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Böse Marken: Warum es scheißegal ist, ob es allen gefällt

Bild: Roland RennerRobert SeegerGute Marken kommen in den Himmel, böse in den Einkaufwagen: Ein guter Unternehmer zu sein, ist verdammt schwer geworden: permanent müssen wir politisch korrekt agieren. Alle Texte, die unser Unternehmen verlassen, müssen natürlich gegendert werden – womit der erste Satz dieses Textes schon gar nicht geht.

Alle Produktinnen und Produkte sollen fair, gerecht, transparent, biologisch, ökologisch, Laktose-frei und nachhaltig gefertigt werden – aber gefälligst der Geiz-ist-Geil-Mentalität folgend zum Sonderpreis.

Gute Unternehmen versuchen es permanent allen recht zu machen: Ängstlich – jeden Fehler und jede Kritik vermeidend, passen wir uns an, denken & agieren nur mehr Kunden-zentriert. Aber wer versucht allen zu gefallen, wird austauschbar, belanglos, fremdgesteuert und auf lange Sicht unsichtbar.

Böse Unternehmen ecken an, haben Kanten und lassen sich nicht verbiegen. Lieber somebody’s lover, statt everybody’s darling. Denn: Nur Gegnerschaft schafft echte Gemeinschaft.

Böse Unternehmen besitzen Gelassenheit: sie springen nicht sofort, wenn der Kunde jammert und lassen Aufregung erst gar nicht aufkommen: Wir sind ohnehin ständig so aufgeregt: 10 Zentimeter Schnee reichen aus und die Headlines übertrumpfen – oder müssen wir nicht sagen überTRUMPEN – sich mit „Winter-Hölle“, „Schnee-Chaos“ oder „Total-Zusammen-Bruch“ – früher mal hieß es einfach: „Winter“. Kunden und Nicht-Kundinnen stecken permanent im Zustand erhöhter Aufregung und davon lassen wir uns mitreißen.

Da braucht es nur zwei gehässige Kommentare auf unseren letzten Facebook-Post und schon wähnen wir uns im Kloakenstrudel, mitten im feucht fröhlichen Shitstorm: Jetzt müssen wir sofort reagieren und unseren Botschaften noch harmloser machen, damit sich nur ja nie jemand beschwert. Aber das ist der völlig falsche Weg: Die Marketing-Steuerung durch unqualifizierte Kunden-Zurufe von außen führt zu immer belangloseren Gähn-Kampagnen.

Es gibt nicht nur das Phänomen eines Landes voller Teamchefs, sondern es existieren ebenso viele Marketing-Experten, die ungefragt ihre persönliche Ablehnung gegenüber einer Kampagne oder einem Produkt ungehemmt freien Lauf lassen. Agenturen- und Marken-Bashings – also Social-Media-Faustschläge gegen Postings – sind extrem in Mode von selbsternannten Grals-Hütern der reinen Marken-Lehre. Wohlgemerkt: Von denen hat noch nie jemand bei uns eingekauft und wird es auch nicht. Das sind keine Kunden, sondern narzisstische Krach- und Wichtigmacher.

Engagierte Latte Macchiato Mütter, deren organischer Fair-Trade Take-Away Coffee mit Soja-Milch deutlich mehr kostet als ihr pastellfärbige Tanga-Slip, beschweren sich über ungerechte Arbeitsbedingungen auf der Facebook-Seite des Dessous-Herstellers. Und der größte Hohn sind die „Experten“, die eine vermeintlich„billige“ Produktion der Werbung anprangern, gleichzeitig aber nur die Super-Schnäppchen im Aldi kaufen.

Gute Unternehmen werden von Kunden, ganz oft auch von Nicht-Kunden, vor sich hergetrieben. Böse Marken agieren gelassen und wissen, dass der Kunden nicht immer recht hat und sagen es ihm auch. (frei nach Michael O’Leary, CEO von der erfolgreichen wie bösen Ryanair.)

Der Kunde ist heute nicht mehr König, sondern er führt sich auf wie eine verwöhnte Prinzessin: Wir erleben das Phänomen der unerzogenen Kunden.

Der Kunde will alles sofort, überall, und wenn er es nicht bekommt dann, schreit er - LAUT. Gute Marken lassen alles durchgehen – wie die guten Eltern, um nur ja geliebt zu werden – nur nicht streng, nur nicht nein! Die Folge: sie tanzen uns auf der Nase herum und wir versuchen jeden Wunsch sofort zu erfüllen.

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