstum von Social Media Advertising ist Multi-Channel-Kampagnenmanagement ohne die volle Integration sozialer Netzwerke keine echte Option.“

Er beschreibt zudem die Möglichkeiten, die die Automatisierungs-Software in Social Networks bietet: „Soziale Netzwerke spielen im Marketing der meisten Unternehmen eine wichtige Rolle. Oftmals werden diese Daten aber noch losgelöst von Marketing-Automation betrachtet. Sei es, weil diese Kanäle von externen Agenturen gepflegt oder Responses eben noch schwer integrierbar sind. Unternehmen riskieren so den Verlust einer ganzheitlichen Customer Experience. Wir sehen im Bereich Social Media großes Potenzial, gerade als Teil der Customer Journey. Eine Integration von beispielsweise Facebook und unserer Software ermöglicht automatisiertes Aussteuern von Posts und Ads und erlaubt gleichzeitig die Response-Analyse für gezielte Follow-up-Aktivitäten.“

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